Panorama

Für Stromausfall-OpferNächste Woche gibt es Geld

02.12.2005, 16:33 Uhr

Eine Woche nach dem Schneechaos im Münsterland mit einem bundesweit bisher beispiellosen Stromausfall als Folge geht der Streit um die Behebung der Schäden weiter.

Eine Woche nach dem Schneechaos im Münsterland mit einem bundesweit bisher beispiellosen Stromausfall als Folge geht der Streit um die Behebung der Schäden weiter. Der vom Energieversorger RWE aufgelegte Härtefallfonds in Höhe von fünf Millionen Euro für besonders Betroffene soll schon von der nächsten Woche an ausgezahlt werden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Anträge müssten plausibel begründet werden. Ein sechsköpfiges Gremium entscheide über die Auszahlung.

Der Bund der Energieverbraucher hat unterdessen eine Protestaktion mit Briefen im Internet gestartet, um eine umfassende Entschädigung vor allem für private Opfer des Stromausfalls durchzusetzen. 250.000 Menschen seien tagelang ohne Strom gewesen, sie hätten sehr viel gelitten, teilte der Bund der Energieverbraucher am Freitag mit. Die Organisation vertritt die Ansicht, der Stromversorger RWE müsse für die entstandenen Schäden aufkommen. Schneefall im November sei keine Naturkatastrophe, sagte Vorsitzender Aribert Peters.

Eine Schätzung des bei den Privatleuten entstandenen materiellen Schadens konnte Peters nicht abgeben. Einige hätten sich Notausrüstung wie Kerzen und Gaskocher kaufen müssen, anderen sei der Inhalt der Gefriertruhe verdorben. "Vielleicht ist auch das eine oder andere Haustier verendet", sagte Peters. Die Industrie- und Handelskammer Münster hatte die Schäden ihrer Firmen durch Produktionsausfall auf mehr als 100 Millionen Euro taxiert. Das Handwerk machte Schäden in Höhe von 25 Millionen Euro geltend.

Auch die Landwirte im Münsterland gehen von erheblichen Schäden aus. Mehrere tausend Betriebe seien betroffen, sagte der westfälisch-lippische Bauernpräsident Franz-Josef Möllers am Freitag. Er forderte von RWE schnelle und unbürokratische Hilfe für die betroffenen Bauern, unabhängig von der Rechtslage. Das gebiete "die Solidarität und langjährige Partnerschaft in der Region". Es liefen derzeit Beweissicherungsverfahren gegen RWE. Damit sollten gebrochene Masten vor der Verschrottung geschützt werden. Später soll anhand des Materials ermittelt werden können, ob nicht Materialermüdung, Korrosion oder andere Fehler Ursache der Stromausfälle waren.

Der Stromversorger geht davon aus, dass er auf Kosten in zweistelliger Millionenhöhe sitzen bleiben wird, etwa für den Wiederaufbau von Masten. Der Zustand vor dem Schneesturm am vergangenen Freitag werde erst in einigen Monaten wieder erreicht sein, sagte ein Sprecher am Freitag.

Auch eine Woche nach dem Wintereinbruch mit schweren Schneestürmen und starken Windböen, die 50 Hochspannungsmasten einknicken ließen, müssen hunderte Haushalte mit Notstromaggregaten versorgt werden. Die Umschaltung auf Ersatzleitungen und damit die Anbindung ans Mittel-und Niederspannungsnetz werde sukzessive in den nächsten Tagen vorgenommen, sagte ein RWE-Sprecher.