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Schicke Wohnung, großes Auto, gutes Gehalt: So leben Deutschlands Bischöfe

Spätestens seit dem Fall Tebartz-van Elst ist klar: Kirchenmänner leben nicht schlecht. Kritiker werfen dem Limburger Bischof gar "Prunksucht" vor. Doch stellt Tebartz-van Elst, dessen Fall heute Papst Franziskus beschäftigen wird, überhaupt eine Ausnahme dar?

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Für Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst könnte es ein unangenehmer Tag werden: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, ist in Rom, wird heute bei Papst Franziskus vorsprechen und dem Pontifex von der Affäre berichten, die in Deutschland viele Menschen aufregt: von der neuen Residenz des Kirchenmanns, die zu immens hohen Kosten errichtet wurde und von dem möglichen Strafbefehl, der Tebartz-van Elst wegen Falschaussage droht.

Vor allem der Protzbau in Limburg dürfte Franziskus interessieren. Der neue Papst ist angetreten, um die katholische Kirche mehr Bescheidenheit zu lehren. Er selbst achtet darauf, sich nicht in zu großen Autos sehen zu lassen. Und im Vatikan begnügt er sich mit einer bescheidenen Wohnung, um seine Philosophie der Kirche der Armen zu unterstreichen.

Sicher ist: Tebartz-van Elst und das Bistum Limburg haben diesen Imagewandel der katholischen Kirche noch nicht nachvollzogen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es in anderen deutschen Verwaltungsbezirken der Kirche weniger kostspielig zugeht. Wie leben die anderen deutschen Oberhirten? Welche Bauten werden in den übrigen Bistümern derzeit umgesetzt? Ein Überblick:

Das Palais Holnstein: Wohnsitz von Kardinal Marx.
Das Palais Holnstein: Wohnsitz von Kardinal Marx.(Foto: dpa)

München-Freising: Kardinal Reinhard Marx zählt zu den Großverdienern unter den deutschen Bischöfen. Er kommt auf 11.500 Euro pro Monat. Miete muss er davon nicht zahlen. Der Freistaat Bayern stellt dem einflussreichen Oberhirten das Erzbischöfliche Palais kostenfrei zur Verfügung. Marx bewohnt im Palais Holnstein eine Drei-Zimmer-Wohnung (90 Quadratmeter). Das Rokokogebäude wurde für acht Millionen Euro generalsaniert. Den Löwenanteil zahlte das Land Bayern. Marx hat als Dienstwagen die Oberklasse-Limousine BMW 730i, mit Chauffeur.

Köln: Kardinal Joachim Meisner hat im Erzbischöflichen Haus eine 246 Quadratmeter große Wohnung. Er zahlt dafür keine Miete, jedoch ist der Mietwert in Höhe von 1213,47 Euro zu versteuern. Zusätzlich zahlt er eine Pauschale für Reparaturen sowie Heiz- und Betriebskosten (500 Euro im Monat). Meisner verdient monatlich 11.524,40 Euro. Das entspricht etwa dem Sold eines Oberbürgermeisters in einer NRW-Gemeinde mit mehr als 500.000 Einwohnern. "Persönlich lebt Kardinal Meisner immer schon beinahe anspruchslos", sagte ein Sprecher. Er hat seit vier Jahren einen 7er BMW. Die Weihbischöfe fahren Mercedes mit Blue-Efficiency-Motoren, aber auch BMW. Nach einer neuen Verordnung werden künftig kleinere Modelle wie etwa Skoda genommen. Manche Wagen werden geleast, aber es gibt auch weiterhin Neuanschaffungen.

Rottenburg-Stuttgart: Die gewaltigen Baukosten von 31 Millionen Euro im Bistum Limburg toppten die Schwaben. 39 Millionen Euro verschlang der Umbau des Verwaltungsgebäudes der Diözese. Zuvor waren 36,5 Millionen Euro eingeplant gewesen. Der Unterschied zu Limburg: Die Kosten wurden von Anfang an transparent gehalten. Privat wohnt Bischof Gebhard Fürst auf 100 Quadratmetern. Er fliegt im Gegensatz zu Tebartz-van Elst auch Economy-Class. Auf kürzeren Strecken ist er im Audi A6 unterwegs.

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Freiburg: Erzbischof Robert Zollitsch wohnt in einem Reihenhaus auf 200 Quadratmetern, für die er den Mietwert versteuert. Ein Sprecher des Erzbistums sagte zur Linie nach Franziskus' Vorbild: "Wer Papst Franziskus und Erzbischof Zollitsch beobachtet, entdeckt manche Gemeinsamkeiten: Beide verzichten erkennbar auf neue Schuhmode und lieben offenbar pragmatisch bequeme Schuhe, die sich im Einsatz bereits bewährt haben." Wenn er nicht läuft, sondern fährt, nutzt er einen BMW 740d. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist oft mehr als 20 Stunden pro Woche mit dem Auto unterwegs.

Essen: Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck wohnt zwar in einem umgebauten Pfarrhaus aus den 1950er Jahren mit schlechter Isolierung. Dafür aber mit reichlich Platz: Die Räume umfassen auch eine kleine Kapelle und einen Gästebereich - insgesamt 220 Quadratmeter, für die der Geistliche keine Miete zahlt, aber 1537,50 Euro als geldwerten Vorteil versteuert. Unterwegs ist er in einem geleasten VW Phaeton. Das vergleichsweise große Auto benötige Overbeck wegen seiner langen Beine, um im Fonds arbeiten zu können, so ein Sprecher. Das Bistum hatte als erstes im Zuge der Affäre Tebartz-van Elst sein Vermögen komplett offen gelegt - neben dem regulären Haushalt auch das Vermögen des Bischöflichen Stuhls, das eigentlich nicht veröffentlichungspflichtig ist. Overbeck verdient so viel wie ein Staatssekretär, 11.125 Euro brutto im Monat.

Berlin: Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki bewohnt eine Fünf-Zimmer-Wohnung in Berlin-Wedding, einem traditionellen Arbeiterbezirk mit hohem Ausländeranteil. Das Haus gehört einer Wohnungsbaugesellschaft, die zur katholischen Kirche zählt. Unterwegs ist er in einem 5er BMW, eine Nummer kleiner als die Dienstwagen vieler seiner Amtsbrüder. Das Auto lässt er aber laut Erzbistum so oft wie möglich stehen. Woelki fährt auch Rad.

Bischof Algermissen hat zu Hause weite Strecken zu überwinden.
Bischof Algermissen hat zu Hause weite Strecken zu überwinden.(Foto: dpa)

Fulda: Während seinem hessischen Amtskollegen in Limburg Prunksucht angelastet wird, lebt Bischof Heinz-Josef Algermissen nach eigenen Angaben wider Willen in barockem Luxus. Auf 174 Quadratmetern Wohnfläche zu residieren, sei "natürlich nicht zeitgemäß". "Für mich ist es eine Zumutung, darin zu wohnen", sagt er. "Der ganze Komplex ist ziemlich groß." Algermissen hätte lieber eine kleinere Dienstwohnung. Dagegen spricht die Tradition: Fuldaer Bischöfe wohnen am Michaelsberg. Leider mit dem Nachteil: "Wenn ich im Schlafzimmer bin und im Wohnzimmer etwas vergessen habe, muss ich 50 Meter gehen." In den weitläufigen, offenen Räumen empfinde er keine Privatsphäre. Algermissen hat ein Grundgehalt von etwa 9700 Euro.

Mainz: Dem Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann wird eine Dienstwohnung zur Verfügung gestellt. Er zahlt aber den Mietwert nach dem Mietspiegel 2011 der Stadt Mainz sowie Betriebs- und Heizkosten. Ein großes Bauprojekt im Bistum war der Neubau des Bischöflichen Jugendamtes (3,9 Millionen Euro). 2001 begann die Sanierung des Mainzer Doms. Die Gesamtkosten liegen bei 25 Millionen Euro. Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz wird mit einem Gehalt von knapp 8700 Euro bezahlt.

Hamburg: Das Erzbistum sieht sich in seiner Haushaltsführung in der Tradition hanseatischer Kaufleute. "Der Erzbischof hat immer deutlich gemacht, dass Kirche für die Menschen da ist und mit den Finanzmitteln verantwortlich, bescheiden und transparent umgegangen werden müsse", sagte ein Bistumssprecher. Erzbischof Werner Thissen lebt in einer 109 Quadratmeter großen Wohnung. Eines der größten Bauprojekte zuletzt: Die Sanierung und teilweise Neugestaltung des Hamburger Mariendoms für 7,8 Millionen Euro aus Spenden.

Osnabrück: Das Domizil von Franz-Josef Bode hat eine Wohnfläche von 1100 Quadratmetern. Darin bewohnt er eine 200 Quadratmeter große Dienstwohnung. Dafür zahlt er im Monat 1100 Euro Kaltmiete. Chauffieren lässt er sich in einem Audi A6. Besoldungsgruppe: B7.

Görlitz: Bischof Wolfgang Ipolt lebt offenbar bescheiden. Für Reisen nutzt er den Zug. Sein Dienstwagen sei kleiner als der von so manchem Handwerksmeister, so das Bistum. "Meist kommt der Bischof mit dem Fahrrad oder seinem gebrauchten Opel", sagte ein Sprecher. Er bewohnt ein Einfamilienhaus mit knapp 100 Quadratmetern Wohnfläche.

Dresden-Meißen: Bischof Heiner Koch wohnt in einer 150-Quadratmeter-Wohnung. Dafür zahlt er 870 Euro Kaltmiete. Chauffiert wird er in seinem Dienstwagen Mercedes Hybrid E300 bluetec. Den nutzt er auch intensiv als Büro auf langen Fahrten. In Leipzig geht gerade der größte Kirchenneubau im Osten seit 1989 vonstatten, er soll 15 Millionen Euro kosten. Doch die Finanzen für die Propsteikirche St. Trinitatis laufen laut Bistum nicht aus dem Ruder. Finanziert wird der Bau aus Spenden und Kirchenmitteln.

Magdeburg: Bischof Gerhard Feige legt keinen Wert auf Pomp. Er bewohnt eine Drei-Zimmer-Wohnung in einem Haus, das der Kirche gehört. Privat fährt der 61-Jährige einen VW Golf. Für Fahrten im Auftrag des Herren steht ihm aber auch ein Dienstwagen zur Verfügung.

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Quelle: n-tv.de

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