Politik

Pferdefleisch für die Armen?: Aigners Ministerium winkt ab

Aus der Idee wird wohl nichts: Ein Unionspolitiker will aussortierte Pferdefleischprodukte an Bedürftige weitergeben. Unter kirchlichen karitativen Einrichtungen ist das Echo vernichtend. Und auch die Bundesregierung hat Bedenken.

Das Bundesverbraucherministerium sieht eine mögliche Verteilung aus dem Verkauf genommener Pferdefleisch-Produkte an Hilfsorganisationen kritisch. "Verkauft oder verschenkt werden dürfen nur Lebensmittel, die von einwandfreier Qualität und Herkunft sowie korrekt gekennzeichnet sind", sagte ein Sprecher.

Video

Es reiche nicht, Produkte neu zu etikettieren. Unternehmen müssten auch dafür sorgen, dass der Inhalt einwandfrei und nachweislich frei von Rückständen sei. Zudem müsse lückenlos geklärt sein, woher alle Zutaten stammen. Daher sähen die Tafeln und andere Organisationen eine Weitergabe in diesem konkreten Fall zu recht sehr kritisch.

Der CDU-Entwicklungspolitiker Hartwig Fischer hatte vorgeschlagen, wegen des Pferdefleisch-Skandals eingezogene Produkte wie Lasagne oder Gulasch neu zu etikettieren und an Hilfsorganisationen zu geben, statt sie voreilig zu vernichten.

Arme nicht zum Müllschlucker machen

Karitative Einrichtungen kritisierten den Vorstoß unisono. Matthias Kopp, Sprecher der deutschen Bischofskonferenz, sagte der "Bild"-Zeitung: "Der Vorschlag ist respektlos gegenüber Bedürftigen. Qualitative Mindeststandards muss jeder Bedürftige erhalten. Wer so etwas vorschlägt, kann nur Kopfschütteln auslösen."

Fischer verteidigte seinen Vorschlag. "Wenn Sie so wie ich in Afrika ständig Menschen sterben sehen, dann haben Sie ein anderes Verhältnis zu Lebensmitteln", sagte der Entwicklungspolitiker der dpa. Er wolle nicht, dass diese Produkte vernichtet würden - stattdessen sollten sie lieber von Menschen gegessen werden. Er habe auch positive Rückmeldungen bekommen.

Tafeln keine Resterampe

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer kritisierte, Tafeln seien keine "Resterampe der Republik". "Nie im Leben wäre Herr Fischer auf die Idee gekommen, die Pferdefleischprodukte für die Verwendung zum Beispiel im Abgeordnetenrestaurant des Bundestages oder auf dem CDU-Bundesparteitag zu empfehlen." Karin Binder (Linke) warnte: "Arme Menschen dürfen nicht zum Müllschlucker der Nation gemacht werden."

Christian Bakemeier, Geschäftsführer der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission, sagte der Zeitung: "Es ist 'bedürftigen' Menschen nicht zuzumuten, sich von nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln zu ernähren." Dass immer mehr Menschen darauf angewiesen seien, sich von gespendeten Lebensmitteln zu ernähren, solle die Politik lieber zum Anlass nehmen, über die Lösung der Armutsprobleme in Deutschland nachzudenken.

Das Hilfswerk Misereor befürchtet laut "Bild"-Zeitung, dass in den falsch beschrifteten Produkten gefährliche Medikamenten-Rückstände sein könnten. Sprecher Ralph Allgaier: "Damit ist eine Weitergabe an Bedürftige nicht zu verantworten."

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen