Politik
Mittwoch, 07. März 2012

Kräfteverhältnis gerät ins Wanken: Asien rüstet sich an die Spitze

Der Westen spart bei seinen Militärausgaben, Asien investiert. Das globale Kräfteverhältnisse verschiebt sich. Das ist das Ergebnis eines Berichts des Internationalen Instituts für Strategische Studien. Darin warnen die Experten vor einer Schwächung der Nato. Schuld ist auch die Finanzkrise.

Die Militärausgaben asiatischer Staaten werden 2012 erstmals die des Westens übersteigen. Davon gehen Militärexperten aus. Seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 näherten sich die Ausgaben von Europa und Asien an, heißt es im Jahresbericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS). Künftig dürfte der Osten die Führung übernehmen.

Mindestens 16 Nato-Staaten verringerten in den vergangenen Jahren ihre Rüstungsausgaben. Von Einschnitten von mehr als zehn Prozent ist in dem Bericht die Rede. Wegen des enormen Haushaltsdrucks auf die krisengeschüttelten europäischen Staaten rechnet das Institut nicht mit einer Umkehr dieses Trends.

Laut dem IISS löst die schwindende Investitionsfreude Europas auch schon Mangelerscheinungen bei den Streitkräften aus. Während des Nato-Einsatzes in Libyen etwa fehlte es den europäischen Truppen laut den Militärexperten unter anderem an der Fähigkeit, Ziele zu erkennen und effektive Aufklärung zu betreiben.

Finanzkrise darf Nato nicht schwächen

Made in China: der Tarnkappen-Kampfjet "J-20".
Made in China: der Tarnkappen-Kampfjet "J-20".(Foto: picture alliance / dpa)

Neben der Finanzkrise erklären sich die sinkenden Rüstungsausgaben aber auch aus einem Strategiewechsel der Nato. Das Ziel einiger europäischer Staaten ist es, ihre Streitkräfte stärker zu verschmelzen – im Rahmen der sogenannten "Smart-Defence-Initiative" (Intelligente-Verteidigungs-Initiative). Nach Angaben des IISS muss Europa dabei aber eines sicherstellen: Der wirtschaftliche Druck auf einige EU-Staaten und die Priorität von Haushaltsfragen darf die Schlagkraft der Allianz nicht schwächen. Wohl auch, weil die Vereinigten Staaten den Trend in Europa nicht ausgleichen.

Auch die USA haben laut der Studie ihren Militärausgaben verringert. Allein in Europa soll die Truppenstärke um 10.000 bis 70.000 Soldaten sinken. Unter anderem, weil das Pentagon seine militärischen USA streicht Brigaden in Europa . Hintergrund sind laut IISS die wachsenden wirtschaftlichen Interessen der USA in Asien.

Die Militärexperten des IISS warnen trotz der amerikanischen Sparpolitik, die Vereinigten Staaten zu unterschätzen: "Die USA werden mit Abstand die größte Militärmacht der Welt bleiben." Zudem könne nur Amerika in der Nato großangelegte Kampfeinsätze zu See, Land und Luft stemmen.

Asien erhöht Ausgaben und verbessert Kriegsmaschinerie

China, Japan, Indien, Süd Korea und Australia treiben derweil die Militarisierung des Ostens voran. Sie machen rund 80 Prozent der Rüstungsausgaben in der Region aus. Und die stiegen im vergangenen Jahr um 3,15 Prozent. Laut IISS auch dank des rapiden wirtschaftlichen Wachstums in Asien.

Etliche Länder investieren dort derzeit in ihre Schlagkraft in der Luft und auf dem Wasser. Indien etwa rüstet sich mit U-Booten und Flugzeugträgern aus. China rüstet weiter auf . Zumindest bezogen auf die Rüstungsausgaben.

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Das IISS schätzt, dass sich die Ausgaben des Riesenreiches von 2001 auf 2011 mehr als verdoppelt haben. und zudem den Tarnkappen-Kampfjet J-20 entwickelt.

Das IISS hebt in seinem Bericht hervor, dass allein die Militärausgaben nicht zwingend einen Wandel des militärischen Kräfteverhältnisses bedeuten müssen. So relativiert die Studie etwa die chinesischen Ambitionen, schätzt die technologischen Entwicklungen des Landes noch als "Keimlinge" ein. Chinas Flugzeugträger etwa ist laut IISS noch rückständig im Vergleich zu amerikanischen Modellen.

"Die USA und der Rest des Westens sind bemüht ihren qualitativen und quantitativen Vorsprung vor Ländern wie China aufrechtzuerhalten", heißt es in dem Bericht. Doch auch bei der Qualität der Kriegsmaschinerie erkennt das Institut: Asien holt auf.

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Quelle: n-tv.de

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