Panorama

Anböllern in Marsberg endet tödlichSchützenkönig stirbt durch Kanonensplitter

12.07.2015, 12:19 Uhr

Beim traditionellen Anböllern eines Schützenfestes kommt es zur Tragödie. Metallteile der Kanonen verirren sich und verletzen den Schützenkönig tödlich. Die Unfallursache ist bislang noch unklar. Beim Schützenbund geht man von einem "tragischen Einzelfall" aus.

Bei der Eröffnung eines Schützenfestes mit Kanonenböllern ist der amtierende Schützenkönig von einem Kanonenteil tödlich getroffen worden. Nach Polizeiangaben wurden drei gusseiserne Kanonen beim sogenannten Anböllern in Marsberg im Sauerland gezündet. Wegen des Drucks seien Metallteile von zwei Kanonen nach hinten geschleudert worden, wo auch Freunde, Familie und Hofstaat des Schützenkönigs standen, teilte die Polizei mit. Eines der Teile habe den 30 Jahre alten Mann getroffen.

Noch während der Behandlung im Krankenhaus starb er den Angaben zufolge an seinen Verletzungen. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung. Die Kanonen wurden nach ersten Erkenntnissen von Mitgliedern eines anderen Vereins gezündet. Ein Seelsorger und ein psychologisch geschultes Notfallteam betreuten nach Angaben eines Sprechers 20 bis 30 geschockte Menschen. Laut Polizei gab es keine weiteren Verletzten. Das Fest wurde abgebrochen.

Der Schützenkönig habe in einer kleineren Gruppe mit drei, vier Leuten zusammengestanden. "Es hätte noch schlimmer kommen können", sagte Polizeisprecher Ludger Rath. Ob die Zeugenvernehmungen bereits am Sonntag beginnen können, hängt nach seinen Angaben davon ab, wie stark die Leute unter dem Eindruck des Geschehens stehen. "Sie müssen sich auch in der Lage fühlen, mit uns darüber zu sprechen", sagte Rath. Auch der technische Zustand der Kanonen werde bei den Ermittlungen eine Rolle spielen.

"Tragischer Einzelfall"

Der tödliche Schützenfestunfall im sauerländischen Marsberg ist nach Verbandseinschätzung jedoch ein "tragischer Einzelfall". "Es ist schon sehr lange her, dass einmal ein Kanonenrohr geborsten ist. Dabei wurde niemand verletzt", sagte der Sprecher des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), Rolf F. Nieborg.

Der Verband verfüge bislang über keine Informationen zur Unfallursache. Grundsätzlich bestehe die Gefahr, dass es eine Materialermüdung gebe, die von außen schwer zu erkennen sei. "Deshalb müssen solche Geräte regelmäßig gewartet und kontrolliert werden. Der Wartungstermin ist alle fünf Jahre bei den Beschussämtern in NRW. Bei Beschuss müssen auch Sicherheitsabstände eingehalten werden", erläuterte der Sprecher des BHDS weiter.

Der BHDS ist der Dachverband von 1700 Bruderschaften mit etwa 400.000 Schützen und Familienangehörigen in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz sowie in Teilen Thüringens. Daneben gibt es weitere Verbände für Sportschützen. Die Schützenbruderschaft in Niedermarsberg, einem Ortsteil von Marsberg, gehört zum eigenständigen Sauerländischer Schützenbund.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa

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