Panorama

Deutschland, deine "Lügenpresse"Studie: Mehrheit hält Medien für "gelenkt"

02.05.2016, 18:29 Uhr
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Zeitungen, Magazine und Öffentlich-Rechtliche üben nach Ansicht der Befragten am ehesten ihre Kontrollfunktion aus. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Ergebnisse kommen wenig überraschend. Fragt man die Deutschen nach ihrer Meinung zur Berichterstattung etablierter Medien, zeigt sich vor allem eines: Misstrauen. Und das richtet sich nicht nur gegen Journalisten, sondern ein ganzes System.

Die Mehrzahl der Deutschen hält Nachrichtenmedien laut einer Studie für Stützen des Establishments. Das geht aus einer in München veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Instituts TNS emnid für den Bayerischen Rundfunk hervor. Demnach denken sechs von zehn Befragten, dass darauf Einfluss genommen wird, worüber oder auf welche Art und Weise Nachrichtenmedien in Deutschland berichten sollen. Nur gut ein Drittel der Befragten (34 Prozent) hält die Berichterstattung für wirklich unabhängig.

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Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) demonstrieren in Rostock gegen die deutsche Asylpolitik - und die Medien. (Foto: picture alliance / dpa)

"Als Handelnde im Hintergrund gelten insbesondere Politik (Regierung und Parteien) und Wirtschaft (Lobbyismus und Druck von Werbekunden)", heißt es. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) gab an, aus ihrer Sicht kontrollierten die "Mächtigen" im Land - also Staat, Regierung, Wirtschaft, einflussreiche Personen und Interessengruppen - die Nachrichtenmedien. Eine gesellschaftliche Kontrollfunktion im Sinne einer vierten Gewalt wird der Erhebung zufolge am ehesten Wochenzeitungen und Nachrichtenmagazinen, öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Tageszeitungen zugestanden.

Die Studie spricht im Fazit von einem allgemeinen "Unbehagen gegenüber Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Eliten, das sich im Zuge der Krisen der vergangenen Jahre nun auch offensiv manifestiert". Dieses Unbehagen erfasse auch die Medien, weil sie als "Teil des Systems" wahrgenommen würden. "Der Eindruck, dass die Medien das Establishment stützen oder gar von ihm gelenkt werden, gibt diesem Dilemma weitere Nahrung."

Eine Frage des Blickwinkels

Darüber hinaus würden Medien in Mithaftung genommen für die Inhalte, die sie übermitteln. Vor diesem Hintergrund sei auch die hohe Zustimmung zu der Einschätzung zu werten, dass in den Medien häufig absichtlich die Unwahrheit gesagt werde. So gab nicht einmal die Hälfte der Befragten an (49 Prozent), dass Medien Sachverhalte so wiedergeben würden, wie sie wirklich sind. Eine Mehrheit (60 Prozent) der Befragten geht zudem davon aus, dass Medien berechtigte Meinungen ausblendeten, die sie für unerwünscht hielten.

Zu den größten Defiziten der Nachrichtenmedien zähle aber, dass aus Sicht der Befragten zu viel über Probleme und zu wenig über Lösungen berichtet wird - 76 Prozent entschieden sich für die Antwort "trifft völlig/eher zu". Außerdem vereinfachten Medien Sachverhalte zu sehr und verbreiteten so Vorurteile (66 Prozent). Und sie gingen zu wenig auf Folgen der Entscheidungen von Politikern und Wirtschaftsführern für die Menschen ein (61 Prozent). Befragt wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren in Deutschland.

Quelle: ntv.de, jug/dpa

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