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In unmittelbarer Nähe des Fundortes des getöteten Asylbewerbers.
In unmittelbarer Nähe des Fundortes des getöteten Asylbewerbers.(Foto: dpa)

Tod des Asylbewerbers aufgeklärt: Eritreer in Dresden von Landsmann ermordet

Der gewaltsame Tod eines Flüchtlings aus Eritrea in Dresden hat den Fahndern zufolge keinen ausländerfeindlichen Hintergrund. Die Polizei fasst einen tatverdächtigen Landsmann des Afrikaners. Er wohnte mit dem Opfer unter einem Dach.

Der Tod eines Asylbewerbers in Dresden ist aufgeklärt. Ein Mitbewohner und Landsmann des aus Eritrea stammenden 20-jährigen Khaled Idris Bahray wurde festgenommen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden mitteilte. Der 26-Jährige stehe in dringendem Verdacht, am Montagabend vergangener Woche im Innenhof des Wohnhauses Khaled durch mehrere Messerstiche in den Hals tödlich verletzt zu haben. Der Beschuldigte legte demnach ein Geständnis ab. Als Motiv habe er in der Vernehmung angegeben, dass ein Streit über die Haushaltsführung eskaliert sei.

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Khaled war am Dienstagmorgen vergangener Woche von Passanten tot am Hintereingang seines Wohnhauses in einem Dresdner Plattenbaugebiet gefunden worden. Zunächst hatte die Polizei keine Anhaltspunkte für eine Fremdeinwirkung gesehen. Die Obduktion zeigte dann allerdings, dass der Mann durch mehrere Messerstiche starb. Die Fehleinschätzung blieb nicht folgenlos. Der Grünen-Politiker Volker Beck erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. Diese Entwicklung sorgte für erheblichen Wirbel. Die Mordkommission wurde wegen des Falls auf 25 Beamte aufgestockt.

Mit einem Hilferuf hatten sich mehrere Mitbewohner Khaleds an Stadt, Politik, Polizei und Bürger gewandt.
Mit einem Hilferuf hatten sich mehrere Mitbewohner Khaleds an Stadt, Politik, Polizei und Bürger gewandt.(Foto: dpa)

Die Ermittler standen unter Erfolgsdruck, auch angesichts der durch die Anti-Islam-Bewegung Pegida aufgeheizten Stimmung in der Stadt. Schnell war über einen möglichen rassistischen Hintergrund der Gewalttat spekuliert worden. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) warnte aber vor Spekulationen. Es gehe darum, einen "kühlen Kopf" zu bewahren, so Ulbig. Grüne und SPD hatten im sächsischen Landtag "in der aufgeheizten Atmosphäre vor Vorverurteilungen" gewarnt. Dabei war das Medieninteresse groß, überregional und auch im Ausland. Deutschlandweit fanden Dutzende Mahnwachen für Khaled Idris Bahray statt, zuletzt am Mittwoch als Gegenveranstaltung bei der Legida-Demo in Leipzig.

"Klima der Angst"

Mehrere linke Gruppen hatten indes die Warnung, den Tod des Eritreers für Proteste gegen die Anti-Islam-Bewegung Pegida zu instrumentalisieren, ignoriert. Schnell war von einem "Klima der Angst" in Dresden die Rede. Auch andernorts war die Verunsicherung zu spüren. Dass man "sächsische Verhältnisse" in Brandenburg nicht dulden werde, hieß es beispielsweise bei einer Gedenkveranstaltung für den Ermordeten in der Landeshauptstadt Potsdam. Schließlich waren im Haus, wo das 20 Jahre alte Opfer mit sieben Landsleuten lebte, Hakenkreuze an die Wand geschmiert worden. Für viele war das ein klares Indiz.

Khaled lebte zuletzt im Sudan, wohin er als Vierjähriger mit seiner Mutter nach dem Tod des Vaters geflüchtet war. Er lebte seit etwa vier Monaten als Asylbewerber in Dresden und lernte auch Deutsch. In der Elbestadt soll der Muslim auch beerdigt werden. Der 20-Jährige hatte mit sieben weiteren Flüchtlingen in einer Vierzimmerwohnung gewohnt.

Nach Angaben seiner Mitbewohner habe er am Montagabend nur schnell noch Zigaretten holen wollen. Als er nicht zurückkam, suchten die Mitbewohner nach ihm - ohne Erfolg. Erst am Morgen fanden Passanten dann seine Leiche vor dem Hauseingang.

Quelle: n-tv.de

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