Panorama

Funkeln und GlitzernEdelsteinmuseum wird 150

24.06.2009, 15:13 Uhr

Im Deutschen Edelsteinmuseum in Idar-Oberstein sind alle Edelsteine der Welt zu Hause. Mehr als 10.000 Exponate können Besucher bestaunen.

Achate, Rubine, Saphire und Diamanten: Im Deutschen Edelsteinmuseum in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) sind alle Edelsteine der Welt zu Hause. Mehr als 10.000 Exponate glitzern und funkeln Besuchern aus den Vitrinen entgegen. Fest verschlossen, versteht sich - schließlich kann ein Mini-Steinchen schon mal so viel wert sein wie ein Einfamilienhaus. "Das Museum hat Weltgeltung", sagt der Kurator des Hauses, Manfred Wild. Jetzt wird es 150 Jahre alt. Und zu dem besonderen Anlass ist noch mal "die Spitze aller Steine und Arbeiten" in einer Sonderausstellung zusammengetragen worden.

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Mit einer Sonderausstellung begeht das Museum seinen Geburtstag. (Foto: dpa)

Es ist ein Rundgang der Superlative: "Wir haben hier die dünnsten Achatschalen der Welt", sagt Wild in der Jubiläumsschau "Ausgewählte Edelsteinarbeiten aus 150 Jahren", die am 25. Juni eröffnet wird. Nicht weit entfernt liegen "der erste Tansanit, den es je gab" (1967) und der "größte gravierte Tansanit der Welt". Dann ein Bergkristall-Lotus-Blüten-Ei auf vier Lapis-Elefanten mit einem Buddha, graviert aus einem der größten indischen Rubine. "Bei diesem Objekt wurden über vier Kilo Gold verarbeitet", sagt der 65-Jährige.

Lange Edelstein-Tradition

Die 150 Stücke starke Ausstellung zeigt vor allem eins: Die lange Edelstein-Tradition der Nahestadt. Heute gehören noch rund 450 Betriebe mit etwa 2500 Beschäftigten zur Branche. "Es gibt keinen anderen Ort, wo alle Edelsteine der Welt - auch alle Neufunde - bearbeitet werden und alle Techniken vorhanden sind", sagt Wild, der mit seinen Arbeiten unter anderem regelmäßig den Sultan von Oman beliefert. Dennoch, einiges hat sich geändert.

"Die Bearbeitung von kleinen, billigen Steinen hat sich nach Asien verlagert", sagt Museumsleiterin Ute Goerg. Heute konzentriere sich Idar-Oberstein vor allem auf das Schleifen und Gravieren von teuren Steinen. Und die Diamantindustrie lebe von technischen Anwendungen für die Industrie: In der 35.000-Einwohner-Stadt werden etwa Diamantmesser für Augenoperationen und Naturdiamant-Teile für Dreh- und Fräsmaschinen hergestellt. Auch Laserkristalle für die Medizintechnik werden hier gezüchtet.

Leben von und mit Edelsteinen

Seit rund 500 Jahren lebt Idar-Oberstein von und mit Edelsteinen. Angefangen hatte alles mit eigenen Achat-Funden vor Ort, die in Mühlen am Idarbach bearbeitet wurden. 1834 brachten Auswanderer aus dem Hunsrück erste Achate aus Brasilien in die Region - der Beginn der Bearbeitung von Steinen aus aller Welt. "Viele Idar-Obersteiner waren bei der Entdeckung von Minen in Südamerika und Afrika dabei", sagt Goerg und zeigt erste bearbeitete Steine in ihrem Museum, das seit 13 Jahren in einer Gründerzeitvilla untergebracht ist.

"Unser kleines Nest war schon sehr früh eine weltoffene Stadt." Damals wie heute ist immer ein großer Prozentsatz der Bevölkerung mit Edelsteinen unterwegs gewesen - und Ende des 19. Jahrhunderts zählten die "steinreichen" Schwesterstädte Idar und Oberstein zu den wohlhabendsten Kommunen Deutschlands. Heute wird über Umsätze in der Edelsteinbranche beharrlich geschwiegen. 1859 war der Vorläufer des Edelsteinmuseums in der "alten Gewerbehalle" eröffnet worden.

Vielleicht, meint Wild vor der 224 Kilogramm schweren Erdkugel aus rotem Jaspis, stehen Idar-Oberstein noch große Zeiten bevor. In den Edelsteinminen im Steinkaulenberg in Idar-Oberstein habe man ja erst 50 Meter tief gegraben. Das Lavagestein in der Region sei aber ein Kilometer tief. "Es könnte doch sein, dass in 200 bis 300 Metern noch wahre Sensationen schlummern", sagt er.

Quelle: Birgit Reichert, dpa