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Im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München.
Im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München.(Foto: dpa)

Polizistenmord von Heilbronn: Bahnarbeiter sah wohl die NSU-Terroristen

Im NSU-Prozess sagt ein Zeuge des Mordanschlags auf zwei Polizisten in Heilbronn aus. Den Anschlag selbst hat er zwar nicht gesehen, dafür aber zwei Radfahrer, die als Täter infrage kommen. Seine Aussage stützt die These von den "Zufallsopfern".

Ein Bahnarbeiter hat möglicherweise vor dem Mordanschlag des "Nationalsozialistischen Untergrunds" auf zwei Polizisten in Heilbronn die beiden Attentäter beobachtet. Auf einem Radweg an den Bahngleisen seien ihm zwei Radfahrer aufgefallen, sagte der 67-Jährige im NSU-Prozess in München. Sie hätten Radfahrerkleidung und Helme getragen und sich angeregt unterhalten.

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"Von dem Punkt, wo die beiden Radfahrer gestanden haben, kann man den Tatort gut eingesehen", sagte der mittlerweile pensionierte Mann. Kurze Zeit später habe er einen Schlag gehört. "Wir haben gedacht, dass es einem Auto einen Reifen rausgehauen hat."

Der Anklage zufolge haben die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den Anschlag auf zwei Polizisten im April 2007 Heilbronn verübt. Die Polizistin Michèle Kiesewetter starb noch am Tatort; ihr Kollege, Martin A., der mit ihr im Streifenwagen saß, überlebte trotz eines Kopfschusses.

Zehn Minuten Erinnerung sind weg

Erst am vergangenen Verhandlungstag hatte A. detailliert den Tag des Anschlags geschildert. Allerdings hatte seine Erinnerung kurz vor dem Anschlag ausgesetzt. "Die zehn Minuten waren schwarz, die kamen nicht mehr wieder", sagte der 31-Jährige, der erst einige Wochen später aus dem Koma erwachte. Der Einsatz in Heilbronn am 25. April 2007 sei sein erster überhaupt nach der Polizeiausbildung gewesen, erzählte Martin A. - eigentlich hätte er eine Woche Urlaub gehabt. "Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil ich noch keinen Einsatz hatte", sagte er. Inzwischen arbeite er nach einer Rehabilitation wieder als Polizeibeamter, allerdings nur noch im Innendienst. Er sei noch immer in Therapie. Auch Kiesewetter, bei ihrem Tod 22 Jahre alt, hatte sich erst wenige Tage vor dem Einsatz freiwillig für den Dienst gemeldet.

Wohl ohne jede Vorwarnung getötet

Kiesewetter und Martin A. hatten ihren Streifenwagen am Rand der Heilbronner Theresienwiese geparkt, um eine Pause zu machen. Bei offenen Türen rauchten sie eine Zigarette, als die Täter beiden - wohl ohne jede Vorwarnung - in den Kopf schossen. Die Ermittler suchten zunächst ausführlich nach möglichen Verbindungen zwischen den NSU-Mitgliedern und der Polizistin, die ebenfalls aus Thüringen stammte - jedoch ohne Erfolg.

Nach etlichen Pannen bei den Ermittlungen wurde der rechtsextreme Hintergrund der Täter erst Jahre nach der Mordserie bekannt. Die Bundesanwaltschaft hält Kiesewetter und Martin A. mittlerweile für "Zufallsopfer". Die Terroristen hätten sie als Vertreter des ihnen verhassten Staates angegriffen.

Die Dienstpistolen der Opfer nahmen die Täter an sich. Außerdem stahlen sie Kiesewetter Pfefferspray und Handschellen. Die Gegenstände waren für die Terroristen möglicherweise Trophäen: Die Dienstwaffen wurden in dem Campingwagen gefunden, den Böhnhardt und Mundlos bei ihrem letzten Banküberfall am 4. November 2011 in Eisenach nutzten. Außerdem fanden die Ermittler an einer Jogginghose von Uwe Mundlos Blutspuren Kiesewetters. Mundlos hatte die Hose seit dem Attentat nicht mehr gewaschen.

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Quelle: n-tv.de

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