Politik
Eine afghanische Familie macht Rast in Oberösterreich.
Eine afghanische Familie macht Rast in Oberösterreich.(Foto: dpa)

Kabul startet Kampagne: Afghane rät von Flucht ab

Von Nora Schareika

Hunderttausende Afghanen verlassen ihre Heimat. Das ist auch ein Problem für Afghanistan. Ein afghanisches Nachrichtenportal berichtet von einem Mann, der seine Flucht bereut. Und die Kabuler Regierung winkt mit neuen Jobs.

Tausende Afghanen fliehen aus ihrer Heimat und reihen sich neben Syrern, Irakern und anderen in die langen Flüchtlingstrecks auf dem Balkan ein. Doch was sagt eigentlich die afghanische Regierung, was sagt die Öffentlichkeit dort dazu? Eine Idee darüber vermittelt das englischsprachige Nachrichtenportal "Tolo News". Dort wird von einem 28-jährigen Migranten berichtet, der es bis zur slowenisch-österreichischen Grenze geschafft hat. Während er dort dicht gedrängt mit anderen bei ungemütlichen Temperaturen auf den Übertritt dieser Grenze wartet, bereut er die Reise nun bitter.

Dem Bericht zufolge äußerte der junge Mann namens Haschmat, er wünschte, er hätte seine Eltern in Afghanistan nie verlassen. Er beschwor die Afghanen, die entbehrungsreiche und gefährliche Reise lohne sich nicht. "Europa hat viele Probleme. So viele Menschen sind hierher gekommen, mit kleinen Kindern. Es ist so kalt hier. Keiner kümmert sich um uns." Wenn er könnte, würde er umkehren und heimkehren. Doch das sei, wenn man so weit gekommen ist, fast unmöglich. "Es gibt keinen Weg zurück. Wir haben sieben oder acht Grenzen überquert."

Joboffensive für ärmste Provinzen

Laut "Tolo News" will nun auch die afghanische Regierung Maßnahmen ergreifen, um ihre Bevölkerung im Land zu halten. So sollen vor allem Jobs geschaffen werden. Arbeits- und Perspektivlosigkeit gelten als die Hauptfluchtursache. Präsident Aschraf Ghani sagte demnach, Afghanistan sei ein reiches Land, dessen Einwohner jedoch wirtschaftliche Probleme hätten.

Durch das Programm, das in wenigen Wochen starten soll, sollen die zehn ärmsten Provinzen Afghanistans besonders gefördert werden. Ghani sagte laut Bericht auch, die Nation müsse zusammenhalten und all der "Propaganda" über die schlechte Sicherheitslage etwas entgegenhalten. Die Bedrohung durch Anschläge durch die Taliban und den afghanischen Ableger des Islamischen Staats (IS) sind die andere große Fluchtursache.

Schon seit Monaten erlebt Afghanistan eine Ausreisewelle ungekannten Ausmaßes. In Deutschland bilden Afghanen inzwischen die zweitgrößte Gruppe unter den neuankommenden Migranten. Vergangene Woche hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière sich darüber beklagt. Unter anderem sagte er, man könne erwarten, dass Afghanen in ihrem Land blieben, nachdem deutsche Soldaten und Polizisten dort zur Sicherheit beigetragen hätten.

Der afghanische Minister für Flüchtlingsangelegenheiten hatte dagegen gefordert, Deutschland solle mehr Afghanen aufnehmen, wenn diese die Asylbedingungen erfüllten. Die Bundesregierung dagegen teilte mit, die Regierung in Kabul denke anders und arbeite an einer Kampagne gegen die Massenabwanderung.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen