Politik
Die Schlacht um Ramadi hat die irakische Armee vorerst verloren. Bei der Evakuierung der Einwohner helfen die Soldaten dann wieder.
Die Schlacht um Ramadi hat die irakische Armee vorerst verloren. Bei der Evakuierung der Einwohner helfen die Soldaten dann wieder.(Foto: REUTERS)

Streit um Kampfmoral der Iraker: Al-Abadi kontert US-Kritik

Zwischen den USA und dem Irak entwickelt sich ein immer heftigerer Streit. Nachdem US-Verteidigungsminister die irakischen Soldaten sinngemäß als Luschen bezeichnet hat, muss Vizepräsident Biden einen ziemlich beleidigten irakischen Premier beschwichtigen.

Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi hat sich gegen Vorwürfe aus Washington gewehrt und gekontert, US-Verteidigungsminister Ashton Carter habe wohl "ungenaue Informationen" erhalten. Der Pentagonchef hatte der irakischen Armee am Sonntag vorgeworfen, es mangele ihr an Kampfeswillen. Abadi sagte der britischen BBC, er sei "überrascht" von Carters Worten.

Video

In den Streit schaltete sich inzwischen US-Vizepräsident Joe Biden ein. Er habe Abadi persönlich angerufen, teilte das Weiße Haus mit. In dem Gespräch habe der Vizepräsident seinem Gegenüber versichert, dass die USA "die enormen Opfer und den Mut der irakischen Truppen in Ramadi und anderswo anerkennen".

US-Irakisches Verhältnis gestört

Carter hatte zuvor bei CNN kritisiert, dass sich die irakischen Truppen trotz deutlicher Überlegenheit vor dem Islamischen Staat zurückgezogen hätten. Die Dschihadisten des IS hatten vor acht Tagen die Provinzhauptstadt Ramadi erobert - mitsamt wertvoller Militärausrüstung, die die USA dem Irak überlassen hatte. Der irakischen Armee mangele es am Willen, "den IS zu bekämpfen und sich selbst zu verteidigen", kritisierte Carter.

Es war die schärfste Kritik eines US-Ministers an Bagdad seit Monaten. Die Äußerungen drohen das Verhältnis zwischen dem Irak und den USA im Kampf gegen den IS erheblich zu erschweren.

Pentagonchef Carter betonte, die Strategie der Militärkoalition gegen den IS sei trotz der jüngsten Rückschläge in Ramadi sowie in der syrischen Wüstenstadt Palmyra nach wie vor wirkungsvoll. Entscheidend sei aber der Einsatz der irakischen Bodentruppen. "Sie müssen den IS besiegen und in Schach halten."

Iran: US-Haltung grenzt an Komplott

Abadi kündigte für die kommenden Tage eine weitere Offensive in der Provinz Anbar an, deren Hauptstadt Ramadi ist. Am Samstag starteten die Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Milizen eine Gegenoffensive, die aber zunächst nicht zur Rückeroberung führte. Am Sonntag eroberte der IS zudem den wichtigen irakischen Grenzposten al-Walid; bereits am Freitag war der gegenüber liegende Posten al-Tanaf auf syrischer Seite gefallen.

Auch aus dem Iran kam Kritik an Carters Äußerungen. Der einflussreiche General Ghassem Suleimani warf den USA vor, "nichts getan" zu haben, um den irakischen Streitkräften in Ramadi zu helfen. Der Chef der für Auslandseinsätze zuständigen Kuds-Eliteeinheiten sagte, es grenze an ein "Komplott", wenn die USA unter dem Vorwand, den Irakern helfen zu wollen, vor Ort seien und dann nichts täten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen