Panorama

Europa in der FroststarreErst wird es kälter, dann schneit's

05.02.2012, 18:56 Uhr
Video poster

Teile des Kontinents versinken im Schnee und erstarren vor Kälte. Hunderte Menschen erfrieren. In London werden zahlreiche Flüge gestrichen. In Deutschland soll es noch kälter werden, bevor am Mittwoch ein Italientief steigende Temperaturen bringt - und vor allem dem Südosten neuen Schnee.

Eine Woche nach dem Frosteinbruch machen Schneemassen und Blitzeis den Menschen in Europa zu schaffen. In Deutschland war die Nacht zum Sonntag mit minus 28 Grad die bisher kälteste Nacht des Winters.

Die tiefste Temperatur wurde in Oberstdorf gemessen. Dort zeigte das Thermometer minus 28 Grad an und damit ein Grad weniger als auf der Zugspitze. Wärmster Ort war Helgoland: Auf der Insel wurden lediglich minus 6,2 Grad gemessen.

32vr1647-jpg3345465365598998245
Ein Eisangler sitzt im Hafen von Stralsund. (Foto: dpa)

In den nächsten Tagen soll es noch kälter werden, bevor die Temperaturen von Mittwoch an deutlich steigen. Dann soll ein Italientief wärmere Luft nach Deutschland bringen. Zugleich soll es vor allem im Südosten kräftig zu schneien beginnen.

290 Kältetote in Europa

Bislang wurden in Europa rund 290 Kältetote gezählt, die meisten davon in Osteuropa. Vor allem in Serbien und Italien löste der stärkste Schneefall seit Jahrzehnten ein Verkehrschaos aus. In Großbritannien reichten rund zehn Zentimeter Schnee aus, um ein Verkehrschaos zu verursachen.

Europas größter Flughafen London-Heathrow strich mehr als 600 Flüge und damit die Hälfte aller Starts und Landungen für Sonntag. In Frankreich wurde auf dem Flughafen von Toulouse der Verkehr wegen starken Schneefalls zeitweise eingestellt. Busse blieben in den Depots. Auch aus Deutschland, Belgien und der Schweiz wurden Störungen und Verspätungen im Bahnverkehr gemeldet.

Polizei bewahrt Mädchen vor Kältetod

In Fürth bewahrten Polizisten zwei betrunkene Mädchen vor dem Erfrieren. Streifenbeamte entdeckten die beiden 16-Jährigen am Sonntag kurz nach Mitternacht zufällig auf einer Wiese - bei minus 17 Grad. Eines der Mädchen lag auf dem Rücken am Boden. "Die Mädchen waren stark alkoholisiert", sagte eine Polizeisprecherin in Nürnberg. Die Polizei verständigte die Eltern. Zudem werde das Jugendamt informiert, ergänzte die Sprecherin. Die Teenager gaben an, eine Feier besucht zu haben. Trotz der Kälte traten sie zu Fuß den sechs Kilometer langen Heimweg an.

Winterchaos in Italien

In Mittel- und Süditalien herrschte Winterchaos. Zwei Menschen starben, als Dächer unter der Last des Schnees zusammenbrachen. Bis zu 120.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende blieben in Zügen oder Autos stecken. In Rom und anderen Städten befreiten Soldaten die Straßen von Schnee und Eis. In den Abruzzen nahe Rom wurde der Notstand ausgerufen.

Auch die bulgarische Hauptstadt Sofia steckt im Schnee. Befahrbar waren praktisch nur die Hauptstraßen auf der Route von US-Außenministerin Hillary Clinton, die sich kurz in Sofia aufhielt. In zwei Gemeinden im Süden wurde der Notstand ausgerufen. Ein Stausee drohte überzulaufen. Der schnell gefrierende Regen verwandelte viele Landstraßen in Rutschbahnen.

Mehr als 130 Tote in der Ukraine

Dem harten Winter fallen europaweit vor allem Obdachlose zum Opfer. Allein in der Ukraine fanden bislang insgesamt 131 Menschen den Kältetod. Dort erfroren am Wochenende wieder 30 Bürger bei Rekordtemperaturen von minus 30 Grad; in Rumänien waren es 10 Menschen und damit seit Ausbruch der Kältewelle insgesamt 34. In Polen starben laut Regierung am Samstag und Sonntag 15 Bürger im Frost. Dort erlitten bislang insgesamt 53 Menschen den Kältetod. Im Baltikum kostete der Frost weiteren 5 Menschen das Leben.

In Rom und Umgebung erfroren drei Frauen und ein Mann. Aus Frankreich wurden am Wochenende drei neue Kältetote und damit insgesamt vier gemeldet. Zudem kam ein elfjähriger Junge ums Leben, als er durch das Eis in einen See einbrach. Auch in Deutschland starben schon mehrere Menschen infolge der Kälte. Weitere kamen beim Wintersport ums Leben. Von zwei eingebrochenen Eisläufern wurde am Samstag einer tot geborgen, die Suche nach dem anderen wurde eingestellt. In Südtirol riss eine Lawine zwei Skifahrer ins Verderben.

Elbe nördlich von Magdeburg dicht

Die Kälte lähmt zudem den Schiffsverkehr. Auf der Elbe bildete sich so viel Eis, dass der Fluss von Magdeburg bis Hamburg unbefahrbar war, wie die Wasserschutzpolizei mitteilte. Auch der Elbe-Havel-Kanal und Teile des Main-Donau-Kanals waren dicht.

In Italien rammte ein Fährschiff in Civitavecchia nordwestlich von Rom im Schneesturm einen Hafendamm und wurde dabei schwer beschädigt. Das Schiff mit mehr als 300 Passagieren und Besatzung an Bord wurde evakuiert.

Die Kältewelle drang selbst bis Nordafrika vor. In höheren Lagen der algerischen Hauptstadt Algier fiel seit Jahren wieder richtig Schnee. Zahlreiche Kinder, die noch nie weiße Flocken gesehen hatten, stürzten sich begeistert nach draußen.

Quelle: hvo/dpa