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Soldaten bei einer Strahlenschutzübung.
Soldaten bei einer Strahlenschutzübung.(Foto: REUTERS)

Radioaktive Stoffe gesammelt: Bericht: IS hat Material für schmutzige Bombe

Von Benjamin Konietzny

Seit zwei Jahren plündert der IS in Syrien und im Irak. In Hospitälern und Forschungseinrichtungen haben die Islamisten dabei einem Geheimdienstbericht zufolge genug strahlendes Material gefunden, um eine radiologische Bombe zu bauen.

Die Terrormiliz islamischer Staat (IS) hat genug radioaktives Material, um eine radiologische Waffe, auch schmutzige Bombe genannt, zu konstruieren. Das strahlende Material haben die Islamisten in Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen im Irak und Syrien gestohlen und ausreichend davon gesammelt, um eine solche Waffe zu konstruieren. Das geht aus Unterlagen des Australischen Geheimdienstes hervor, auf die sich die britische Zeitung "The Independent" beruft.

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Der IS hatte bereits in der aktuellen Ausgabe seines Propagandamagazins "Dabiq" der Entwicklung einer Massenvernichtungswaffe hohe Bedeutung eingeräumt. Nach Angaben der australischen Außenministerin hat die Nato bereits ihre tiefe Besorgnis über die mögliche Existenz einer solchen Bombe ausgedrückt. Indiens Premier Narendra Modi hatte kürzlich sogar davor gewarnt, der IS könne eine "echte" Atombombe in Pakistan erwerben.

IS aktiver als je zuvor?

Die Befürchtungen, der IS könne eine Massenvernichtungswaffe erwerben oder selbst bauen verdichten sich zu einem Zeitpunkt, von dem Experten glauben, dass der IS aktiver als jemals zuvor werden könnte. Möglicherweise solle so der Beginn des Ramadan beziehungsweise das einjährige Bestehen des "Kalifats" markiert werden.

Eine mit radioaktivem Material geladene schmutzige Bombe unterscheidet sich von Kernwaffen, da bei der Explosion keine Kernspaltung (wie bei einer Atombombe) oder Kernfusion (wie bei einer Wasserstoffbombe) stattfindet. Dennoch gelten schmutzige Bomben als Massenvernichtungswaffen, da eine Sprengladung das radioaktive Material in der Umgebung verteilt und zu erheblichen Strahlenschäden führen kann.

Im Gegensatz zu Materialien für den Bau von Atom- oder Wasserstoffbomben sind die Materialien wesentlich leichter verfügbar. Cäsium-137, Cobalt-60 oder Strontium-90 etwa finden sich in einer Vielzahl von medizinischen oder Forschungseinrichtungen. Allerdings ist auch die unmittelbare Wirkung einer solchen Waffe kaum mit der ungeheuren Zerstörungskraft "echter" Kernwaffen vergleichbar.

Erhebliche psychologische Schäden

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) schätzt etwa, dass die radiologischen Gefahren einer solchen Bombe "überschätzt" werden. Im Fall einer Explosion mit Cäsium-137 etwa, müssten außerhalb des unmittelbaren Wirkkreises der Explosion - also der Bereich, der ohnehin von dem Sprengstoff zerstört worden wäre - keine besonderen Maßnahmen, wie eine Evakuierung ergriffen werden.

Je nachdem, welches Material für die Bombe verwendet wird, ändern sich jedoch auch die Szenarien. Sollte der IS über ausreichende Mengen des extrem teuren Plutoniums verfügen, sähe die Situation anders aus. In einem solchen Fall müsste möglicherweise ein Bereich im Radius weniger Kilometer evakuiert werden.

Grundsätzlich aber geht das BfS von erheblichen psychologischen und wirtschaftlichen Schäden im Fall einer Explosion einer schmutzigen Bombe aus. "Assoziationen zu den existierenden Kernwaffen, mit den verheerenden Folgen der Atomwaffeneinsätze von Hiroshima und Nagasaki, mit der latenten Bedrohungssituation während des Kalten Krieges", könnten in einem solchen Fall zu überschießender Hysterie in der Bevölkerung führen, so das BfS.

Quelle: n-tv.de

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