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(Foto: imago/Manngold)

Angst vor dem "Graccident": Athens Finanznot wird immer drückender

Im Schuldendrama um Griechenland wächst die Nervosität. Mangels greifbarer Fortschritte spekuliert alle Welt schon darüber, ob das Land "unfallartig" aus dem Euro ausscheiden muss. Diese Befürchtung könnte schon Ende des Monats wahr werden.

Griechenlands Regierung geht offenbar noch im März das Geld aus. Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, äußerte Ministerpräsident Alexis Tsipras sich in dieser Weise gegenüber dem Präsidenten des Europäischen Parlaments Martin Schulz, als sich beide am Freitag in Brüssel trafen. Die Europäische Zentralbank (EZB) solle den Rahmen für kurzfristige Staatsanleihen (T-Bills) um zwei bis drei Milliarden Euro erhöhen, forderte Tsipras demnach. Der Zeitung sagte Schulz nach dem Treffen: "Tsipras braucht dringend Geld.

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Dafür muss er die Eurogruppe und die EZB von seinem Reformwillen überzeugen, und zwar schon nächste Woche." Schulz und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker drängten Tsipras dem Bericht zufolge dazu, in der neuen Woche einen Brief an die Eurogruppe schreiben, in dem Athen sich zu Privatisierungen, zum Eintreiben von Steuern und zum Aufbau eines Katasterwesens bekennt. Tsipras sagte das zu, aber nur in allgemeiner Form, wie das Blatt weiter berichtet.

Athen muss kommende Woche zwei Kredittranchen an den IWF zurückzahlen, zusammen fast eine Milliarde Euro. Außerdem muss das Land 1,6 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, um eine auslaufende Staatsanleihe zu ersetzen. Beides könnte gerade noch gelingen, hieß es zudem. Doch müssten die Griechen damit rechnen, dass ihre Regierung am Monatsende Renten und Gehälter von Staatsbediensteten nicht mehr voll auszahlen könne.

Angst vor dem "Graccident" wächst

Ökonomen vermissen eine klare Strategie. "Athen sitzt mit einem brennenden Feuerzeug auf dem Pulverfass", meinte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

Immer stärker rückt deshalb die Möglichkeit in den Fokus, dass es zum so genannten "Graccident" kommen könnte. Das englische Kunstwort setzt sich aus Greece (Griechenland) und dem englischen Wort für "Unfall" (Accident) zusammen - wobei das Wort im Englischen auch für "Zufall" stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar wäre, wenn Athen das Geld ausgeht.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will einen versehentlichen, unfallartigen Austritt nicht mehr ausschließen. "Da die Möglichkeit zu entscheiden, was passiert, nur bei Griechenland liegt, und wir nicht so genau wissen, was die Verantwortlichen in Griechenland tun, können wir es nicht ausschließen", sagte der Finanzminister jüngst in Wien.

Quelle: n-tv.de

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