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Papst Benedikt XVI. wird bejubelt, wo immer er auftaucht.
Papst Benedikt XVI. wird bejubelt, wo immer er auftaucht.(Foto: Reuters)

Benedikt XVI. bereitet Zeit danach vor: Papst ruft zu erneuerter Kirche auf

Und wieder ist es ein letztes Mal für Papst Benedikt XVI.: In Rom trifft er die Priester der Diozöse Roms und erläutert ihnen, was er nach seinem Rücktritt plant. Er wird "für die Welt verborgen" bleiben, verkündet er. Für die katholische Kirche, der er selbst seit acht Jahre vorsteht, wünscht er sich tiefgreifende Reformen.

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Der scheidende Papst Benedikt XVI. hat zu einer "wirklichen Erneuerung" der katholischen Kirche aufgerufen. Vor hunderten Gemeindepriestern der Diözese Rom sagte der 85-Jährige, diese Erneuerung solle im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgen.

Das Konzil war im Oktober 1962 einberufen worden. Auf der mehr als drei Jahre dauernden Versammlung wurden unter anderem wegweisende Beschlüsse zum Verhältnis von Staat und Kirche sowie zur Ökumene gefasst.

"Ich danke Euch, danke für Eure Zuneigung, für die große Liebe für den Papst", sagte Benedikt XVI. zum Auftakt des Treffens im Vatikan. Auch nach seinem Rücktritt wolle er "im Gebet" nah an seiner Kirche bleiben. "Auch wenn ich mich nun zurückziehe, bin ich im Gebet immer nah bei euch und ihr werdet immer nah bei mir sein, selbst wenn ich für die Welt verborgen bleibe", sagte Benedikt.

Papst absolviert letzte Termine

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Das Oberhaupt der Katholiken, das sein Amt am 28. Februar aufgeben wird, ist kraft Amtes auch Bischof von Rom. Die Audienzhalle nahe dem Petersdom war wie bei der Generalaudienz am Vortag prall gefüllt. Die Geistlichen empfingen den scheidenden Papst mit kräftigem Applaus.

Bis zum Ende seines Pontifikats am 28. Februar nimmt der Papst noch eine Reihe von Terminen wahr. Das Treffen mit dem römischen Klerus stand aber schon vor seiner historischen Rücktrittsankündigung fest.

In den kommenden Tagen empfängt er unter anderem italienische Bischöfe, den rumänischen Präsidenten Traian Basescu, den Präsidenten Guatemalas, Otto Fernando Pérez Molina, und den scheidenden italienischen Regierungschef Mario Monti.

Streit über Altersbeschränkung für Päpste

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Indessen geht die Diskussion über das Profil des künftigen Papstes weiter. Die geografische Herkunft des Nachfolgers spielt nach Ansicht des brasilianischen Kardinals Odilo Scherer keine entscheidende Rolle. Dies sei keine essenzielle Frage, sagte der 63-Jährige, der selbst als Anwärter gilt. "Die Frage ist, ob er in der Lage ist, das Amt zu übernehmen." Scherer, der in São Paulo die größte katholische Diözese Brasiliens leitet, ist einer von fünf Kardinälen aus Brasilien, die im März am Konklave zur Papstwahl teilnehmen.

Auch die Frage, ob der kommende Papst nun jünger sei oder nicht mehr so jung, sei nicht mehr das Wichtigste, sagte Scherer. Vielmehr gehe es darum, dass derjenige vorbereitet sei. Auf die Entscheidung Benedikts habe er zunächst überrascht, dann mit Verständnis und Bewunderung reagiert. "Es war eine extrem mutige, demütige und bescheidene Geste", sagte der Geistliche, der Nachfahre deutscher Einwanderer aus dem Saarland ist.

Der Theologe und Papstkritiker Hans Küng sprach sich für eine Altersbeschränkung von 75 Jahren bei Päpsten aus. "Man realisiert, der Papst ist ein Mensch und bleibt ein Mensch, und sein Amt ist kein Sakrament und daher auf Zeit gegeben", sagte Küng der "Passauer Neuen Presse". Die Altersbeschränkung für Bischöfe, die das Zweite Vatikanische Konzil beschlossen hat, solle auch für den Papst als Bischof von Rom gelten.

Juden hoffen auf ein Zeichen

Auf eine "letzte große Geste" des Papstes hofft derweil der in Polen wirkende Rabbi Schalom Ber Stambler. "Ich hoffe, dass er an eine große verschwiegene Tragödie erinnert", schrieb das Oberhaupt der chassidischen Gruppe Chabad Lubawitsch in der Zeitung "Rzeczpospolita". Viele jüdische Kinder wurden während des Zweiten Weltkriegs vor den Deutschen in christlichen Familien versteckt. Da es in den meisten Fällen keine überlebenden Angehörigen gab, wuchsen diese Kinder meist als Katholiken auf und ahnen nichts von ihrer jüdischen Identität.

"Man muss gewiss für die Rettung jüdischer Kinder danken, die in Klöstern versteckt und nach dem Krieg adoptiert wurden", schrieb Stambler. "Aber man kann nicht ignorieren, dass ihnen die Identität genommen und sie in einer ihnen fremden Tradition erzogen wurden", betonte der Rabbi. "Wenn der Papst sagen würde: Wenn ihr jemanden kennt, der Jude ist und das nicht weiß, dann sagt ihm das - seine Worte würden gewiss das Gewissen vieler Menschen erreichen."

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Quelle: n-tv.de

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