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Proteste in Dhaka - am Dienstag haben die Textilarbeiter frei.
Proteste in Dhaka - am Dienstag haben die Textilarbeiter frei.(Foto: dpa)

Brandschutz kann so einfach sein: KiK: Sie kapieren es nicht

Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch gibt der Discounter KiK den Produzenten vor Ort die Schuld an der Katastrophe. Die Notwendigkeit des Brandschutzes sei noch nicht in allen Köpfen angekommen. Für Entwicklungsminister Niebel steht fest, dass der Kunde die Arbeitsbedingungen beeinflussen könne.

Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch mit 110 Toten fahndet die Polizei nach dem Besitzer. Delwar Hossain solle unter anderem zu den Vorwürfen befragt werden, wonach Bauvorschriften bei der neunstöckigen Fabrik nicht eingehalten wurden, sagte der Polizeichef von Dhaka, Habibur Rahman. Auch gebe es Berichte, wonach Manager der Fabrik trotz des Feuers den Arbeitern verboten hätten, das Gebäude zu verlassen. So sei den Arbeitern gesagt worden, es handele sich um eine Brandschutzübung.

Für Dienstag war im ganzen Land Trauerbeflaggung angeordnet. Zudem verfügte die Regierung per Dekret, dass die rund drei Millionen Arbeiter in der Textilbranche einen Tag lang nicht arbeiten mussten.

KiK sieht Schuld in Bangladesch

Eine der ausgebrannten Produktionshallen in Dhaka.
Eine der ausgebrannten Produktionshallen in Dhaka.(Foto: dpa)

Nach dem verheerenden Brand in der Textilfabrik fordert der deutsche Discounter KiK mehr Einwirkungsmöglichkeiten ausländischer Handelsketten auf den Brandschutz in den asiatischen Fabriken. Die Notwendigkeit des Feuerschutzes sei "einfach noch nicht in allen Köpfen in den Produktionsländern angekommen", sagte KiK-Geschäftsführer Michael Arretz der Zeitung "Die Welt".

"Es gibt Brandschutzprogramme, Informationsmaterial für Mitarbeiter wie Filme oder Plakate. Es ist alles da, um Großbrände zu verhindern. Aber ich sehe eine Umsetzungslücke", sagte Arretz, der bei dem Händler aus dem nordrhein-westfälischen Bönen für Nachhaltigkeit zuständig ist. "Notfalls müssen die großen Handelskonzerne das gemeinsam in die Hand nehmen, wenn der staatliche Verband in Bangladesch, der für den Brandschutz zuständig ist, nicht vorankommt."

Er plädiere für "eine Null-Toleranz-Politik": "Hersteller, die gegen Vorschriften verstoßen, werden abgemahnt und verlieren im Wiederholungsfall den Auftrag. Darüber sprechen wir auch mit anderen Händlern aus Europa", sagte Arretz. "Brandschutz ist ja nicht so kompliziert - das macht die jüngsten Vorfälle umso tragischer."

Der Verbraucher hat es in der Hand

Niebel (2.v.r.) besuchte 2011 in Tongi, einem Vorort von Dhakar in Bangladesch, eine Textilfabrik.
Niebel (2.v.r.) besuchte 2011 in Tongi, einem Vorort von Dhakar in Bangladesch, eine Textilfabrik.(Foto: dpa)

Derweil appellierte Entwicklungsminister Dirk Niebel an die deutschen Verbraucher, beim Kauf von Billigstprodukten auch an die Situation in den Herstellerländern zu denken. "Wer ein T-Shirt für 99 Cent kauft, der muss - bei aller Freude über den niedrigen Preis - wissen, dass dieser niedrige Preis auf Kosten der Erzeuger geht - häufig in Entwicklungsländern", sagte der FDP-Politiker mit Blick auf die Brandkatastrophe in Dhaka.

"Verantwortungsbewusste Verbraucher können mit ihrer Marktmacht eine Menge tun", sagte der Minister. Zu oft habe es schon solche Unfälle in der Textilindustrie gegeben. Niebel fügte hinzu: "Gefordert sind alle. Gefordert sind die betroffenen Länder und ihre Regierungen, hier Bangladesch. Sie müssen Brandschutzbestimmungen schaffen und vor allem auch konsequent (...) kontrollieren. Gefordert ist auch die Textilindustrie. Sie muss in ihren Zulieferketten für Mindeststandards in den Arbeitsbedingungen sorgen. Dazu gehört, Kinderarbeit auszuschließen; dazu gehört, gesundheitliche Belastungen für Arbeiter so gering wie möglich zu halten; und dazu gehört auch, Arbeitsplätze unfallsicher auszulegen."

"Gefordert ist immer auch der Verbraucher," sagte Niebel weiter. "Auch in Deutschland müssen viele Menschen auf den Preis genau schauen. Dennoch achten sie auf Qualitätssiegel zum Beispiel aus dem fairen Handel. Zertifizierungen und Qualitätssiegel sind kein nettes, freiwilliges Extra, sondern machen bei bewussten Verbrauchern (...) einen gewaltigen Marktunterschied."

Quelle: n-tv.de

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