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Noch die Erkenntnisse nicht belastbar.
Noch die Erkenntnisse nicht belastbar.(Foto: AP)

Terror in Istanbul: Berlin schließt deutsche Todesopfer nicht aus

Die Anzeichen verdichten sich, dass bei dem Terroranschlag in Istanbul deutsche Staatsbürger ums Leben gekommen sind. Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier halten dies für "wahrscheinlich". Sie seien in "großer Sorge und in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer". Offiziell bestätigt sind bislang nur Verletzte, unter anderem aus Deutschland.

Die Bundesregierung kann nicht ausschließen, dass Deutsche unter den Opfern des Terroranschlags in Istanbul sind. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte in Berlin, es gebe entsprechende Hinweise der türkischen Behörden. "Wir müssen inzwischen leider davon ausgehen, dass auch Deutsche bei diesem Anschlag verletzt wurden", teilte Steinmeier in Berlin mit. "Wir können auch nicht ausschließen, dass Deutsche unter den Todesopfern sind." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach davon, dass "Deutsche unter den Opfern wahrscheinlich" sind. Noch seien die Erkenntnisse nicht belastbar, man wisse nur, dass sich der Attentäter inmitten der deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt habe.

Der türkische Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan machte einen syrischen Staatsbürger für den Anschlag verantwortlich. In anderen Berichten war von einer Attentäterin die Rede. Zuvor hatten Insider aus den Sicherheitsbehörden berichtet, es sei "sehr wahrscheinlich", dass die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hinter der Explosion stecke. Von der Türkei aus fliegt eine von den USA angeführte Koalition Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und im Irak. Auch die Bundeswehr unterstützt mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen von Incirlik aus diesen Einsatz.

Laut einem Reporter der Zeitung "Cumhuriyet" soll der Selbstmordattentäter seine Bombe inmitten der deutschen Reisegruppe gezündet haben. Die Zeitung "Sabah" berichtet von neun Toten - sechs aus Deutschland, einem Norweger, einem Südkoreaner und einem Peruaner. Bislang sind lediglich zwei deutsche Verletzte bestätigt.

Nach unbestätigten Angaben türkischer Reporter soll der Anschlag von einer Frau verübt worden sein. Die Attentäterin sei der Polizei aufgefallen und von ihr angesprochen worden. Daraufhin sei die Frau zu der deutschen Reisegruppe gerannt und habe inmitten der Touristen die Bombe gezündet.

Das deutsche Generalkonsulat in Istanbul bemüht sich um Aufklärung und steht in engem Kontakt mit den türkischen Behörden. Das Auswärtige Amt rät Reisenden in Istanbul, Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen vorläufig zu meiden und sich über Reisehinweise und die Medien zur Lageentwicklung informiert zu halten.

Nachrichtensperre verhängt

Am Mittag kamen Innenminister Efkan Ala und Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu mit den Chefs von Geheimdienst und Polizei zu einem Krisentreffen zusammen. Anschließend wurde eine Nachrichtensperre über die Vorgänge in Istanbul verhängt. CNN Türk verlas eine entsprechende Erklärung und unterbrach die Live-Berichterstattung vom Tatort. Nach weiteren unbestätigten Berichten soll die Polizei in unmittelbarer Tatortnähe eine Frau festgenommen haben, die eine zweite Bombe habe zünden wollen.

Eine Reporterin von CNN berichtete, zu der Explosion sei es an dem ägyptischen Obelisken gekommen. Viele Touristen stünden unter Schock. Die Explosion war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören. Auf dem Sultanahmet-Platz befinden sich die weltberühmte Hagia Sophia und die Blaue Moschee. Die beiden Gebäude gehören zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Türkei.

Seit Ende des Waffenstillstandes zwischen der Regierung und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK vor einigen Monaten hat es mehrere Anschläge in türkischen Städten gegeben. Im Oktober wurden bei einem doppelten Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Ankara 103 Menschen getötet. Der bislang blutigste Anschlag auf türkischem Boden wurde dem IS zugeschrieben.

Am 23. Dezember wurde auf dem Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen bei einem Attentat ein Mensch getötet, zu der Tat bekannte sich die Kurdengruppe TAK. Die Türkei hat seit dem Sommer ihr Vorgehen gegen kurdische Terroristen und Aktivisten deutlich verschärft.

Quelle: n-tv.de

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