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Von hier sollen fast alle Hacker-Angriffe aus China auf die USA erfolgen.
Von hier sollen fast alle Hacker-Angriffe aus China auf die USA erfolgen.(Foto: REUTERS)

Chinas Angriffszentrum auf die USA: Cyberkrieg-Turm steht in Shanghai

Von Roland Peters

Seit Jahren attackieren Hacker aus China die USA - "ein asymmetrischer digitaler Krieg", wie ein ranghoher Mitarbeiter der US-Behörden erklärt. Nicht nur Geheimdienste sagen: Verantwortlich dafür ist die chinesische Militäreinheit "61398". Mit Tausenden hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern agiert sie von einem weißen Turm in Shanghai aus. Die Volksrepublik leugnet.

Das chinesische Militär steht Erkenntnissen einer US-Sicherheitsfirma sowie den US-Geheimdiensten zufolge hinter fast allen Hackerangriffen auf die Vereinigten Staaten aus dem asiatischen Land. Die abgeschottete Einheit "61398" mit Sitz in Shanghai habe "ununterbrochen" Angriffe auf viele Industriezweige verübt, erklärte das auf Computersicherheit spezialisierte Unternehmen Mandiant in einem Bericht. Führenden Geheimdienstmitarbeitern zufolge beobachten die USA die Einheit bereits seit Jahren.

Der Eingang zum Sitz der geheimen Militäreinheit ist gut gesichert.
Der Eingang zum Sitz der geheimen Militäreinheit ist gut gesichert.(Foto: REUTERS)

"Eine wachsende Menge digitaler forensischer Beweise", wie die "New York Times" schreibt, soll fast zweifellos belegen, dass der überwiegende Teil aller Angriffe auf US-amerikanische Unternehmen, Organisationen und Regierungsstellen von einem "weißen Turm" in einem "heruntergekommenen Viertel" Shanghais ausgehe – eingerahmt von Restaurants, Massagesalons und einem Weinimporteur.

Die Belege des Mandiant-Berichts indes zweifelt das chinesische Außenministerium an und betonte erneut, Chinas Regierung lehne Cyber-Attacken ab. Die Volksrepublik sei selber Ziel von US-Hackern geworden, so ein Regierungssprecher. Der Vorsitzende des US-Geheimdienstausschusses sagte dagegen, der Bericht decke sich "komplett mit der Art der Aktivitäten", die das Gremium seit einiger Zeit beobachte.

Staatsgeheimnis in Pudong

Nach Angriffen auf die "New York Times" und das "Wall Street Journal" war zuletzt auch Facebook ein Ziel von Hackern. Alle Attacken sollen von aus China gekommen sein. In den USA ist die Einheit auch als "Comment Crew" oder "Shanghai Group" bekannt, so die "New York Times". Sechs Jahre lang habe Mandiant die Aktivitäten der Gruppe verfolgt. "Die Gesamtheit der Belege", mehrere tausend, führten zum zwölfstöckigen, weißen Gebäude in Shanghai. Über 90 Prozent der erfassten Angriffe sollen von dort gekommen sein.

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"Die Arbeit der 'Einheit 61398' wird von China als Staatsgeheimnis betrachtet; dennoch glauben wir, dass sie in schädliche 'Computernetzwerk-Operationen' verwickelt sind", stellte Mandiant fest. "Es ist Zeit anzuerkennen, dass die Gefahr ihren Ursprung in China hat." Die Einheit 61398 sei in Pudong stationiert und könne wohl auf Tausende Mitarbeiter mit guten Englisch- und Computerkenntnissen zurückgreifen.

Dass die Angriffe aus dem Turm kämen, sei die einzige realistische Erklärung, so ein Mandiant-Sprecher: "Oder Personen mit dem meist kontrollierten, meist beobachteten Internet-Netzwerk der Welt ahnen nichts von Tausenden Menschen in der Nachbarschaft, die Angriffe durchführen."

"Digitaler Krieg"

Die USA befände sich offenbar in einem "asymmetrischen digitalen Krieg" mit China: "Im Kalten Krieg haben wir uns nur auf die nuklearen Kommandozentren um Moskau konzentriert", wird ein ranghoher Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums zitiert. "Heute sorgen wir uns genauso um die Server in Shanghai."

Die Militäreinheit habe mehrere Hundert Terabyte an Datenmaterial von mindestens 141 Organisationen aus verschiedenen Branchen gestohlen und mit den Attacken bereits im Jahr 2006 begonnen, heißt es in dem Bericht von Mandiant. Ziel der Cyber-Angriffe sei vor allem die US-Industrie gewesen, Übergriffe habe es aber auch in Kanada und Großbritannien gegeben. Dem Bericht zufolge reichten die gestohlenen Informationen von Details zu Firmenfusionen bis zu E-Mails von leitenden Mitarbeitern.

Gegen die anhaltenden Attacken tun können die US-Behörden offenbar wenig. "Es gibt in diesem Bereich riesige diplomatische Befindlichkeiten", zitiert die "New York Times" einen frustrierten Behördenmitarbeiter.

Quelle: n-tv.de

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