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Wollte Filmstar werden, kam ins Gefängnis: "El Chapo" Guzmán.
Wollte Filmstar werden, kam ins Gefängnis: "El Chapo" Guzmán.(Foto: AP)

Drogenboss festgenommen: "El Chapo" stolpert über seine Eitelkeit

Nach seiner spektakulären Fluch wird der mexikanische Drogenboss "El Chapo" unter nicht minder abenteuerlichen wieder Umständen festgenommen. Dass die Fahnder den Chef des Sinaloa-Kartells überhaupt finden, hat dieser sich wohl selbst zuzuschrieben.

Aus und vorbei, die Jagd ist zu Ende: Sechs Monate lange war der mexikanische Drogenboss "El Chapo" der wohl bekannteste und meist gesuchte Flüchtige der Welt. Doch so spektakulär der Ausbruch von Joáquin "El Chapo" Guzmán war, so peinlich ist seine Festnahme. Denn der ach so gewiefte Gangster hat mit seiner Eitelkeit den Fahndern auf ihrer Suche mächtig unter die Arme gegriffen.

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Nachdem Guzmán im Juli aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano geflohen war, suchte das ganze Land nach dem Chef des Sinaloa-Kartells. Schließlich war dessen Flucht aus der Zelle über einen 1,5 Kilometer langen Tunnel eine schwere Demütigung für den mexikanischen Staat und für Präsident Enrique Peña Nieto.

Doch "El Chapo" scheint sich in seinem Versteck sicher gefühlt zu haben. So sicher, dass er nebenher an einem Filmprojekt über sein abenteuerliches Leben arbeitete. Wie Generalstaatsanwältin Arely Gómez berichtete, suchte der Drogenboss Kontakt zu Schauspielerinnen und Produzenten. Die Behörden gingen einigen Treffen der Anwälte des Kartellchefs zu diesem Zweck nach und kamen so dem Gesuchten auf die Spur.

Flucht über den Abwasserkanal

Wer ist "El Chapo"?

Joaquín "El Chapo" Guzmán Loera kam 1957 in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa zur Welt. Der Sohn einer armen Familie verkaufte als Jugendlicher Orangen, bevor er sich in den 1980er Jahren der Drogenbande um Miguel Ángel Félix Gallardo anschloss. Nach dessen Festnahme gründete Guzmán das Sinaloa-Kartell. Die US-Antidrogenbehörde DEA bezeichnet das Syndikat als multinationalen Großkonzern des organisierten Verbrechens.

Guzmán war 1993 in Guatemala festgenommen worden, 2001 gelang ihm jedoch die Flucht aus einem Gefängnis in Mexiko. Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar schaffte er es auf die Liste der reichsten Menschen der Welt des US-Magazins "Forbes". Er gilt als der mächtigste Drogenhändler der Welt.

Im Februar 2014 nahmen Marineinfanteristen "El Chapo" in der Küstenstadt Mazatlán im Westen Mexikos fest. Gerade mal 17 Monate verbrachte der Drogenboss in Haft, dann spazierte er durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel in die Freiheit. Guzmán gilt als "Ausbrecherkönig von Mexiko".

 Am Freitag (Ortszeit) kam ein Trupp von Marineinfanteristen in die westlich gelegene Stadt Los Mochis. Als dieser vor Guzmáns Haus stand, floh "El Chapo" zunächst durch das Abwassersystem von Los Mochis. Als er bemerkte, dass die Soldaten ihn dort weiter verfolgten, stieg er mit seinem Sicherheitschef wieder an die Oberfläche und setzte seine Flucht in einem gestohlenen Auto fort.

Beim Versuch, sich nach Norden abzusetzen, wurden Guzmán und sein Begleiter auf einer Landstraße abgefangen und festgenommen. Sicherheitskräfte brachten die beiden in ein Motel und warteten, bis Verstärkung eintraf, um den Kartellchef abzutransportieren. Bei dem Einsatz kamen fünf mutmaßliche Bandenmitglieder ums Leben, sechs weitere wurden festgenommen. Ein Soldat wurde verletzt.

"Verdammte Bullen, ihr habt uns gefasst!", soll "El Chapo" gerufen haben, wie die Zeitung "Milenio" unter Berufung auf Sicherheitskräfte berichtete. Fotos zeigen "El Chapo" in einem schmutzigen Unterhemd in Handschellen auf einem Bett.

Auslieferung in die USA droht

Die Ermittler beschlagnahmten vier gepanzerte Autos, acht Maschinen- und Sturmgewehre sowie eine Panzerabwehrwaffe. Guzmán wurde auf dem Flughafen von Mexiko-Stadt der Presse präsentiert. Schwer bewaffnete Soldaten brachten ihn von einem gepanzerten Fahrzeug zu einem Hubschrauber. Von dort wurde er zurück in das Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano im Bundesstaat México geflogen. 

Die USA begrüßten die Festnahme. "Die heutige Verhaftung von Joaquín "El Chapo" Guzmán Loera durch die mexikanischen Behörden ist ein Schlag gegen das internationale Drogenhändlersyndikat, das er geführt haben soll, ein Sieg für die Bürger Mexikos und der USA und eine Bekräftigung der Rechtsstaatlichkeit unserer Länder", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch.

"El Chapo" könnte jetzt an die USA ausgeliefert werden, wo mehrere Haftbefehle gegen ihn vorliegen. Ein mexikanischer Bundesrichter hat die Überstellung des Kartellchefs an die Vereinigten Staaten bereits genehmigt. Guzmáns Anwälte legten allerdings Einspruch gegen die Entscheidung ein. In den USA dürfte ein Gefängnis-Ausbruch deutlich schwerer zu bewerkstelligen sein.

Quelle: n-tv.de

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