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Die Gebiete mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten sind farblich hervorgehoben.
Die Gebiete mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten sind farblich hervorgehoben.(Foto: Geomar)

Simulationen Kieler Meeresforscher: MH370 könnte weiter nördlich abgestürzt sein

Durch welche Meeresströmungen wurde die Flügelklappe der Boeing 777 bis an die Strände der Insel La Réunion gespült? Dieser Frage gehen Kieler Meeresforscher nach. Ihre Berechnungen ergeben Rückschlüsse auf einen anderen Absturzort für Flug MH370.

Kieler Meeresforscher haben Computerberechnungen vorgestellt, die neue Rückschlüsse auf das mögliche Absturzgebiet der seit 16 Monaten verschollenen Boeing 777 der Malaysia Airlines geben sollen. Unmittelbar nach dem Fund eines Wrackteils der Maschine, die am 8. März 2014 von den Radarschirmen verschwunden war, hatten die Forscher begonnen, den möglichen Weg der Flügelklappe mit einem Computermodell zurückzuverfolgen.

Die jetzt abgeschlossenen Computersimulationen zeigen, dass das Wrackteil, das auf der Insel La Réunion gefunden wurde, aus dem östlichen äquatorialen Indischen Ozean stammen könnte: Das wäre ein völlig anderes Absturzgebiet, als zunächst vermutet. Bisher wurde angenommen, dass das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord auf Höhe des 35. Breitengrades südlich des Äquators ins Meer stürzte - etwa 2000 Kilometer westlich von Australien. Die Forscher des Geomar-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung haben aber errechnet, dass die gefundene Flügelklappe vermutlich aus einem Gebiet mehrere Tausend Kilometer weiter westlich angetrieben wurde.

Strömungsanalyse bestätigt Annahmen

Die Kieler Meereswissenschaftler benutzten für ihre Driftanalysen ein Ozeanmodell der neuesten Generation in Kombination mit tagesaktuellen Beobachtungsdaten. Dafür setzten sie virtuelle Partikel an der Fundstelle aus und rechneten zurück in die Vergangenheit. "Wir haben fast zwei Millionen Partikel über einen Zeitraum von 16 Monaten zurückverfolgt", erläutert Dr. Jonathan Durgadoo. "Daraus haben wir dann einmal pro Monat die wahrscheinlichsten Aufenthaltsorte der Partikel berechnet."

Die Rückrechnung mit Hilfe der virtuellen Partikel lieferte ein sehr großes Gebiet im östlichen äquatorialen Indischen Ozean als wahrscheinlichstes Herkunftsgebiet, aus dem das Wrackteil stammen könnte. Es liegt westlich von Sumatra und Java, etwa 6000 Kilometer von La Réunion entfernt. "Das Ergebnis entspricht qualitativ meinen ersten Einschätzungen, sie werden jetzt durch die komplexe Strömungsanalyse bestätigt", sagt Professor Arne Biastoch. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass deswegen der momentane Fokus der Suche südwestlich von Australien zu weit südlich liegen könnte", so Dr. Durgadoo.

Allerdings räumen die Forscher ein, dass auf der Basis nur eines einzigen Wrackteils eine genauere Eingrenzung des Gebietes gegenwärtig noch nicht möglich ist. Um präzisere Aussagen treffen zu können, wären weitere Wrackteile notwendig. In den kommenden Wochen wollen die Forscher zusätzliche Parameter wie Wind und Wellen berücksichtigen, um ihre Aussagen noch zu verfeinern.

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Quelle: n-tv.de

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