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Eingesperrt auf einem Kreuzfahrtschiff: Die Quarantäneregeln auf See erlauben keine Ausnahmen (Die Carnival Magic in den Gewässern vor Mexiko).
Eingesperrt auf einem Kreuzfahrtschiff: Die Quarantäneregeln auf See erlauben keine Ausnahmen (Die Carnival Magic in den Gewässern vor Mexiko).(Foto: REUTERS)

Mexiko befürchtet Ebola-Übertragung: Kreuzfahrtschiff auf Irrfahrt durch Karibik

Die Furcht vor einer Ausbreitung der Epidemie greift von den USA auf Mexiko über: Die Behörden des Landes verweigern einem US-Passagierschiff die Einfahrt. Unter den rund 4000 Passagieren an Bord befindet sich ein Klinikangestellte aus Dallas.

Aus Angst vor einer Übertragung des Ebola-Virus nach Mexiko haben die Behörden des Landes einem US-Kreuzfahrtschiff das Anlegen verboten und das Schiff zurück auf hohe See geschickt. Der geplante Zwischenstopp auf der Karibik-Insel Cozumol habe wegen der Entscheidung der mexikanischen Behörden ausfallen müssen, teilte das Kreuzfahrtunternehmen Carnival Cruise mit.

"Es ist das erste Mal, dass so etwas passiert", erklärte ein Sprecher der zuständigen Hafenbehörde. "Die Entscheidung, das Schiff nicht anlegen zu lassen, ist eine Präventivmaßnahme gegen Ebola." Das Schiff mit mehreren Tausend Passagieren an Bord nahm stattdessen Kurs auf den US-Hafen Galveston im Bundesstaat Texas, von wo aus es am 12. Oktober zu einer Karibik-Kreuzfahrt aufgebrochen war.

Beklemmende Atmosphäre an Bord

Die erst während der Reise eintreffende Nachricht von einer potenziellen Virus-Trägerin auf dem Schiff hatte die Passagiere Berichten zufolge massiv beunruhigt und die Stimmung an Bord erheblich überschattet. Anstatt eine fröhlichen Urlaubsreise durch die Karibik genießen zu können, sehen sich Passagiere und Besatzung nun mit der Angst vor einer Masseninfektion konfrontiert.

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An Bord der "Carnival Magic", einem rund 500 Millionen teuren und gut 300 Meter langen Kreuzfahrtschiffneubau aus dem Jahr 2011, befindet sich eine Mitarbeiterin des Krankenhauses in Texas, das den mittlerweile verstorbenen Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan aus Liberia behandelt hatte. Wie sich nach dessen Tod herausstellte, hatten sich zwei Krankenschwestern aus dem Intensivpflegeteam des Krankenhauses mit dem gefährlichen Virus infiziert. Wie es trotz Schutzkleidung dazu kommen konnte, ist bislang noch ungeklärt. Das legt nun Befürchtungen nahe, dass sich weitere Pflegekräfte bei ihrem tödlich erkrankten Patienten angesteckt haben könnten.

Die Mitarbeiterin des Krankenhauses wurde auf dem Schiff unter Quarantäne genommen. Nach Darstellung der Reederei Carnival Cruise erklärte sich die Frau freiwillig dazu bereit, ihre Kabine nicht zu verlassen.

Ungeklärte Übertragungswege

Die namentlich nicht genannte Angestellte der Klinik Texas Health Presbyterian hatte nach Angaben der US-Seuchenkontrollbehörde CDC "keinen direkten Kontakt" zu dem Patienten, könnte aber theoretisch im Labor mit Körperflüssigkeiten von Duncan in Kontakt gekommen sein. Die Frau zeige allerdings bislang keinerlei Symptome und hätte zuletzt vor 19 Tagen mit Blutproben des Patienten hantieren können. Bei der Entscheidung der mexikanischen Behörden handelt es sich also tatsächlich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Inkubationszeit von Ebola beträgt 21 Tage, ein Ausbruch der Krankheit wird mit zunehmender Zeit unwahrscheinlicher.

Den Mitreisenden bleiben also noch knapp 48 Stunden der Unsicherheit, bevor sie aufatmen dürfen. Die "Carnival Magic" ist 37 Meter breit und bietet bis zu 4600 Passagieren Platz. Zusammen mit der rund 1300-köpfigen Besatzung könnten sich demnach bis zu 5900 Menschen an Bord aufhalten.

Freiwillig in der Kabine

Infektionskrankheiten an Bord von Kreuzfahrtschiffen hatten in der Vergangenheit wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Allerdings hatte es sich dabei meist um deutlich harmlosere Erkrankungen wie etwa Durchfall gehandelt. Aufgrund der beengten Verhältnisse an Bord, der teils in sich geschlossenen Versorgungssysteme und der Vielzahl an Passagieren auf engem Raum könnte sich eine aggressive Virusinfektion auf einem Kreuzfahrtschiff schnell zu einer notfallmedizinischen Katastrophe entwickeln.

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Quelle: n-tv.de

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