Panorama

Damit Trauerarbeit beginnen kannKatharina muss gefunden werden

08.01.2012, 09:20 Uhr
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Nut schwerem Gerät suchen die Einsatzkräfte nach dem Körper des verschütteten Mädchens. (Foto: picture alliance / dpa)

Mit dem Hangrutsch am Kap Arkona hat sich innerhalb von Sekunden das gesamte Leben einer Familie verändert. Einsatzkräfte suchen seit Tagen nach der zehnjährigen Katharina, die sich unter den Erdmassen befindet. Warum es so wichtig ist, den Körper des Mädchens zu finden, erklärt der Seelsorger und Pfarrer Andreas Schorlemmer in einem Gespräch.

Rettungskräfte suchen seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag am Kap Arkona auf der Insel Rügen nach der verschütteten zehnjährigen Katharina aus Nordbrandenburg. Polizeiseelsorger und Pfarrer Andreas Schorlemmer begleitet die Einsatzkräfte und erklärt, weshalb es so wichtig für die Familie und die Einsatzkräfte vor Ort ist, Katharina zu finden.

Wie wichtig ist es für die Familie, die kleine Katharina zu finden?

Schorlemmer: Nach dem tragischen Unglück ist der Lebensfrieden der Familie gestört. Das Kind wurde urplötzlich aus dem Leben gerissen. Wenn das Kind gefunden wird, kann es wieder einen Platz in der Familie finden. Die Vorstellung, dass das Kind nicht mehr da ist, wäre für die Familie schwer erträglich. Für die Trauerarbeit ist es deshalb enorm wichtig, dass das Kind nicht verschollen bleibt.

Wie wichtig ist es für die Einsatzkräfte, dass auch sie ihre Suche mit einem Ergebnis abschließen können?

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Andreas Schorlemmer betreut als Seelsorger am Kap Arkona die Einsatzkräfte. (Foto: picture alliance / dpa)

Jeder der Einsatzkräfte hat eine Beziehung zu dem Mädchen gefunden. Wenn die Männer mit den Spaten graben, sind sie in Gedanken bei dem Kind. Die Männer wollen der Familie das Kind zurückgeben. Das ist ihr tiefster Wunsch. Wenn das Kind nicht gefunden wird, ist es bitter für sie. Auch sie wollen es finden, um mit dem Geschehen abschließen zu können.

Können Sie schon erkennen, wie tief der Einsatz die Helfer belastet?

Jede Einsatzkraft verarbeitet das Geschehen anders. Heute lässt sich noch nicht ermessen, wie viel Nachbetreuung erforderlich ist. Das können wir erst am Ende des Einsatzes beurteilen. Aber die Leute, die bei der Suche geholfen haben, sind gut geschult und psychisch stabil. Unter ihnen besteht ein großer Gruppenzusammenhalt. Da wird bereits viel untereinander abgearbeitet.

Quelle: Martina Rathke, dpa