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Kein Strom, kein Heizöl: New York muss frieren

Zwar ist die Skyline von Manhattan wieder erleuchtet, doch noch immer sind 2,5 Millionen Haushalte im Raum New York ohne Strom. Auch an Benzin und Öl fehlt es. Viele Menschen müssen sich in Notunterkünften wärmen. New Jersey erlaubt die Wahl per E-Mail.

Nach dem Supersturm "Sandy" macht den Menschen an der Ostküste der USA nun ein Kälteeinbruch zu schaffen. Bereits am Wochenende haben sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt genähert, während die Stromversorgung vielerorts noch nicht wiederhergestellt war und viele Regionen weiter mit Heizöl- und Benzinknappheit zu kämpfen hatten. Für die nächsten Tage werden Werte unter null Grad Celsius erwartet. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg warnte, es werde noch mehrere Tage dauern, bis der Strom wieder zuverlässig fließt und ausreichend Treibstoff vorhanden ist. Am Wochenende waren noch rund 2,5 Millionen Haushalte vom Stromnetz abgeschnitten.

Die Skyline der Stadt war in der Nacht wieder beleuchtet.
Die Skyline der Stadt war in der Nacht wieder beleuchtet.(Foto: REUTERS)

"Es gibt nirgends Heizöl", sagte Vincent Savino von einem Energieversorger, der etwa 2000 Gebäude in New York beliefert. "Ich weiß nicht, wie viel Heizöl wir noch übrig haben: vielleicht für ein oder zwei Tage."

In New York und New Jersey sind immer noch mehr als 18.000 Menschen in provisorischen Unterkünften untergebracht. Bloomberg forderte insbesondere ältere Menschen auf, bei weiter anhaltendem Strom- und Heizungsausfall Schutz in Notunterkünften zu suchen. Auch der Gouverneur von New Jersey muss auf Strom verzichten. "Ich habe bei mir zuhause noch keinen Strom", sagte Chris Christie vor Journalisten. "Ich bin unzufrieden, meine Frau ist ebenfalls unzufrieden." Zugleich rief er die Bewohner des Bundesstaats an der Nordostküste der USA zur Geduld auf.

Christie ist ein Parteifreund des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Überraschend hatte er Amtsinhaber Barack Obama für dessen Krisenmanagement nach dem Wirbelsturm gelobt. "Ich pfeife auf den Wahltag nach allem, was hier passiert ist, ich sorge mich um die Menschen hier in New Jersey", hatte Christie erklärt.

Wahl per E-Mail

Auch Lebensmittel sind an einigen Orten knapp.
Auch Lebensmittel sind an einigen Orten knapp.(Foto: Reuters)

Vor der Präsidentschaftswahl an diesem Dienstag stellte sich für die Behörden im Nordosten des Landes die Frage, wie sie den obdachlos gewordenen Menschen die Teilnahme an dem Urnengang ermöglichen können. Der Bundesstaat New Jersey erlaubt deshalb Betroffenen, ihre Stimme per E-Mail abzugeben. Da zahlreiche Wahllokale in New York und New Jersey durch das Hochwasser unbrauchbar wurden, werden viele Wähler Wahlkabinen in provisorisch errichteten Zelten aufsuchen müssen.

"Ich denke noch gar nicht an die Wahl", sagte der 59-jährige Rentner Frank Carrol, der in dem besonders schwer betroffenen Gebiet von Staten Island wohnt. Auch weiß er noch nicht, ob sein Wahllokal überhaupt geöffnet sein wird. Eine niedrigere Wahlbeteiligung würde den Wahlausgang aber voraussichtlich nicht beeinflussen, da in beiden betroffenen Staaten eine sehr sichere Mehrheit für Barack Obama erwartet wird. Der Präsident rief unterdessen die Hilfsorganisationen dazu auf, jede unnötige Bürokratie zu vermeiden, um so schnell wie möglich zur Normalität zurückzufinden.

Notstand in Haiti

"Sandy" war am Montag auf einer Länge von mehreren Hundert Kilometern auf die Ostküste der USA getroffen. Überschwemmungen, Stromausfälle und zerstörte Häuser waren die Folge. Die wirtschaftlichen Schäden werden auf 50 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Zahl der Opfer durch den Wirbelsturm ist mittlerweile auf mindestens 110 Menschen gestiegen, nachdem in New Jersey neun weitere Opfer gemeldet wurden. Hinzu kommen 2 Todesopfer in Kanada und 67 weitere in der Karibik, die meisten davon in Haiti. Dort richtete "Sandy" nach vorläufigen Schätzungen einen Schaden von über 104 Millionen Dollar an. Der Notstand wurde ausgerufen, . In Haiti hatte im Januar 2010 ein schweres Erdbeben die Hauptstadtregion und weite Teile des Südens zerstört. Über 220.000 Menschen starben. Trotz umfassender internationaler Hilfe leidet das Land noch immer unter den Folgen der Katastrophe.

Manhattans Skyline wieder erleuchtet

Durch die Reparatur des Stromnetzes erstrahlte erstmals seit fast einer Woche wieder die Skyline von Manhattan. Auch die U-Bahn der Stadt New York ist inzwischen wieder zu 80 Prozent in Betrieb. Nach der Wiedereröffnung des New Yorker Hafens hoffen die Menschen nun auch auf eine zügige Normalisierung bei der Treibstoffversorgung. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, kündigte die Lieferung von 127 Millionen Litern Benzin per Schiff an. Am Freihafen in Long Island sammelten sich mindestens 1000 Fahrer in Erwartung der Benzinlieferungen. Gab es am Freitag noch bei zwei von drei Tankstellen in New York kein Benzin, war dies am Samstag offiziellen Angaben zufolge nur noch bei etwas mehr als einem Drittel der Fall.

Quelle: n-tv.de

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