Katholische Kirche baut in Münchner BestlageNächster Prunk-Palast à la Tebartz-van Elst?

Der neue Papst Franziskus predigt Armut. Aber noch ist der Ärger um den Prunk-Bau des Limburger Bischofs nicht ausgestanden, da ziehen schon die nächsten dunklen Wolken heran. Das Erzbistum München gönnt sich in bester Innenstadtlage ein neues Ordinariat. Für 130 Millionen Euro - oder mehr.
Mitten in bester Münchner Lage zwischen Dom und St. Michel entsteht derzeit ein gigantisches neues Dienstleistungszentrum der katholischen Kirche. Wie die "Münchner Abendzeitung" berichtet, errichtet die Erzdiözese München und Freising ein neues Ordinariat. Die Kosten belaufen sich nach Angaben der Zeitung auf derzeit 130 Millionen Euro. In Kirchenkreisen soll das gigantische Bauvorhaben längst kritische Fragen aufgeworfen haben. So wurde während der Diskussion um den Prunkbau des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Bautafel entfernt, schreibt die Zeitung. Nur wer gründlich sucht, stößt noch auf einen kleinen Hinweis am bunten Bauzaun, was hinter dem Sichtschutz entstehen soll.
Wie die Abendzeitung weiter schreibt, soll das Bistum das Grundstück bereits vor sieben Jahren unter dem damaligen Erzbischof Friedrich Wetter für 86 Millionen Euro erworben haben. Es ist der hintere Teil eines riesigen Komplexes, zu dem die Renaissance-Fassade entlang der Fußgängerzone mit dem Hettlage-Haus, dem Statistischen Landesamt, der St. Michaelskirche und dem Jesuitenkloster gehört. Die Zusammenführung des Ordinariats, dessen große Abteilungen derzeit noch auf neun Standorte verteilt sind, sollte damit an einer zentralen Stelle zusammengeführt werden, führte die Kirche als Begründung an. Es habe auch Überlegungen gegeben, an den Stadtrand zu ziehen. Diese wurden der Zeitung zufolge aber schnell wieder verworfen, da es Wetter seinerzeit wichtig gewesen sei, dass das Zentrum in Dom-Nähe und damit in der teuren Münchner Innenstadt entstehe.
"Konjunkturbedingte Preissteigerung"
Beim Spatenstich im Oktober 2011 seien die Kosten für den Bau auf 39,88 Millionen Euro beziffert worden, heißt es in dem Bericht der "AZ". Ein Jahr später waren es dann aber schon 42,15 Millionen Euro, "eine konjunkturbedingte Preissteigerung", wie ein Sprecher gegenüber der Zeitung bestätigte. Aktuellere Zahlen gebe es bislang nicht.
Zuletzt wurden für ein neues Rechenzentrum noch einmal rund 1,5 Millionen Euro draufgeschlagen. Nach Angaben der "AZ" wird für die komplette Überholung der Gebäudetechnik und für die energetische Sanierung der Löwenanteil der Baukosten verwendet. Im Innenhof werde zudem eine Tiefgarage für 55 Stellplätze gebaut. Bis Sommer 2012 buddelten hier Archäologen auf 1500 Quadratmetern und entdeckten Latrinen, Lagerhäuser und Badehäuser aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Diese fallen nun den Baggern zum Opfer.
Mit dem Kaufpreis von 86 Millionen Euro summieren sich die Gesamtausgaben für die neue Anlage auf knapp 130 Millionen Euro. An Geld scheint es aber nicht zu mangeln. Der Diözesan-Steuerausschuss habe die Kostensteigerung genehmigt, schreibt die "AZ". Die Finanzierung des Projektes speise sich aus den Immobilien-Einnahmen sowie einem Fond der Diözese, heißt es. Ein Jahr sollen die Bauarbeiten am neuen Dienstleistungszentrum noch dauern. Es soll im Oktober 2014 bezugsfertig sein.