Gespräche mit deutschen BeamtenMörder flüchtete nach Brasilien

Er wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, muss aber zunächst nicht in Haft. Als die letzte Instanz das Urteil bestätigt, ist er spurlos verschwunden. Nun muss die deutsche Justiz Thomas L. in Südamerika habhaft werden.
Der flüchtige Mörder aus Niederbayern hält sich nach Angaben der Justiz in Brasilien auf. Der 34-Jährige habe dort Kontakt mit deutschen Beamten aufgenommen, sagte Klaus-Dieter Fiedler von der Staatsanwaltschaft Straubing. Der Mann habe seine Unschuld beteuert. Gestellt habe er sich jedoch nicht. Die "Bild"-Zeitung hatte Thomas L. zuvor mit den Worten zitiert: "Ich brauche Luft, um Hilfe und Aufmerksamkeit zu bekommen."
Unklar sei weiterhin, wo genau er sich aufhalte. Der Mann, der als "Strohballen-Mörder" bekanntwurde, sollte Mitte August eine lebenslange Haftstrafe antreten. Als Polizisten ihn in der vergangenen Woche in seiner Wohnung in Niederbayern abholen wollten, war er verschwunden. Als Angeklagter war der Mann zu jedem Prozesstermin erschienen, obwohl ihm klar gewesen sein musste, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit verurteilt werde. Als damals freier Mann habe er nicht die Chance zur Flucht genutzt, verteidigte das Oberlandesgericht die Haftverschonung.
Der Verurteilte hatte drei Tage vor der Staatsanwaltschaft erfahren, dass der Bundesgerichtshof seine Revision gegen das Urteil des Landgerichts Regensburg verworfen hatte. Auf Beschluss des Oberlandesgerichts Nürnberg war der Mörder seit März auf freiem Fuß. Er war mit einer Brasilianerin verheiratet und hatte bereits vor dem Prozess längere Zeit in Südamerika verbracht.
Der Mann war im vergangenen Dezember in der Neuauflage eines Mordprozesses zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt worden. Nach Überzeugung des Landgerichts hat er im Februar 2007 seinen Onkel getötet und die Leiche zwischen Strohballen in der Nähe des Straubinger Tierparks abgelegt. Im ersten Verfahren war er mangels Beweisen freigesprochen worden.