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Kloster Ettal.
Kloster Ettal.(Foto: picture alliance / dpa)

Sexueller Missbruch in Kloster Ettal: Mönche waren völlig überfordert

Hinter den Mauern des oberbayerischen Kloster Ettals herrschen jahrzehntelang grauenhafte Verhältnisse. Mönche missbrauchen ihre Schüler sexuell, Prügel sind an der Tagesordnung. Eine neue Studie beleuchtet jetzt das dunkle Kapitel der Klostergeschichte.

Das, was da jahrzehntelang hinter Klostermauern passierte, klingt unglaublich. Jahrzehntelang wurden Schüler im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal sexuell missbraucht und von den Mönchen geschlagen. Als die Zustände vor drei Jahren ans Licht kam, war die Empörung groß. Wie konnte das passieren? Dieser Frage ist eine Gruppe von Wissenschaftlern des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) nachgegangen. Jetzt haben sie ihre Ergebnisse vorgestellt.

Abt Barnabas Bögle.
Abt Barnabas Bögle.(Foto: dpa)

Sexueller Missbrauch und Misshandlungen von Schülern wurden demnach durch fehlende Pädagogik und totale Überforderung der Erzieher ermöglicht. Auch die strenge Hierarchie des Klosters mit dem alleinverantwortlichen Abt an der Spitze habe zu einer Kultur des Wegschauens und des Verschweigens geführt. Professor Heiner Keupp vom IPP sprach von "Formen schwarzer Pädagogik", die in dem Kloster geherrscht hätten.

Der Bericht deckt die Verhältnisse auf: "Neben der im Mittelpunkt stehenden Gewalt durch Patres gab es auch alle Formen von Gewalt unter den Schülern." Die Erzieher hätten ihre Fürsorgepflicht auch bei solchen Übergriffen unter Schülern grob vernachlässigt. "Es fehlte eine reflektierte und professionelle Internatspädagogik, und es herrschte ein Normalitätsverständnis von Erziehung, das Körperstrafen als legitimes pädagogisches Mittel verstand", schreiben die Wissenschaftler.

Systematische Unterdrückung

Die Pädagogik habe dazu gedient, "ein System der Unterdrückung aufzubauen und zu bewahren, mit dem der Wille der Schüler gebrochen werden und deren Anpassung an die vorgegebenen Regeln erreicht werden sollten", heißt es in den Ergebnissen. Die Ettaler Mönche hätten die Schüler "durch Selektion und schmerzvolle Bestrafung der Leistungsschwachen" geformt. Züchtigungen seien "gezielt als pädagogisches Mittel eingesetzt" worden. Sexuelle Übergriffe seien "eine spezifische Variante der Gewalt" gewesen.

"Es herrschte damals der absolute Terror", schrieb ein Schüler an den vom Kloster eingesetzten Sonderermittler über die Zustände in dem Elite-Internat, die noch bis in die 1990er-Jahre vorherrschten. Mindestens zehn Patres machten sich solcher Übergriffe schuldig. Sie seien geradezu sadistisch veranlagt gewesen, schilderten die Opfer.

Schüler mussten sich auf Befehl von Mönchen gegenseitig schlagen. Andere wurden zur Strafe auf den Gang gestellt oder in den Keller geschickt. Ein Opfer schrieb, er sei von einem Pater so lange mit einem Bambusstock geschlagen worden, bis er auf die Krankenstation des Internats kam. Ein weiterer Schüler schilderte Pfister die Erziehungsmethoden eines Paters: "Er nahm uns an den Koteletten, drehte sie und riss sie nach oben. Das verursachte extreme Schmerzen." Reihenbestrafungen seien an der Tagesordnung gewesen.

"Schmerzende Narbe bleibt zurück"

Ein inzwischen gestorbener Ordensgeistlicher bekannte in einer Art Testament, dass Schüler regelmäßig auch nachts zu ihm gekommen und sexuellen Kontakt gesucht hätten, den er nicht unterband. Ein Pater stellte Fotos von Klosterschülern mit nacktem Oberkörper ins Internet für Seiten, die Homosexuelle nutzen. Womöglich wurde sogar ein Pater Opfer von sexueller Gewalt. Pfister berichtete damals, ein früherer Mönch habe ihm berichtet, er sei von Mitbrüdern missbraucht worden.

Abt Barnabas Bögle nannte die Studie "einen weiteren wichtigen Schritt in der Aufarbeitung eines dunklen Kapitels in der Geschichte unseres Internats und Klosters". "Unser Kloster mit Schule und Internat ist nach dem Jahr 2010 nicht mehr wie vorher", sagte Bögle. "Von jedem Leid, das durch unsere Schuld einem der uns Anvertrauten zugefügt wurde, bleibt eine schmerzende Narbe zurück."

Quelle: n-tv.de

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