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Tief "Daisy" macht sich in Europa breit.
Tief "Daisy" macht sich in Europa breit.(Foto: dpa)

Warm anziehen und Tee trinken: Ein Wochenende mit "Daisy"

Deutschland stehen eisige Tage bevor, denn Tief "Daisy" bringt Schnee und Dauerfrost. Befürchtet werden Verkehrschaos, Stromausfälle und Schneeverwehungen. Die Hilfsdienste zeigen sich gut vorbereitet, das Bundesamt für Katastrophenschutz rät dennoch zur Vorsorge. Zu Wochenbeginn soll sich das Wetter wieder beruhigen.

Dauerfrost, Winterstürme und kräftige Schneefälle: Mit Tief "Daisy" drohen in ganz Deutschland chaotische Verkehrsverhältnisse, Stromausfälle und starke Schneeverwehungen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte in Offenbach vor Unwettern mit einem starken und stürmischen Nordostwind vor allem im Norden Deutschlands und in Berglagen. Örtlich könne sich der Schnee bis zu 50 Zentimetern hoch auftürmen.

Räumfahrzeuge sind im Dauereinsatz.
Räumfahrzeuge sind im Dauereinsatz.(Foto: dpa)

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe riet bereits den Bürgern, sich mit Lebensmitteln einzudecken. Jede unnötige Autofahrt solle vermieden werden. Auch das Technische Hilfswerk hat sich auf einen Großeinsatz vorbereitet: "Wir nehmen die Unwetterwarnungen ernst und beobachten die Lageentwicklung in Deutschland", sagte THW-Präsident Albrecht Broemme. Mit Flugausfällen, Zugverspätungen sowie Eis und Schnee auf zahlreichen Straßen muss nach Angaben von Verkehrsunternehmen gerechnet werden.

Leichter bis mäßiger Dauerfrost

Nach Angaben der Meteomedia Unwetterzentrale hatten erste schwache Ausläufer von "Daisy" Deutschland erreicht. Unter anderem kam es bei Windböen der Stärke 6 auf der Ostseeinsel Fehmarn zu ersten Schneeverwehungen. Doch das sei erst der Anfang, sagte Sprecher Andreas Wagner. Das Tief mit Zentrum über dem westlichen Mittelmeer werde nun immer stärker und niste sich bis Samstag südlich der Alpen ein. Der DWD sagte für Samstag erst einmal in der Mitte und im Süden kräftigen Schneefall voraus, der sich zum Abend hin zur Küste ausweite. Dort und in Berglagen müsse mit Sturmböen gerechnet werden. Tagsüber bleibt es bei leichtem bis mäßigem Dauerfrost zwischen minus eins und minus sechs Grad.

Der Katastrophenschutz rät, sich mit Lebensmitteln einzudecken.
Der Katastrophenschutz rät, sich mit Lebensmitteln einzudecken.(Foto: AP)
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Die Schneehöhen könne man aber "nicht als extrem bezeichnen", sagte DWD-Meteorologe Martin Jonas. Im Mittel würden es am Samstag 10 bis 20 Zentimeter sein. Doch die Kombination aus bereits liegendem Schnee, Neuschnee und stürmischen, eisigen Böen aus Nordost werde den Verkehr stark behindern. Zudem könnten dichtes Schneetreiben und die Verwehungen die Sicht einschränken, warnte Meteomedia.

THW gut vorbereitet

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Ausreichend Trinkwasser, ein Medikamentenvorrat und Kerzen sollten im Haus sein, sagte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, Christoph Unger, in Bonn. Gut wäre auch ein Batterie-betriebenes Radio. Im Fall eines Stromausfalls, der laut Unger "immer" möglich ist, wären ja andere Kommunikationsmittel wie Fernsehen oder Computer nicht einsatzfähig. Auch Mobiltelefone ließen sich dann nicht mehr aufladen. Autofahrer sollten warmen Tee und Decken einpacken. Das THW sei darauf vorbereitet, Straßen zu räumen, liegengebliebene Lastwagen frei zu schleppen und Autofahrer mit heißen Getränken und Decken zu versorgen. Darüber hinaus seien Helfer bei Schnee- und Eisbruch oder Lawinen schnell vor Ort. Bei Stromausfällen könnten mobile Generatoren geliefert werden.

Die Bundesregierung mahnte die Energieversorger, Krisenvorsorge zu treffen. "Wir gehen davon aus, dass Sie - Ihrem gesetzlichen Auftrag entsprechend - die notwendigen Vorbereitungen treffen, um möglichen Gefährdungen der Sicherheit oder Zuverlässigkeit des Elektrizitätsversorgungssystems (...) effizient entgegen wirken zu können", schrieb das Wirtschaftsministerium an die Stromversorger. In dem Schreiben wird auch auf die Stromausfälle im Münsterland Ende November 2005 verwiesen. Damals waren dutzende Strommasten unter der Schneelast eingeknickt, 250.000 Menschen hatten tagelang keinen Strom.

Ansonsten kann man ja auch mal die Stille eines Sees im Winter genießen.
Ansonsten kann man ja auch mal die Stille eines Sees im Winter genießen.(Foto: dpa)

Der Frankfurter Flughafen bat bereits Passagiere, sich auf Verspätungen und Flugausfälle einzustellen. Die Deutsche Bahn rüstete sich ebenfalls: Die angekündigten 20 Zentimeter Neuschnee bereiteten keine Sorgen, sagte ein Sprecher in Berlin. Problematisch könnten aber Schneeverwehungen werden, die im Flachland denkbar seien. "Wenn Weichen zugeweht sind, kann kein Zug mehr fahren." An der Ostsee könne es durch den Sturm auch zu Hochwasser kommen.

Über fast ganz Deutschland liegt bereits eine dichte Schneedecke. Auf den meisten Flughäfen kam es zu Behinderungen. Am Stuttgarter Flughafen wurde zweimal die Start- und Landebahn gesperrt, damit der Winterdienst dort arbeiten konnte. Dadurch habe es leichte Verspätungen gegeben, sagte eine Sprecherin. Zwei Flüge fielen wegen Problemen an anderen Flughäfen aus. Spiegelglatte Straßen haben ein Menschenleben gefordert und zahlreiche Unfälle mit Blechschäden verursacht.

ADAC fordert mehr Streusalz

Der ADAC forderte die Hersteller von Streusalz auf, die Produktion von Auftausalzen sofort deutlich zu verstärken. Zahlreiche deutsche Städte könnten ihre Straßen nicht bedarfsgerecht räumen, da die Salzvorräte zur Neige gegangen seien, teilte der Verkehrsclub mit. Der Verband der Kali- und Salzindustrie e.V. erklärte hingegen, derzeit würden in deutschen Bergwerken pro Tag 45.000 Tonnen Auftausalz produziert. "Das ist relativ viel", sagte ein Sprecher. Bei diesem Produktionsvolumen könne nicht von einem Lieferengpass gesprochen werden.

In einer Lagerhalle der Autobahnmeisterei in Ratingen ist Streusalz noch vorrätig.
In einer Lagerhalle der Autobahnmeisterei in Ratingen ist Streusalz noch vorrätig.(Foto: dpa)

NRW-Verkehrsminister Lienenkämper erklärte, die Salzvorräte des Landesbetriebs Straßenbau würden für das Wochenende voraussichtlich ausreichen. Noch lagerten rund 50.000 Tonnen Streusalz in den Vorratshallen. Immer mehr Verbraucher greifen im Supermarkt zum Speisesalz. Der Absatz von Tafelsalz sei in einigen Regionen stark gestiegen, sagte eine Sprecherin der Supermarktkette Edeka in Hamburg.

Salze schlecht für Pflanzen und Tiere

Umweltschützer warnen sowohl vor Speise- als auch vor Streusalz. Wegen seiner umweltbelastenden Auswirkungen sollte es aus Dörfern und Städten verbannt werden, forderte der Naturschutzbund NABU in Düsseldorf. Die hauptsächlich aus Natriumchlorid bestehenden Körner schadeten Pflanzen und Tieren. Viele Tiere entzündeten sich daran die Pfoten. Außerdem könne die Versalzung des Grundwassers steigen. "Jedes abstumpfende Mittel ist besser als Salz", sagte die Sprecherin des NABU NRW, Birgit Königs. Das könne zum Beispiel Sand aus dem Sandkasten der Kinder sein.

Unter anderem in Hamburg ist der Einsatz von Salz auf öffentlichen Gehwegen verboten. Erlaubt sind nur "abstumpfende Streustoffe" wie Granulat, Split und Sägespäne, sagte der Sprecher der Hamburger Stadtreinigung, Reinhard Fiedler. Auf eigenem Grund und Boden können Firmen und Privatleute allerdings streuen, was sie wollen. Das Wegegesetz, das den Einsatz von Streusalz regelt, bezieht sich nur auf öffentlichen Grund.

Wetterberuhigung zu Wochenbeginn

Experten raten: Das Auto lieber stehen lassen!
Experten raten: Das Auto lieber stehen lassen!(Foto: dpa)

Auch am Sonntag sind neue Schneefälle und Sturm möglich. In Berglagen und Richtung Osten können nach der Vorhersage zehn Zentimeter Neuschnee innerhalb von zwölf Stunden niedergehen. Die Temperaturen liegen an der Küste um den Gefrierpunkt und sinken im Süden auf minus drei bis minus sechs Grad. In der Nacht zum Montag gibt es gebietsweise leichte Schneefälle, die auch tagsüber noch anhalten können. Zu Wochenbeginn beruhigt sich das Wetter deutlich, aber der Winter bleibt noch ein paar Tage bei uns, so die Prognose des Unwetterexperten in Bochum.

Viele freuten sich aber auch über das frostige Winterwetter: Kinder konnten rodeln, auf dem Bodensee tummelten sich hunderte Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler. Vor der Insel Reichenau war die Eisschicht knapp sieben Zentimeter dick. Wintersportler können sich auf Pulver- und Neuschnee bis zu 40 Zentimeter in den Hochlagen einstellen.

Wegen Eisschollen auf der Elbe wird allerdings das für diesen Sonntag geplante Dresdner Neujahrsschwimmen verschoben. Bei der vorhergesagten Wetterlage könne die Sicherheit der Teilnehmer nicht gewährleistet werden, teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Dresden mit. Die nunmehr 12. Auflage des Spektakels ist nun für den 7. Februar geplant.

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Quelle: n-tv.de

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