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Der Straßenkarneval hatte unter hohen Sicherheitsvorkehrungen begonnen.
Der Straßenkarneval hatte unter hohen Sicherheitsvorkehrungen begonnen.(Foto: dpa)

Köln lässt Jecken durch Sturm laufen: Jetzt sagt auch Mainz seinen Karneval ab

Trotz schwerer Sturmwarnungen will die Stadt Köln ihren Rosenmontagszug nicht absagen. In Mainz, Duisburg, Essen und anderswo gehen die Verantwortlichen auf Nummer sicher. Immerhin werden Böen von über 100 Kilometer pro Stunde erwartet.

Das Wetter macht den Jecken und Narren in diesem Jahr zu schaffen. Wegen des vorhergesagten schweren Sturms musste der Mainzer Rosenmontagszug in diesem Jahr abgesagt werden. Das teilte der Mainzer Carneval Verein (MCV) am Abend mit. Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling sagte: "Das ist mehr als schade, aber es ist nicht das Ende der Fröhlichkeit in Mainz." Es seien einfach zu viele potenzielle Gefahren. Am Rosenmontag waren Hunderttausende Menschen in Mainz erwartet worden. Der Mainzer Zug zählt neben denen in Köln und Düsseldorf zu den größten bundesweit.

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In Köln soll es nach derzeitigem Stand nur eine deutlich abgespeckte Version des Rosenmontagszugs geben. In Düsseldorf wird ebenfalls diskutiert, den Zug komplett abzusagen - eine Entscheidung soll dort am frühen Montagmorgen fallen. Nach den letzten Vorhersagen der Experten wird der Sturm sogar noch etwas stärker als zunächst erwartet. "Große Figuren, Schilder und Fahnen sind in Köln nicht zugelassen", teilten die Stadt und das Festkomitee Kölner Karneval mit. Ebenso dürften anders als sonst keine Pferde mitlaufen. Auch hier wollen sich die Verantwortlichen am Montagmorgen noch einmal zusammensetzen und über weitere Sicherheitsmaßnahmen entscheiden.

Mit den getroffenen Sicherheitsvorkehrungen könne der Zug trotz der erwarteten Sturmböen mit Windstärke 8 stattfinden, zeigten sich die Verantwortlichen in einer Mitteilung am Sonntag überzeugt. Allerdings sollen Experten noch einmal den Zugweg kontrollieren, um "mögliche Gefahrenpunkte frühzeitig zu beseitigen". Unter anderem sollen an allen Tribünen die Planen, die die Besucher von Wind und Regen schützen, entfernt werden.

Wetterexperten sprechen indes von einem unkalkulierbaren Risiko. So erwartet die n-tv Meteorologin Angela Braun schwere Sturmböen der Stärke 10. "Besonders gefährlich kann es werden, wenn die Kaltfront durchzieht, deren Verlauf noch nicht ganz klar ist. Dann drohen heftige Schauer und sogar Gewitter sowie Sturmböen von über 100 Kilometer pro Stunde", warnte Braun.  

Kaum Chancen für Düsseldorf

Beim "Schull- un Veedelszöch" in der Kölner Innenstadt.
Beim "Schull- un Veedelszöch" in der Kölner Innenstadt.(Foto: dpa)

In Düsseldorf will die Koordinierungsgruppe am Montag um 8.00 Uhr ein letztes Mal über die Wetterprognosen beraten und dann über eine mögliche Absage des Zugs entscheiden. Dem Sicherheitskonzept zufolge muss der Zug ab Windstärke 8 abgesagt werden. Auch der Deutsche Wetterdienst korrigierte die Sturmprognose für Nordrhein-Westfalen an Rosenmontag nach oben. "Wir erwarten für den Vormittag Windstärke 8 bis 9, am Nachmittag teils auch Stärke 10", heißt es dort. Damit gibt es faktisch keine Hoffnung, dass die wichtige Grenze von Windstärke 8 unterschritten wird. In Düsseldorf hatte schon einmal das Wetter den Narren einen Strich durch die Rechnung gemacht: 1990 wurde der Umzug wegen eines schweren Orkans zunächst abgesagt, später allerdings nachgeholt. Mit 82 Tagen Verspätung zogen die aufwändig geschmückten Wagen im Mai durch die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt.

Auch in Duisburg, Münster, Hagen, dem sauerländischen Wenden und einem Stadtteil in Essen wird es keinen Zug geben. Allein in Essen waren zu dem Umzug 80.000 Zuschauer erwartet worden. Die Veranstalter der unzähligen kleineren Rosenmontagszüge im Rheinland wollen meist erst Montagmorgen über eine Absage entscheiden.

Umzüge noch am Sonntag unterwegs

Am Sonntag waren die Bedingungen für den Straßenkarneval noch besser. In Köln zogen die "Schull- un Veedelszöch" durch die Innenstadt. Der Zug umfasste 8000 Teilnehmer aus 48 Schulen und 57 Vereinen. Die Schul- und Viertelszüge - wie sie auf Hochdeutsch heißen - gelten als die ursprünglichsten Karnevalsumzüge in Köln.

In Düsseldorf waren die Jecken in der Innenstadt unterwegs - dort zogen Gruppen mit Lautsprecherwagen die Königsallee hoch und runter und feierten. Beim größten Umzug im Norden im niedersächsischen Braunschweig setzten sich die Karnevalisten satirisch mit der Terrordrohung auseinander, die im vergangenen Jahr zur Absage des Zugs geführt hatte. Ein meterhohes Styropor-Gespenst mit der Aufschrift "Terror" rollte durch die Innenstadt. "Zuhause zu bleiben, wäre ein falsches Signal", sagte eine Zuschauerin.

Übergriffe und Terrorangst

Unterdessen setzte die Polizei am Samstag nach mehreren sexuellen Übergriffen im Karneval ihre Ermittlungen fort. Nach dem Übergriff auf eine belgische Fernsehjournalistin im Kölner Karneval hat sich ein 17 Jahre alter Jugendlicher bei der Polizei gemeldet. Die Frau war während einer Live-Übertragung an Weiberfastnacht vor laufender Kamera sexuell belästigt worden.

Auch für den Rosenmontag hat sich die Polizei mit einem Großaufgebot aufgestellt. Die Warnung der Einsatzkräfte, wegen der weiter bestehenden Terrorgefahr auf Kostüme mit Waffenimitaten zu verzichten, hat sich auf die Nachfrage in den Karnevalsgeschäften aber nicht ausgewirkt. Produkte wie eine Plastik-Kalaschnikow oder eine Cowboy-Pistole seien ähnlich gut verkauft worden wie in den vergangenen Jahren, ergab eine Umfrage der dpa bei mehreren Händlern. "Die Leute kaufen ganz normal, auch echt aussehende Schusswaffen", sagt Antonia Guerrero von Karnevalswierts in Köln. Man habe sogar schon nachbestellen müssen.

Quelle: n-tv.de

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