Panorama

Fotos zeigen ein völlig zerstörtes StadtviertelPolizei ermittelt wegen Zug-Explosion

10.07.2013, 20:14 Uhr
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(Foto: AP)

Wie zerbeulte Blechdosen sehen die eigentlich höchst stabilen Öl-Wagons aus. Die gigantische Explosion hat rundherum wenig von der kanadischen Kleinstadt übrig gelassen. Die Polizei hat nun den Verdacht, dass dies das Ergebnis eines Verbrechens sein könnte.

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(Foto: AP)

Das Explosionsunglück in Kanada mit mehr als einem Dutzend Toten ist offiziell zum Kriminalfall geworden. Die Polizei ermittelt, ob die Entgleisung der mehr als 70 Kesselwagen am frühen Samstagmorgen einen kriminellen Hintergrund hat. Die Zahl der Todesopfer in Lac-Mégantic stieg unterdessen auf 15. Etwa 60 Menschen werden noch vermisst.

Das Zentrum des Städtchens mit nicht einmal 6000 Einwohnern ist gesperrt. Wer in dem verwüsteten Areal angetroffen werde, müsse mit der Festnahme rechnen, sagt die Polizei. Details der Ermittlungen wollte er nicht nennen, für Terrorismus gebe es allerdings keine Hinweise.

US-Zuggesellschaft schiebt Schuld auf Kanadische Bahn

Der Eigentümer des Zuges macht indes einen Bahnangestellten für das Unglück verantwortlich. "Die Handbremsen in dem Zug waren nicht ordnungsgemäß angezogen und dies lag in der Verantwortung des Ingenieurs", sagte der Vorsitzende des US-Bahnunternehmens The Montreal, Maine & Atlantic, Edward Burkhardt.

Zuvor hatte Burkhardt der Feuerwehr die Schuld an dem Unglück gegeben. Bei Löscharbeiten während eines Zwischenstopps in der 13 Kilometer westlich von Lac-Mégantic gelegenen Stadt Nantes hätte sie aus Versehen die Druckluftbremsen der Lok gelöst. Bei seinem Besuch in der Stadt wurde Burkhardt von Buhrufen wütender Einwohner empfangen.

Neue Bilder zeigen Verwüstung

Bei dem Unglück waren nachts die mit Rohöl beladenen Kesselwagen einen Berg hinab gerollt und mitten in der Kleinstadt entgleist und explodiert. Mehrere Detonationen mit gewaltigen Feuerbällen hatten Lac-Mégantic erschüttert. Etwa 30 Gebäude wurden völlig zerstört. 2000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die meisten konnten Anfang der Woche wieder zurückkehren.

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(Foto: AP)

Nun freigegebene Polizeibilder zeigen, wie schwer die Schäden sind. Die Gegend zwischen Bahngleis und See, einst ein Kneipenviertel, ist eingeebnet. Die Fotos zeigen Autowracks, völlig zerstört und ausgebrannt. Häuser sind einfach weg, nur noch ein Haufen Steine und verkohlter Holzbalken – als einziges steht noch der gemauerte Schornstein. Direkt an der Unglücksstelle liegen Dutzende Waggonachsen wie auf einem Schrottplatz, daneben die umgeworfenen Kesselwagen, die eingedellt sind, als wären sie Blechdosen. Auch Feuerwehrleute sind zu sehen, völlig erschöpft vom 24-Stunden-Einsatz.

Licht wie von einer Großstadt

Veröffentlicht wurde zudem die gesamte Fassung des Videos eines Anwohners. Der gut zehn Minuten lange Film zeigt erst das riesige Feuer und dann gewaltige Explosionen. Der Filmer, Adrien Aubert, kommentiert atemlos das Video und stößt bei Explosionen immer wieder "Mein Gott! Mein Gott!" aus. Aubert war auf dem Weg zu einem Café, das von den Explosionen weggefegt wurde. "Wenn ich schneller gewesen wäre", sagte er Radio Canada, "könnte ich jetzt hier nicht stehen und zu Ihnen sprechen".

Das Unglück war sogar aus dem All zu sehen. Die Nasa veröffentlichte zwei Satellitenbilder. Auf einem ist der Ort nur als kleiner Lichtpunkt zu sehen. Auf dem zweiten, aufgenommen in der Unglücksnacht, ist der grelle Schein so hell wie der einer Großstadt.

Quelle: ntv.de, dpa