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In seinem Garten hat ein Arzt sich jahrelang akribisch darauf vorbereitet, Frauen in einem Bunker gefangen zu halten, um sie sexuell zu missbrauchen.
In seinem Garten hat ein Arzt sich jahrelang akribisch darauf vorbereitet, Frauen in einem Bunker gefangen zu halten, um sie sexuell zu missbrauchen.(Foto: dpa)

Gruselverbrechen in Schweden: "Schwedens Josef Fritzl" steht vor Gericht

Ein Schwede sperrt eine junge Frau in einen Bunker, will sie besitzen. Doch sie entkommt dem Horror-Schicksal. Denn der Täter macht einen Fehler. Hat der Arzt weitere Frauen verschleppt und vergewaltigt?

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Es ist ein Freitagabend, im September. Pünktlich klingelt Martin T. an der Tür einer Frau, mit der er sich zum zweiten Mal verabredet hat. Doch was mit Champagner und in Schokolade getauchten Erdbeeren beginnt, endet für die junge Schwedin mit einem Höllentrip. Tagelang soll der Arzt sie in einem bunkerartigen Verlies in Südschweden gefangen gehalten haben. Die Beweggründe für seine perfide Tat: "Er wollte eine Freundin haben", sagt Staatsanwalt Peter Claeson.

Von nun an, so hatte es ihr Entführer wohl geplant, sollte sie ihm gehören. Jahrelang. Dass der Horror nur eine knappe Woche dauerte, hat sie einer verschlossenen Wohnungstür zu verdanken, die den Täter in Panik versetzte.

Der Mann, den Medien "Schwedens Josef Fritzl" getauft haben, steht nun in Stockholm vor Gericht. Fritzl hatte seine Tochter in Österreich 24 Jahre lang in ein Kellerverlies unter seinem Haus gesperrt und missbraucht.

Erdbeeren in Betäubungsmittel getränkt

Sieben Tage hielt der Arzt die Frau in diesem Bunker fest und vergewaltigte sie.
Sieben Tage hielt der Arzt die Frau in diesem Bunker fest und vergewaltigte sie.(Foto: dpa)

Der Allgemeinmediziner aus Schweden hatte der Anklage zufolge fünf Jahre lang an dem Bunker neben seinem Haus in der südschwedischen Gemeinde Östra Göinge gebaut - einem schalldichten Gefängnis aus Beton mit Toilette, versehen mit zwei Sicherheitstüren und versteckt in einem unscheinbaren Holzhaus. Die Zelle war schall- und lichtisoliert, heißt es in der Anklageschrift. "Das Ziel war es, Menschen dort längere Perioden eingesperrt zu halten, ohne entdeckt zu werden."

Dann schritt der 38-Jährige zur Tat. Mit der arglosen Frau verabredete er sich im September 2015 in deren Wohnung in Stockholm, überraschte seinen Flirt mit Champagner und Erdbeeren. Was die Frau nicht wusste: Die Früchte waren mit einem Betäubungsmittel getränkt, das sie bewusstlos machte.

"Wir gehen davon aus, dass er sie in der Wohnung vergewaltigt hat", sagt Claeson. Anschließend soll er die betäubte Frau in einen Rollstuhl verfrachtet und im Auto nach Südschweden gefahren haben. Bei der Fahrt soll er für sich und sein Opfer zwei Gummimasken mit den Gesichtern einer alten Frau und eines alten Mannes benutzt haben. So wollte der Täter offenbar verhindern, erkannt zu werden.

Blutproben für ungeschützten Sex

In Schonen angekommen, sperrt er die junge Frau in das karge Verlies. Wenn sie den Bunker etwa zum Duschen verlässt, muss sie Handschellen tragen. Nachts legt sich T. zu ihr ins Bett. "Er wollte ungeschützten Sex mit ihr haben", sagt Staatsanwalt Claeson.

Deshalb erfindet er auch eine Identität für die Frau, lässt in dem Krankenhaus, in dem er arbeitet, Blutproben anfertigen - um sicherzugehen, dass sie keine ansteckenden Krankheiten hat. Weil der Arzt nach Überzeugung der Anklage plant, seine neue "Freundin" jahrelang gefangen zu halten, fährt er ein paar Tage später zurück nach Stockholm, um ihre Sachen abzuholen.

"Dort fand er die Wohnungstür verriegelt vor", erzählt Claeson. Freunde hatten die junge Frau vermisst gemeldet. In so einem Fall tauscht die schwedische Polizei die Schlösser an der Wohnung aus, so dass die Verschwundene sich melden muss, wenn sie zurückkommt.

Misstrauischer Beamter

Dass die Frau gesucht wird, alarmiert den Täter. Er holt die Entführte aus dem Versteck und bringt sie zur Polizeiwache nach Stockholm. "Sie sollte der Polizei erzählen, dass sie in Ordnung und kein Opfer eines Verbrechens geworden ist", sagt Claeson. Doch das Vorhaben geht schief.

Ein Beamter wird misstrauisch und nimmt die Frau zur Seite, um allein mit ihr zu sprechen. "Da hat sie ihm die wahre Geschichte erzählt." Dass ihr Alptraum damit endete, hat nach Überzeugung des Staatsanwalts möglicherweise andere Frauen vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt.

Bei dem Prozess dürfte es vor allem um T.s Motive und seine geistige Zurechnungsfähigkeit gehen. "Es gibt Informationen, die darauf deuten, dass er noch weitere Personen in den Bunker bringen wollte", sagte Claeson der Zeitung Aftonbladet. T. hat zudem im Internet Spuren hinterlassen, die darauf hindeuten, dass ihm Pornofilme gefallen, in denen Frauen gequält werden. T.s Anwältin Mari Schaub zeichnete ein anderes Bild vom Täter. Er sei "ein sehr unglücklicher Mensch" gewesen. Schwedischen Medien zufolge war er als freundlicher und respektierter Arzt bekannt

Der letzte von vier bislang angesetzten Prozesstagen ist voraussichtlich der 3. Februar. Ein Urteil wird aber erst später erwartet.

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Quelle: n-tv.de

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