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"Ihre Not hat mich erschüttert": Mann ist nach Arzneitest hirntot

In Frankreich testet ein Pharmaunternehmen ein neues Medikament an Probanden. Die Versuchsreihe gerät außer Kontrolle. Am Ende ist ein Mensch faktisch tot. Ärzte und Behörden sind ratlos.

Die französische Regierung hat den Zwischenfall bei einem Medikamententest in Rennes mit einem Hirntoten und mehreren Schwerverletzten als schlimmsten Unfall dieser Art in Frankreich bezeichnet. Gesundheitsministerin Marisol Touraine sagte, ihr sei nichts Vergleichbares bekannt. "Ihre Not hat mich erschüttert." Der Fall beschäftigte inzwischen auch die Staatsanwaltschaft. Die sechs Männer im Alter von 28 bis 49 Jahren wurden nach Einnahme des Medikaments ins Krankenhaus eingeliefert. Außer dem hirntoten Patienten waren vier in einem lebensbedrohlichen Zustand, wie aus Ermittlungskreisen verlautete.

Gesundheitsministerin Marisol Touraine und der Arzt Gilles Edan informieren zu den Vorfällen.
Gesundheitsministerin Marisol Touraine und der Arzt Gilles Edan informieren zu den Vorfällen.(Foto: AP)

Bei den Opfern handele es sich um Männer, die das Medikament mehrfach zu sich genommen hatten. "Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, wo die genauen Gründe des Unfalls liegen", sagte Touraine. Der getestete Wirkstoff enthalte entgegen erster Medienberichte kein Cannabis. Er wirke im Körper auf das Endocannabinoid-System im Nervensystem, das eine Rolle beim Kampf gegen Schmerzen spiele. Den Wirkstoff nannte sie nicht. Er ziele auf Stimmungsschwankungen sowie auf motorische Störungen bei neurodegenerativen Erkrankungen. Touraine sagte, das Medikament sei zuvor an mehreren Tierarten getestet worden, darunter Schimpansen.

Drei Patienten wohl mit bleibenden Schäden

Der portugiesische Pharmahersteller Bial hat die Risiken und Nebenwirkungen eines oral einzunehmenden Wirkstoffs in einer Studie der Phase 1 testen wollen. Dabei sei es zu den Komplikationen gekommen, hieß es. Klinische Studien mit gesunden Teilnehmern enden nur selten in einer Katastrophe wie dieser. Die Studie sei abgebrochen und die Teilnehmer informiert worden.

Bial gehört zu den größten Pharmagruppen Portugals. Der Konzern erklärte am Freitagabend, bei der Untersuchung seien alle "internationalen Praktiken" und geltenden Gesetzesvorgaben beachtet worden. Das Unternehmen zeigte sich bereit, bei den Ermittlungen umfassend zu kooperieren, um die Ursachen für den Zwischenfall zu klären.

Den Angaben zufolge handelt es sich um neurologische Verletzungen. Einer der Ärzte des behandelnden Krankenhauses, der die Pressekonferenz gemeinsam mit Touraine abhielt, äußerte die Möglichkeit bleibender Schäden bei mindestens drei Patienten. Touraines Angaben zufolge wurde das Medikament 90 Probanden in verschiedenen Dosen verabreicht. Insgesamt nahmen 128 Probanden an der Studie teil.

Anders als zuvor verlautet enthielt das Medikament keine Cannabinoide, wie die Gesundheitsministerin weiter sagte. Der Fall war am Freitagvormittag bekannt geworden. Die Beschwerden waren bereits in den vergangenen Tagen aufgetreten.

Bereits zuvor hatte das testende Unternehmen Biotrial erklärt, die Vorschriften befolgt zu haben. "Der Versuch wurde in voller Übereinstimmung mit den internationalen Bestimmungen durchgeführt, und die Verfahrensweisen von Biotrial wurden zu jedem Zeitpunkt des Versuchs befolgt", teilte es auf seiner Webseite mit. Dies gelte insbesondere für die Notfall-Prozedur zum Transfer von Versuchspersonen ins Krankenhaus. Biotrial hatte das Medikament im Auftrag eines europäischen Pharmalabors getestet.

Quelle: n-tv.de

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