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Screenshot aus dem Anonymous-Video.
Screenshot aus dem Anonymous-Video.

"Am Sonntag wird Israel ausgelöscht": Anonymous startet Cyber-Krieg

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Und wieder einmal soll Israel von der Landkarte gelöscht werden. Diesmal ist es nicht der iranische Präsident Ahmadinedschad, der seinen Hass über Israel ergießt. Diesmal sind es die Hacker der Gruppe Anonymous, die Israel aus der virtuellen Welt vertreiben wollen. Die Ankündigung scheint so ernst zu sein, dass sie zur Staatsangelegenheit erklärt wird.

Israel bereitet sich auf den größten Hackerangriff seiner Geschichte vor. Wie in zahlreichen Foren und Filmbeitragen im Internet zu erfahren ist, will die Hackergruppe Anonymous am Sonntagabend zuschlagen. Um 20.00 Uhr Ortszeit solle "Israel aus dem weltweiten Netz ausgelöscht" werden, heißt es in einem Youtube-Beitrag mit dem Titel "OpIsrael – Die Tore zur Hölle". Zeitgleich beginnt in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem das Gedenken an die Vernichtung von sechs Millionen Juden während der Schoah.

In Israel wird die geplante Cyber-Attacke sehr ernst genommen und zur Staatsangelegenheit erklärt. Es gibt sogar eine Notrufnummer. Die Knesset und andere nationale Institutionen sollen den Zugang zu ihren Webseiten für IP-Nummern aus dem Ausland gesperrt haben. Auch Banken und andere wichtige Institutionen sind gewappnet, um eine Lähmung des Geschäftslebens in Israel zu verhindern. In den Medien des Landes wurden zudem die privaten Internetnutzer aufgefordert, ihre Passwörter zu ändern und möglichst kompliziert zu gestalten.

Israel wird immer wieder Opfer von Cyber-Attacken. So allein während der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen im November 2012 rund 44 Millionen Angriffe auf Regierungsseiten registriert. Die Abwehrmaßnahmen hielten weitgehend stand.

Cyber-Krieg bestimmt die Zukunft

Der Cyber-Krieg gilt als der Krieg der Zukunft, zumal heute fast die gesamte Infrastruktur eines modernen Staates - von den Ampeln bis zum Stromnetz - digital gesteuert wird. Das israelische Militär gründete eine Spezialeinheit, bei der künftig Hunderte Soldaten dienen sollen. Dutzende Soldaten sind rund um die Uhr im Einsatz.  

Bei früheren Cyber-Attacken gelang es den ausländischen Hackern zum Beispiel, alle Emailadressen der in Israel angemeldeten Korrespondenten beim Presseamt zu ergattern und zu veröffentlichen. Kriminellere Absichten steckten hinter dem Diebstahl von Kreditkartennummern bei Telefongesellschaften und anderen israelischen Firmen.

Aber nicht nur private Hacker sollen am Cyber-Krieg beteiligt sein, sondern auch Staaten. So wurde unlängst ein chinesisches Hackerzentrum in Schanghai ausgemacht. Dort arbeiten nach BND-Erkenntnissen bis zu 6000 Experten in einer eigens eingerichteten Abteilung des Verteidigungsministeriums, die sich auf die Abschöpfung von Technologieunternehmen und Rüstungskonzernen aus dem Ausland spezialisiert haben. Es könnte sich dabei um die berüchtigte Einheit "61398" handeln. Auch Russland betreibt eine ähnlich aggressive Cyberstrategie. Allerdings sind die staatlichen Hacker dort als private Firmen getarnt.

Bis heute ist allerdings unbekannt, wer mit dem Stuxnet-Virus die Zentrifugen des iranischen Atomprogramms durch Überdrehung außer Betrieb gesetzt hat. Der Stuxnet-Virus war so kompliziert, dass ihn nur Staaten hätten entwickeln konnten, heißt es seitdem. Unter Verdacht stand neben den USA auch Israel.

Quelle: n-tv.de

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