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Trump äußerte sich im Weißen Haus in Washington zu der Schießerei in Las Vegas.
Trump äußerte sich im Weißen Haus in Washington zu der Schießerei in Las Vegas.(Foto: AP)
Montag, 02. Oktober 2017

Mehr als 50 Tote in Las Vegas: Trump spricht von "Tat des puren Bösen"

Mindestens 50 Tote und mehr als 400 Verletzte sind die Bilanz eines Amoklaufs in Las Vegas. Der Schütze ist bekannt, über die Hintergründe wird gerätselt. US-Präsident Trump bekundet sein Beileid. Er verfolge die Lage, heißt es aus dem Weißen Haus.

Nach dem Attentat von Las Vegas mit mehr als 50 Toten hat US-Präsident Donald Trump sein Land zur Geschlossenheit aufgerufen. "In Momenten der Tragödie und des Horrors kommt Amerika als Einheit zusammen. Dies hat es immer getan", sagte Trump in einer Ansprache im Weißen Haus. "Unsere Einheit kann nicht vom Bösen erschüttert werden, unsere Bande können nicht von Gewalt zerrissen werden", fügte er hinzu.

Trump bezeichnete den Gewaltakt als "Tat des puren Bösen", ging aber nicht auf den möglichen Hintergrund des Blutbads ein. Kurz zuvor hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung für das Blutbad für sich reklamiert. US-Behörden sehen bisher jedoch keine Verbindung.

Der US-Präsident kündigte an, dass er am Mittwoch nach Las Vegas reisen werde, um unter anderem mit Familien der Opfer zu sprechen. Er dankte der Polizei in Las Vegas und anderen Rettungskräften für ihren mutigen Einsatz. Trump ordnete an, die Flaggen auf öffentlichen Gebäuden des Bundes auf Halbmast zu setzen.

Razzia in Wohnung des Schützen

Bereits zuvor hatte Trump den Opfern und ihren Angehörigen sein "aufrichtiges Beileid" bekundet. Sein wärmstes Mitgefühl und seine Gedanken seien bei den Opfern der "entsetzlichen Schießerei in Las Vegas" und ihren Familien, erklärte er bei Twitter. First Lady Melania Trump twitterte, sie bete für die Opfer, ihre Familien und Lieben. Der ehemalige Präsident Barack Obama sprach von einer "sinnlosen Tragödie". Er und seine Frau Michelle würden für die Opfer beten. "Unsere Gedanken sind bei den Familien", twitterte er.

Bei dem Angriff auf das Country-Konzert waren 58 Menschen getötet und 515 verletzt worden. Mehr als 400 wurden demnach in Krankenhäusern behandelt. Es ist das tödlichste derartige Verbrechen in der US-Kriminalgeschichte. Bei dem Schützen handelt es sich demnach um einen 64-jährigen aus der Stadt Mesquite. Die Ermittler gaben seinen Namen mit Stephen Paddock an. Er soll nicht vorbestraft gewesen sein.

Paddock feuerte demnach kurz nach 22 Uhr Ortszeit vom 32. Stockwerk eines Casino-Hotels aus auf die Konzertbesucher, bevor Polizisten ihn dort stellen konnten. Die Polizei geht davon aus, dass er sich selbst tötete, bevor sein Zimmer gestürmt wurde. Er hatte demnach mindestens zehn Waffen bei sich. In der Wohnung von Paddock fand die Polizei zunächst nichts Verdächtiges. Eine Razzia in dem Städtchen Mesquite, 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas, habe keine Auffälligkeiten ergeben, sagte ein Sprecher der örtlichen Polizei. In der Wohnung seien mehrere Waffen gefunden worden, sonst aber keine Hinweise auf die Vorbereitung einer Straftat.

"Ein einsamer Wolf"

Handy-Videos zeigen, wie Konzertbesucher sich nach Beginn der Schießerei in Panik auf den Boden werfen und versuchen, aus dem Bereich des Konzerts zu entkommen. Unzählige Schüsse aus einer automatischen Waffe sind zu hören. "Wir krochen über Tote", berichtete eine Besucherin. Der Zuschauerbereich wurde für viele Opfer offenbar zur Falle. Die Besucher konnten durch die Ausgänge nur langsam entkommen, und waren auf der offenen Fläche den Schüssen schutzlos ausgesetzt. Dem Sender ABC beschrieb ein Augenzeuge den Ort als "Todes-Box". Etwa 20 Minuten lang habe das Gewehrfeuer angehalten. Etwa 30.000 Menschen sollen das Konzert besucht haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 64-Jährige ein Einzeltäter war. "Wir glauben, dass es ein Einzeltäter ist. Ein einsamer Wolf", hieß es. Über die Motive des Täters ist bisher nichts bekannt. Die Begleiterin des Täters, nach der die Polizei gefahndet hatte, wurde inzwischen gefunden. Sie wird laut Polizei aber bisher nicht als Komplizin gesehen. Das US-Heimatschutzministerium geht derzeit nicht von einer spezifischen Gefahr für andere öffentliche Orte in den USA aus.

Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Washington seien in engem Kontakt mit den US-Behörden. Zu möglichen deutschen Opfern könne derzeit noch keine Auskunft gegeben werden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach Trump sein Beileid aus. In einem Kondolenzschreiben heißt es: "Mit Entsetzen verfolge ich die Nachrichten über den Anschlag auf ein Musikkonzert in Las Vegas." Seine Gedanken seien bei den Getöteten und deren Angehörigen. "Ihnen gilt unser ganzes Mitgefühl", schrieb Steinmeier. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte mit Bestürzung auf die Bluttat und schrieb ein Kondolenztelegramm an Trump. Außenminister Sigmar Gabriel erklärte: "Ich bin schockiert über das Massaker, das sich heute Nacht in Las Vegas ereignet hat."

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte in einem Beileidstelegramm: Das Verbrechen, dem Dutzende "friedlicher Zivilisten" zum Opfer fielen, sei "entsetzlich in seiner Grausamkeit". "Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und dem amerikanischen Volk", erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg auf Twitter. Für die Europäische Union drückte der Auswärtige Dienst sein Mitgefühl aus. "In dieser Zeit der Trauer steht die EU Seite an Seite mit dem amerikanischen Volk und den Behörden", erklärte ein Sprecher. Papst Franziskus sprach den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus und beklagte eine "sinnlose Tragödie".

Quelle: n-tv.de

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