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In Passau ist die Lage dramatisch.
In Passau ist die Lage dramatisch.(Foto: dpa)

Die Pegel steigen: Städte rufen Katastrophenalarm aus

Ein Ende der Wassermassen ist nicht in Sicht. Rettungskräfte sind im Dauereinsatz und kämpfen gegen bedrohlich wachsende Wasserstände. Mehrere Städte müssen Katastrophenalarm ausrufen. Zur Unterstützung muss die Bundeswehr ausrücken.

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Die Hochwasserlage hat sich im Süden Deutschlands und benachbarten Ländern dramatisch zugespitzt. Chemnitz, Passau und Rosenheim riefen ebenso wie Zwickau und der Landkreis Leipzig Katastrophenalarm aus. In der Nacht überschwemmten überlaufende Flüsse weitere Straßen in Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg. In Tschechien bedrohte eine Flutwelle die Prager Altstadt. In Österreich und der Schweiz waren Straßen und Bahnlinien überflutet oder nach Hangrutschen unbefahrbar.

Tagelanger Dauerregen und anschwellende Flusspegel überfordern die Einsatzkräfte in Passau und Rosenheim. Die beiden bayerischen Städte riefen Katastrophenalarm aus. In Passau rechnen die Einsatzkräfte damit, dass der Pegel der Donau bis zum Abend auf etwa 10,50 Meter steigt.

Auch der Inn, der in Passau in die Donau fließt, bereite zunehmend Probleme und schwelle stark an. Neben Teilen der Altstadt sind die Bundesstraßen 388 und 12 überspült, viele Häuser in Passau waren nur noch über Stege erreichbar. Die Stadt bat um Unterstützung der Bundeswehr. Rosenheim meldete Probleme mit dem Fluss Mangfall.

Chemnitz steigt immer höher

Katastrophenalarm gab es auch in der Stadt Chemnitz: Der gleichnamige Fluss trat über die Ufer und überschritt kurzzeitig die Schwelle der Hochwasser-Alarmstufe 4. Für die Zwönitz galt bereits die höchste Alarmstufe. Auch in Zwickau und im Landkreis Leipzig riefen die Behörden den Katastrophenfall aus. In Zwickau begann die Evakuierung eines Ortsteils. Das Wasser der Mulde war dort nur noch wenige Zentimeter von der Dammkrone entfernt.

In Sachsen wurden vor allem im mittleren und westlichen Erzgebirge weiter erhebliche Niederschläge erwartet, teilte das Umweltministerium mit. Mittlerweile seien auch die Rückhalteräume einiger Talsperren nahezu ausgelastet.

In der sächsischen Kleinstadt Grimma blieb die Nacht dagegen ruhig. Der Pegelstand stieg der Mulde dort jedoch wieder an. Am Mittag will der Krisenstab entscheiden, ob es vorsorglich zu Evakuierungen kommen wird.

Nach Angaben von Rettungskräften und Polizei trat auch der Neckar bei Tübingen über die Ufer. Reutlingen wurden zwei Menschen vermisst - sie könnten in die Echaz, einem Neckarzufluss, gefallen sein. Im Stadtgebiet lief eine Tiefgarage voll Wasser. Im Nachbarort Gönningen trat die Wiezaz über die Ufer und überschwemmte die Produktionsanlagen einer Firma, eine Schule und eine Turnhalle.

Schiffahrt unterbrochen

Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar war die Schifffahrt wegen des Hochwassers schon am Samstag gestoppt worden. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet. Am Sonntagabend dürfte der Schiffsverkehr eingestellt werden, schätzte das Hochwasserzentrum Mainz. Schon zuvor mussten Schiffsführer langsamer und weiter entfernt vom Ufer fahren. Erst am Dienstag dürften die Wasserstände dort ihren Höhepunkt erreichen. Auch auf dem Rhein zwischen der Schweiz und Frankreich sowie Deutschland war am Sonntag jeglicher Schiffsverkehr untersagt.

In Österreich und der Schweiz hielt das Hochwasser Tausende Katastrophenhelfer in Atem. In beiden Alpenländern wurden Straßen überflutet oder von Hangrutsche unterbrochen. Besonders stark betroffen war der an Bayern grenzende Innkreis in Österreich. Die Ortschaft Ettenau wurde evakuiert, nachdem die Salzach über die Ufer getreten war. In Tschechien droht die Moldau nach den starken Regenfällen der vergangenen Tage, die Prager Altstadt zu überfluten.

In Thüringen entspannte sich die Lage. Bei Erfurt und im Landkreis Sömmerda sank der Pegelstand der Gera. Der Krisenstab in Gera könnte noch im Lauf des Tages aufgelöst werden. Sollte sich die Situation weiter entspannen, würden nur noch zwei von derzeit zehn Angehörigen des Katastrophenschutzes Wache halten, sagte Stabschef Hans-Jürgen Fiebig.

Im südlichen Niedersachsen hatte sich die Lage unterdessen weitgehend entspannt. Die Pegelstände sanken, hielten sich aber noch auf hohem Niveau. Nur für die Region Göttingen konnte noch keine Entwarnung gegeben werden. Die Pegelstände stiegen jedoch nicht weiter an, sagte eine Polizeisprecherin.

Quelle: n-tv.de

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