Politik
(Foto: REUTERS)

Anschläge in Brüssel: Angst macht unfrei

Ein Kommentar von Jan Gänger

Viele Tote und Verletzte: Mit den Anschlägen in Brüssel sorgen Terroristen für Entsetzen. Wir müssen uns davor hüten, dass ihre perfide Strategie aufgeht.

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Ob Madrid, London, Paris – oder nun Brüssel. Wenn uns der Terror heimsucht, beteuern wir stets: "Wir weigern uns, unserer Angst nachzugeben. Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen. Wir werden unsere Lebensweise nicht ändern und wir werden unsere Werte gegen die Intoleranz und den Hass verteidigen." Klingt schön. Doch wir laufen Gefahr, dass wir uns damit selbst belügen.

Wir riskieren aus Angst, Freiheit für Sicherheit aufzugeben. Dass unsere offene Gesellschaft Stück für Stück weniger offen wird. Angesichts des islamistischen Terrors in Europa bleibt uns wohl nichts anderes übrig. Doch Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber, wenn wir gezwungen sind, das Bedürfnis nach Sicherheit gegen das Bedürfnis nach Freiheit abzuwägen.

Wir riskieren, dass aus Werten wie Toleranz und Respekt vor anderen Menschen bloße Lippenbekenntnisse werden. Es gibt inmitten von uns Menschen, die - aus Furcht vor dem Fremden - Flüchtlingen mit Abneigung und Andersdenkenden mit Verachtung begegnen.

Kaum sind die Explosionen in Brüssel verhallt, macht die ehemalige Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld süffisant Bundeskanzlerin Angela Merkels tolerante Flüchtlingspolitik für die Anschläge verantwortlich. Alleine ist sie damit nicht. Viele stimmen Lengsfeld hierzulande zu.

Die Anschläge treffen nicht nur die belgische Hauptstadt ins Mark. Brüssel, das ist Europas gemeinsame Hauptstadt. Brüssel ist das Symbol eines einzigartigen Projekts: des geeinten Kontinents. Diese Stadt im Herzen Europas steht zugleich auch für das, was in der EU schiefläuft: etwa faule Kompromisse und das unschöne Gefühl, dass Entscheidungen über die Köpfe vieler Menschen hinweg getroffen werden.

Doch Brüssel drückt eben auch das aus, was Europa so lebenswert macht: Vielfalt, Demokratie, Freiheit, Toleranz. Die Menschen, die heute am Flughafen und in der U-Bahn von Brüssel getötet und verletzt wurden, stammen wohl aus vielen verschiedenen Ländern. Sie verkörpern in ihrer Gesamtheit genau den europäischen Lebensentwurf, den die mutmaßlich islamistischen Terroristen so grenzenlos hassen.

Das Perfide am Terror ist, dass er Angst und Schrecken verbreitet. Wir fürchten uns davor, dass er uns überall treffen kann. Auch wenn es schwerfällt: Wir dürfen der Angst und dem Zorn nicht nachgeben. Denn Angst und Zorn machen unfrei.

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Quelle: n-tv.de

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