Befangenheitsantrag anhängigKachelmann-Prozess kann platzen
Der Prozess gegen Jörg Kachelmann soll am Montag fortgesetzt werden. Auf dem Plan steht die Vernehmung der ehemaligen Geliebten des Fernsehmoderators, die ihn beschuldigt, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Doch noch ist ein Befangenheitsantrag anhängig - hat er Erfolg, müsste der Prozess neu aufgerollt werden.
Vor der nächsten Runde im Prozess gegen den TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann steht die Fortsetzung des Verfahrens noch in den Sternen. Bereits in der vergangenen Woche sollte das mutmaßliche Opfer vernommen werden - doch das Gericht kam nur bis zur Befragung über die persönlichen Daten. Dann gab es eine längere Auseinandersetzung um prozessuale Feinheiten, während die Frau - meist "Sabine" genannt - hilflos auf dem Zeugenstuhl saß. Ihr Gesicht wurde die ganze Zeit auf eine Videoleinwand projiziert. Eigentlich sollte die Übertragung es den Gutachtern ermöglichen, die Mimik der Frau zu beurteilen, doch so war für den ganzen Gerichtssaal deutlich zu sehen, wie sie langsam mürbe wurde.
Schließlich stoppte die Verteidigung die Verhandlung mit einem Befangenheitsantrag. Der Grund: Die Richter lehnten es ab, "Sabine" förmlich darüber zu belehren, dass sie die Aussage verweigern darf, falls sie sich ansonsten selbst belasten würde. Die Verteidigung Kachelmanns sieht darin ein Zeichen, dass die Richter entschlossen sind, der Frau zu glauben und dass sie eine - unter Umständen strafbare - falsche Beschuldigung für ausgeschlossen halten.
Hätte der Antrag gegen die drei Berufsrichter der Strafkammer Erfolg, so müsste der Prozess von vorne beginnen, da sich nur ein Ergänzungsrichter bereit hält. Über den Antrag entscheiden zwei Vertretungsrichter, die normalerweise in anderen Kammern tätig sind, sowie der Ergänzungsrichter, gegen den kein Befangenheitsantrag gestellt wurde.
Staatsanwaltschaft droht mit Befangenheitsantrag
Ob am Montag wie geplant tatsächlich die ehemalige Geliebte aussagen wird, ist keineswegs sicher: Kachelmanns Verteidiger haben den zunächst zurückgezogenen Gutachter Tilman Elliger zuletzt wieder mit ins Gericht gebracht, allerdings noch keinen Antrag gestellt, ihn als Sachverständigen zu bestellen.
Die Staatsanwaltschaft hatte bereits einen Befangenheitsantrag gegen Elliger angekündigt. Der Psychologe und Psychiater hatte vor Prozessbeginn Aufmerksamkeit erregt, als er nach Kachelmanns Entlassung aus der Untersuchungshaft auf dessen Party auftauchte. So könnte "Sabine" vor ihrer Vernehmung ein weiterer prozessualer Nervenkrieg bevorstehen.