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Pflegekraft im Madrider Krankenhaus Carlos III: Das Abnehmen der Schutzmaske ist ein heikler Moment.
Pflegekraft im Madrider Krankenhaus Carlos III: Das Abnehmen der Schutzmaske ist ein heikler Moment.(Foto: REUTERS)

Zweiter Ebola-Fall in den USA: Infektion erfolgte trotz voller Schutzmontur

Der zweite Ebola-Fall ist rätselhaft: Die Krankenschwester, die sich bei einem Patienten aus Liberia angesteckt hat, verstieß gegen keine der bekannten Schutzvorschriften. Ihre Infektion wirft die Frage auf: Wie sicher sind die gängigen Vorsichtsmaßnahmen?

Es ist das erste Mal, dass Ebola in den USA übertragen wurde - und es hätte eigentlich gar nicht passieren dürfen. In Texas ist eine Pflegekraft, laut CNN eine Krankenschwester, an Ebola erkrankt. Sie hatte zuvor einen aus Liberia kommenden Patienten gepflegt. Die Frau soll zwar in stabilem Zustand sein, aber etwas anderes beunruhigt viel mehr: Wie konnte sie sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen anstecken? Was taugen die Sicherheitsmaßnahmen dann überhaupt?

Ebola-Virus

Das in Afrika vorkommende Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es führt in 50 bis 90 Prozent der Fälle zum Tod. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine vorbeugende Impfung noch ein Heilmittel.

Das Virus wird nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts hauptsächlich durch direkten, engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, wahrscheinlich über bluthaltige Körpersekrete. Nach einer Inkubationszeit von zwei Tagen bis drei Wochen führt die Krankheit meist zu Fieber und inneren Blutungen (hämorrhagisches Fieber), die Mehrheit der Patienten stirbt an Lungenversagen und Kreislaufschock.

Das Virus, das zuerst am Ebola-Fluss im Kongo auftauchte, lässt sich im Blut, Urin und Rachensekret nachweisen. Schon der Verdacht auf eine Erkrankung ist in Deutschland meldepflichtig.

Der "Patient Null" für Amerika hieß Thomas Duncan. Am 20. September war er in Texas angekommen. Aus Liberia, einem der drei am schlimmsten von Ebola betroffenen Länder. Kurz vor seinem Abflug hatte der 42-Jährige einer todkranken Frau geholfen, das aber wohl bei der Ausreise verschwiegen. Als er vier Tage später Fieber bekam und andere typische Symptome zeigte, gab er Verwandten zufolge seine Herkunft an. Das Krankenhaus allerdings wies ihn dennoch ab. Erst bei einem zweiten Besuch wurde er aufgenommen - und da kreuzten sich die Wege von Krankenschwester und Patient.

Für Duncan endete die Krankheit tödlich: Er starb am Mittwoch in dem Krankenhaus in Dallas. Zwei Tage später fühlte sich die Krankenschwester unwohl, die Duncan "intensiv gepflegt" hatte. In der Nacht bekam sie Fieber. Der erste Test zeigte: Ebola. Die Frau wurde sofort isoliert, die Spezialisten machten sich wieder auf die Suche nach allen Kontaktpersonen. Zentral ist nun aber auch die Frage: Wie konnte sich die Pflegekraft anstecken?

"Halten Prozedere für sicher"

"Die Person war voll den Maßgaben der (Seuchenbehörde) CDC gefolgt: Anzug, Handschuhe, Maske, Brille", sagte Daniel Varga von der Gesundheitsbehörde des Staates Texas. CDC-Chef Tom Frieden sagte, die Pflegekraft sei befragt worden. "Sie weiß nicht, wie es passieren konnte." Eine Schwachstelle gebe es: "Das Abnehmen der Gesichtsmaske ist ein komplizierter Punkt, bei dem schnell etwas falsch gemacht werden kann. Die Suche konzentriert sich jetzt darauf". Frieden betonte aber zugleich: "Wir haben Jahrzehnte Erfahrung und seit Jahrzehnten verfahren wir so. Wir halten das Prozedere nach wie vor für sicher".

Die Schutzmaßnahmen in den USA und auch in Deutschland seien so immens, dass die Gefahr einer Ansteckung extrem gering sei, betonte der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Ein Fehler könne aber immer passieren - nur müsse der eigentlich für den Pfleger oder Arzt sofort erkennbar sein. Derjenige komme dann direkt in Quarantäne und es entstehe absolut kein Risiko für andere. "Was nicht passieren sollte, ist, dass unbemerkt solche Sachen passieren", so Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. "Nahezu ausgeschlossen" sei eine unerkannte Infektion - eigentlich.

Weitere Fälle in den USA möglich

Erst vor wenigen Tagen hatte es in Spanien einen ähnlichen Fall gegeben. Auch da hatte sich eine Schwester trotz Schutzkleidung infiziert und offenbar keinen Fehler bemerkt. Sie soll sich beim Ausziehen des Anzugs mit einem Handschuh versehentlich ins Gesicht gefasst haben, wurde im Nachhinein erklärt. Ihr Zustand war am Wochenende weiter ernst, hatte sich aber stabilisiert. Die Frau sei bei Bewusstsein und habe sich mit ihren Ärzten unterhalten können. Es war die erste Ebola-Übertragung von Mensch zu Mensch in Europa.

Und nun: Amerika. "Ich will es klar sagen", betonte CDC-Chef Frieden, "es besteht die Möglichkeit, dass es weitere Fälle hier in den USA geben wird". Das könne niemand ausschließen und Ebola sei eine heimtückische Krankheit. "Aber eines muss ich auch ganz deutlich sagen: Die Isolierung funktioniert, unsere Verfahren funktionieren. Für alle Menschen außerhalb der kleinen Gruppe des medizinischen Personals, das mit den Kranken zu tun hat, besteht keinerlei Gefahr." Denn: "Wir wissen mittlerweile, wie Ebola funktioniert. Wir wissen, wie Ebola sich ausbreitet. Und deshalb wissen wir auch, wie man Ebola stoppen kann."

Quelle: n-tv.de

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