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Zeitenwende auf der grünen Insel: 62 Prozent der Iren stimmen für Homo-Ehe

Irland schreibt Geschichte: Noch vor 22 Jahren war Homosexualität in dem katholisch geprägten Land strafbar. Jetzt stimmen fast zwei Drittel der Iren in einem Referendum dafür, die Homo-Ehe der traditionellen Ehe vollständig gleichzustellen.

Irland hat als erstes Land per Referendum für eine Verfassungsänderung zur Einführung der Homo-Ehe gestimmt: Gut 62 Prozent der Iren votierten nach amtlichen Angaben für die Gleichstellung Homosexueller, wie die Auszählungsergebnisse aus 40 der 43 Stimmbezirke zeigen. Damit liegt das Lager der Befürworter dem staatlichen Fernsehsender RTE zufolge uneinholbar vorn.

Wahlberechtigt waren rund 3,2 Millionen Iren. Sie konnten am Freitag über eine Verfassungsänderung abstimmen, wonach Ehen künftig unabhängig vom Geschlecht geschlossen werden dürfen. Irland ist das erste Land weltweit, das per Volksentscheid die Homo-Ehe zulässt.

Der Triumph des Ja-Lagers bedeutet für Irland eine Zeitenwende. Bis 1993 stand Homosexualität in Irland noch unter Strafe. Bisher stand dort homosexuellen Paaren - ähnlich wie in Deutschland - nur die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft offen. Diese bot aber nicht den gleichen verfassungsmäßigen Schutz der Familie.

Gegner der Homo-Ehe räumen Niederlage ein

Schon kurz nach Beginn der Auszählung hatten erste Verfechter der Homo-Ehe gejubelt. "Die Stimmboxen sind geöffnet, es ist ein Ja", schrieb der für Gleichstellung zuständige Staatssekretär Aodhan O Riordain im Kurznachrichtendienst Twitter. "In Dublin ist es ein Erdrutsch."

Der Sieg der Gleichstellungsbefürworter sei "sehr beeindruckend" ausgefallen, räumte der Leiter der Gegenkampagne, David Quinn vom katholisch orientierten Institut Iona, im Sender RTE ein. "Glückwunsch an die Ja-Seite. Gut gemacht", erklärte Quinn zuvor auf Twitter.

Die Regierung des konservativen Premierministers Enda Kenny, dessen Partei Fine Gael wie CDU und CSU der Europäischen Volkspartei angehört, hatte sich deutlich für die Zulassung der Homo-Ehe eingesetzt. "Das ist ein großer Tag für Irland", sagte Gesundheitsminister Leo Varadkar. Er hatte erst im Januar seine eigene Homosexualität öffentlich gemacht. "Für mich persönlich ist das nicht nur ein Referendum, sondern eine soziale Revolution."

Volker Beck und der LSVD gratulieren

Beobachter sind dennoch nicht überrascht vom Ausgang der Wahl. Die in den vergangenen zwanzig Jahren aufgedeckten Missbrauchsskandale der katholischen Kirche haben deren Einfluss zurückgedrängt. Zudem haben Auswanderung, Rückwanderung und Einwanderung Irland stark modernisiert. "Ich hoffe, die internationalen Medien und die Medien in Dublin berichten jetzt weniger herablassend über die Iren", schrieb der TV-Produzent Colm Tobin auf Twitter.

Premier Kenny lobte die hohe Wahlbeteiligung. Allein 60.000 Menschen hatten sich eigens für die Abstimmung ins Wahlregister eingetragen. Viele, vor allem junge Menschen, kamen aus dem Ausland in ihre irische Heimat zurück, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Die konservative Senatorin Averil Power, die für die Verfassungsänderung geworben hatte, sagte, der Wahlkampf um das Referendum habe geholfen, "Irland für uns alle zu verändern". Viele Homosexuelle seien im Wahlkampf immer wieder in Tränen ausgebrochen, wenn sie ihre Geschichte erzählten.

"Das Ja der Iren zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gibt uns auch in Deutschland Rückenwind", erklärte der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck. "Die Iren haben klar gemacht: die Unterdrückung von Lesben und Schwulen ist kein christlicher Wert." Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) gratulierte Irland "zu diesem großen Erfolg für gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt".

Quelle: n-tv.de

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