WHO schlägt AlarmSchweinegrippe nicht zu stoppen
Die Schweinegrippe ist nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf dem Vormarsch. Die UN-Organisation wies die Pharmahersteller deshalb an, unter Hochdruck an einem Impfstoff zu arbeiten. Laut einer Studie richtet die Grippe schwere Lungenschäden an.
Angestellte im Gesundheitsbereich sollten als erste den Impfstoff erhalten, erklärte die WHO. Jedes Land müsse selbst entscheiden, wer neben dem medizinischen Personal das Mittel noch erhalten solle, sagte die zuständige WHO-Direktorin Marie-Paule Kieny.
Die USA wollen offiziellen Angaben zufolge zusätzlich 884 Millionen Dollar für den Kauf von Inhaltsstoffen für ein Impfmittel ausgeben. Den Pharmakonzernen Sanofi Aventis, GlaxoSmithKline, Novartis und der zu AstraZeneca gehörenden Sparte MedImmune solle das Geld zur Verfügung gestellt werden. Die US-Gesundheitsbehörden haben bereits 649 Millionen Dollar in den Kauf von Impfstoffen auf Basis des H1N1-Virus und 283 Millionen Dollar in die Anschaffung von Mitteln zur Stärkung des Immunsystems investiert.
WHO: Ungerechte Verteilung
Zudem kritisierte die WHO die Verteilung der Impfstoffe gegen die Schweinegrippe zwischen armen und reichen Ländern als ungerecht. Die Kapazität, einen Impfstoff gegen das Virus A (H1N1) herzustellen, sei begrenzt und "beklagenswert unzureichend", sagte WHO-Direktorin Margaret Chan in Genf. Sie reiche bei weitem nicht aus, um die ganze Welt zu versorgen. Dass der Löwenanteil der hergestellten Medikamente voraussichtlich an wohlhabende Staaten gehen werde, zeige "wieder einmal den Vorteil von Reichtum", beklagte sie. Ein Abkommen mit zwei Herstellerfirmen, 250 Millionen Impfdosen in Entwicklungsländer zu schicken, sei "nicht genug".
Die sogenannte Schweinegrippe ist die erste weltweite Epidemie des 21. Jahrhunderts. Schätzungen zufolge haben sich mehr als eine Million Menschen damit angesteckt. Mindestens 500 Todesfälle sind bekannt. Die UN-Gesundheitsorganisation WHO spricht von einer überwiegend moderat verlaufenden Erkrankung.
Schwere Lungenschäden
Einer Studie zufolge kann der Virus zu schwereren Lungenschäden führen als die normale saisonale Influenza. Wie US-Forscher der Universität von Wisconsin in der britischen Fachzeitschrift "Nature" berichteten, wurden die Symptome der Schweinegrippe bei Mäusen, Frettchen, Makakenäffchen und eigens gezüchteten kleinen Schweinen mit der Wirkung saisonaler Grippeviren verglichen. Bei allen Tieren außer den Schweinen richtete der Virus A (H1N1) schwerere Lungenschäden an als die saisonalen Grippeviren. Der Schweinegrippe-Virus reagiere jedoch gut auf antivirale Medikamente wie Tamiflu, heißt es in der Studie.
Wie das Team um den Forscher Yoshihiro Kawaoka zudem herausfand, ähnelt der neue Virus einem Erregerstamm der Spanischen Grippe, der zwischen 1918 und 1919 weltweit rund 40 bis 50 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Dazu untersuchten die Forscher Blutproben von Menschen, die vor 1920 geboren wurden. Sie hatten demnach Antikörper im Blut, die den neuen Virus erkannten und darauf reagierten. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Schweinegrippe ebenso gefährlich sei wie die Spanische Grippe, schreiben die Mediziner.
Bangkok schließt Schulen
In der thailändischen Hauptstadt Bangkok werden ab Mittwoch 435 Schulen für fünf Tage geschlossen, um die Grippe-Epidemie einzudämmen. An der auch als Schweinegrippe bekanntgewordenen Infektion sind in Thailand bereits 4057 Menschen erkrankt; 24 Menschen starben. "Wir werden während der Schulschließung eine gründliche Reinigung vornehmen, um weitere Infektionen dort zu verhindern", teilte der Chef der Stadtverwaltung, Ponksak Semsan, mit.