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Am Anleger von Dagebüll kann derzeit kein Schiff festmachen.
Am Anleger von Dagebüll kann derzeit kein Schiff festmachen.(Foto: dpa)

Der Sturm ist da: "Xaver" demonstriert im Norden seine Kraft

Seit Tagen gibt es im Norden kein anderes Thema mehr: Orkantief "Xaver" kommt - und das mit aller Macht. Erste Ausläufer mit heftigen Winden treffen die Region mit voller Wucht. Und "Xaver" wird noch bis mindestens Freitagabend für Unruhe sorgen.

Der Norden Deutschlands hat erste Bekanntschaft mit Orkan "Xaver" gemacht. Erste Ausläufer mit Böen der Windstärke 11 erreichten Sylt, Helgoland und die Westküste Schleswig-Holsteins. Bis zum Abend und auch in der Nacht soll das Sturmtief über den Norden Deutschlands ziehen und dabei in Böen Spitzen von 160 Stundenkilometer erreichen.

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Wegen des starken Windes fallen bereits Flüge aus. Auch auf der Schiene kommt es zu Streichungen und Verspätungen. Schulen und Hochschulen haben früher als geplant geschlossen. Dunkel bleibt es auch auf vielen Weihnachtsmärkten. Die Küstenländer bereiten sich auf drei schwere Sturmfluten vor. Das restliche Deutschland muss mit heftigen Schneefällen rechnen.

In den kommenden Stunden wird es auf dem Hamburger Flughafen sehr ruhig werden. Die Mehrzahl der Flüge, die ab 13 Uhr starten oder landen sollen, ist nach Angaben einer Sprecherin bereits gestrichen. Betroffen sind 68 von insgesamt 120 Ankünften und 60 von insgesamt 107 Abflügen. Lufthansa, Germanwings, Air Berlin und die skandinavische SAS haben ihre Flugpläne den Witterungsbedingungen angepasst. Der Flughafen ist allerdings nicht geschlossen. Maschinen können hier gegenwärtig noch starten und landen. Bis 13 Uhr liefen Starts und Landungen auch reibungslos.

Bahn versucht gegenzusteuern

Einschränkungen auch im Schiffsverkehr: Die nordfriesischen Inseln werden seit dem frühen Morgen nicht mehr angelaufen. Die Fähren im Wattenmeer stellten den Betrieb ein. Auch in Richtung Helgoland ging nichts mehr: Die Schiffe der Reederei Cassen Eils stellten den Fährbetrieb zwischen Cuxhaven und Deutschlands einziger Hochseeinsel ein. Die Fährreederei Scandlines stoppte bis Freitagvormittag den Dienst auf der Route von Rostock ins dänische Gedser. Auch Stena Line kündigte Fahrplanänderungen an.

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Auch der Bahn- und Autozugverkehr nach Sylt ist mittlerweile eingestellt. Ab Windstärke 12, das sind Windgeschwindigkeiten ab 118 Stundenkilometern, sei die sichere Beförderung von Menschen und Fahrzeugen auf dem Hindenburgdamm nicht mehr gewährleistet, so die Bahn. Auf anderen Strecken im Norden hat die Bahn die Geschwindigkeit der Züge gedrosselt oder Verbindungen ganz gestrichen. Weitere Beeinträchtigungen und Zugausfälle sind möglich.

Die Deutsche Bahn hat zusätzliches Personal zum Dienst bestellt. Sie rüstet sich sowohl für den Sturm am Donnerstag als auch Schneefälle am Freitag. Sollte der Verkehr auf der Schiene nicht mehr möglich sein, ist Ersatzverkehr mit Bussen geplant. Behinderungen auf Schienen wie Bäume sollen schnell entfernt werden.

Vorbereitungen laufen seit Tagen

An der Westküste Schleswig-Holsteins fiel an etlichen Schulen der Unterricht aus. Am Freitag soll es im gesamten Bundesland keinen Unterricht geben, ebenso an den staatlichen Schulen von Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Hamburg durften Schüler bis zur Jahrgangsstufe 10 wegen des Sturms nach Hause gehen, Grundschüler konnten jederzeit abgeholt werden.

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Sturmfluten setzten Teile der nordfriesischen Halligen bereits unter Wasser. Die Nordsee überspülte auf der größten Hallig Langeneß zunächst die Nordwestspitze um das Hotel Anker's Hörn. Auch die benachbarte Hallig Hooge melde teils "Land unter", sagte Erco Jacobsen, Leiter des Touristikbüros Hooge. Die Flut bahnte sich über die flachen Halligen rasch ihren Weg. Noch ungefährdet sind die Warften, künstliche Erdhügel, auf denen alle Häuser auf den Halligen gebaut sind. In der Nacht soll das Hochwasser aber mit 3,50 Meter über dem mittleren Hochwasser noch höher ausfallen.

Die schweren Orkanböen treffen die Menschen auf den Halligen und anderen Gegenden des Nordens nicht unerwartet. Bereits seit Tagen warnen Wetterdienste vor starken Winden, Hochwasser und Schneefällen. Auch im Binnenland haben sich Gemeinden und Unternehmen auf die vorhergesagte Schlechtwetterfront mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern vorbereitet.

"Xaver" sorgt für Chaos in Schottland

Sie haben offenbar aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Erst vor zwei Monaten hatte Sturmtief "Christian" großes Chaos in Westeuropa angerichtet und den Verkehr vielerorts für viele Stunden extrem behindert. Damals erreichte der Wind Geschwindigkeiten von bis zu 190 Stundenkilometer. Rund 20 Menschen starben.

Bei den erwarteten Sturmfluten ziehen Beobachter Vergleiche zum Jahr 1962. Damals kamen vor allem in Hamburg mehr als 300 Menschen ums Leben. Der Sturm wütete drei Tage lang, das Wasser überflutete den Stadtteil Wilhelmsburg. Mittlerweile sind die Schutzdeiche mit Milliarden-Investitionen erhöht und die Experten rechnen nicht damit, dass sie brechen werden.

Ausläufer von "Xaver" haben unterdessen auch schon Nordrhein-Westfalen erreicht. In vielen Städten und Gemeinden des Münsterlandes und des Regierungsbezirks Arnsberg wurden Weihnachts- und Nikolausmärkte vorsorglich abgesagt, der Kreis Soest schloss seine Kreisverwaltung. Die Behörden warnten die Menschen, sich im Freien aufzuhalten. Der schwere Sturm wirkte sich auch auf den Betrieb an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf aus. Vor allem Flüge nach oder aus Norden, wo das Unwetter bereits stärker wütete, mussten abgesagt werden. Dazu gehörten Glasgow, Manchester, Kopenhagen, Amsterdam und Hamburg.

"Xaver" brachte bereits Großbritannien katastrophale Zustände. Etwa 100.000 Haushalte in Schottland waren nach heftigem Wind ohne Strom. Straßen und Brücken waren gesperrt, der komplette Zugverkehr in Schottland war eingestellt. Ein Lastwagenfahrer starb, nachdem ein Windstoß sein Fahrzeug erfasst hatte und umkippte. Die Küstenwachen in Schottland, England und Wales warnten vor Überflutungen. Auch in Dänemark soll der Zugverkehr ab dem frühen Nachmittag schrittweise eingestellt werden. Der Fährverkehr war behindert. "Xaver" heißt in Schweden "Sven", die Dänen haben den Sturm "Bodil" getauft.

Quelle: n-tv.de

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