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Am Unglücksort hat die Suche nach der Brandursache begonnen.
Am Unglücksort hat die Suche nach der Brandursache begonnen.(Foto: dpa)

Brand in Behinderteneinrichtung: Werkstatt wird zur Todesfalle

In der Caritas-Werkstatt in Titisee-Neustadt arbeiten über 100 zum Teil mehrfach behinderte Menschen. In einem Lagerraum kommt es zu einer verheerenden Explosion. Zwar springen die Rauchmelder an, doch nicht allen Behinderten und Betreuern gelingt die Flucht vor den Flammen. 14 Menschen sterben vermutlich an Rauchvergiftungen, 8 weitere werden verletzt.

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Nach dem Feuer mit 14 Toten und acht Schwerverletzten in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Die ganze Nacht über werde nach der Brandursache gesucht, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa. Im Einsatz seien Brandsachverständige und Spezialermittler. Wegen des Feuers und des Rauches habe es im Inneren des Gebäudes in Titisee-Neustadt große Schäden gegeben. Die Spurensuche sei daher schwierig. Ursache und Schadenshöhe seien noch unbekannt.

Die Feuerwehr bleibe die Nacht am Brandort, um ein erneutes Aufflammen des Feuers zu verhindern, sagte ein Sprecher. Zudem werde sie für Aufräumarbeiten eingesetzt. Unterstützt werde die Feuerwehr dabei von Spezialisten des Technischen Hilfswerks (THW).

Das Feuer war in einer Werkstatt ausgebrochen. Unter den Opfern sind sowohl Betreuer als auch Behinderte. Sie seien vermutlich an einer Rauchvergiftung gestorben, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Alfred Oschwald, in Titisee-Neustadt. Der Großbrand ist die bislang folgenschwerste Katastrophe in einer Einrichtung dieser Art in Deutschland.

Acht Menschen wurden schwer verletzt, sind aber nicht in Lebensgefahr. Als der Brand ausbrach, seien 120 Menschen in dem Gebäude gewesen, sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Die Feuerwehr hatte in einer dramatischen Aktion viele der geistig oder mehrfach behinderten Menschen aus dem brennenden und völlig verrauchten Betrieb der Caritas gerettet. Einige der Behinderten saßen hilflos im Rollstuhl.

Heftige Explosion

Für die Menschen war es schwierig, aus dem dichten Rauch zu fliehen.
Für die Menschen war es schwierig, aus dem dichten Rauch zu fliehen.(Foto: dpa)

Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar. Möglicherweise explodierten in einem Lagerraum Chemikalien, der Betrieb verarbeitet Holz. Gut zwei Stunden brauchte die Feuerwehr, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Experten wollten der Ursache noch am Abend auf den Grund gehen.

Das Unglück löste bundesweit Entsetzen und Trauer aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erkundigte sich laut Regierungssprecher Steffen Seibert bei dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), über die Katastrophe. "Sie ist tief erschüttert, sprachlos und fassungslos angesichts dieser schrecklichen Ereignisse", sagte Kretschmann.

Er und Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) waren mit einem Hubschrauber zum Unglücksort geflogen, der rund 40 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau liegt. "Der Brand ist eine Katastrophe für die Betroffenen, für den Ort und ganz Baden-Württemberg, sagte Kretschmann. "Solche Schicksalsschläge sind schwer zu verkraften." Er dankte den Einsatzkräften, die so rasch zur Stelle gewesen seien.

Bundespräsident Joachim Gauck sagte zum Abschluss seines Antrittsbesuchs in Nordrhein-Westfalen: "Ich denke an die armen Menschen, die Opfer zu beklagen haben." Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso drückte sein Beileid aus. "Die Neuigkeiten von dem Feuer in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt erfüllen mich mit Kummer und Trauer", ließ Barroso in Brüssel mitteilen.

Panik in den Flammen

Alarmiert wurde die Feuerwehr über eine Brandmeldeanlage in dem Gebäude. Kurz danach riefen zahlreiche Nachbarn über den Notruf an und berichteten von dichtem Rauch. Als Feuerwehrleute eintrafen, seien ihnen schon viele Menschen in Panik entgegengelaufen. "Wir haben es mit Menschen zu tun, die naturgemäß nicht rational reagieren", sagte Kreisbrandmeister Widmaier. Etwa 300 Feuerwehrleute, Sanitäter und Polizisten waren am Brandort im Einsatz. Rettungshubschrauber flogen zur Unterstützung ein.

In der Caritas-Werkstatt arbeiten bis zu 120 Menschen mit Behinderungen. Für Gerettete, Angehörige und Einsatzkräfte richtete die Einsatzleitung einen Betreuungsstützpunkt ein. Dort kümmerten sich Psychologen um etwa 100 Menschen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Beim Deutschen Caritas-Verband herrschte große Trauer und Verwirrung. "Man versteht nicht, was passiert ist. Man kann sich das nicht erklären", sagte Sprecherin Claudia Beck. Die Werkstatt ist eine Einrichtung des Freiburger Caritas-Verbandes. Sie wurde 1979 gegründet und vor sechs Jahren grundlegend saniert und um einen Neubau erweitert. In dem Neubau war das Feuer ausgebrochen.

Die überlebenden Behinderten mussten zunächst in andere Einrichtungen. Auch sie wurden noch in der Nähe des Unglücksorts, in einem evangelischen Gemeindehaus, psychologisch betreut.

Quelle: n-tv.de

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