Politik

Video empört Israelis und Berliner: Betrunkene pinkeln aufs Holocaust-Mahnmal

Von Nora Schareika

Ein kurzer Film macht eine bizarre Party in Berlin am Denkmal für die ermordeten Juden publik: Junge Männer betrinken sich und nutzen die Stelen als öffentliches Klo. Das Video wird nach Israel übermittelt. Die Empörung ist groß.

Der Ort im Herzen Berlins soll eigentlich respektvoll an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden erinnern. Ein seit Kurzem kursierendes Amateurvideo jedoch zeigt eine Gruppe Betrunkener, die zu Silvester eine bizarre Party auf und zwischen den Betonstelen des Berliner Holocaust-Mahnmals gefeiert haben.

Das Holocaust-Mahnmal in der Nähe des Brandenburger Tores dient seit 2005 dem Gedenken an die ermordeten Juden.
Das Holocaust-Mahnmal in der Nähe des Brandenburger Tores dient seit 2005 dem Gedenken an die ermordeten Juden.(Foto: AP)

Die Männer springen in dem Video grölend auf den Pfeilern hin und her, trinken, zünden Böller und Raketen. Dann lässt einer die Hose runter und pinkelt an einen Betonkubus. Polizeibeamte greifen nicht ein, obwohl wegen der großen Silvester-Party am Brandenburger Tor viele von ihnen im Einsatz sind.

Das Internet-Video mit dem Titel "Deutsche Hooligans schänden Berliner Holocaust-Mahnmal" hat vor allem in Israel umgehend für Empörung gesorgt. Die israelische Nachrichtenplattform Arutz Sheva veröffentlichte den Filmausschnitt. Auch die Tageszeitung "Haaretz" berichtete in ihrer Online-Ausgabe über den Vorfall.

Journalist filmte die Betrunkenen

Die israelische Botschaft in Berlin erklärte in Reaktion auf dem vierminütigen Film: "Wir sind über dieses schreckliche Verhalten an einem so wichtigen Ort des Gedenkens entsetzt." Die Botschaft vertraue aber darauf, dass die deutschen Behörden alles dafür tun würden, um ähnliche Aktionen in der Zukunft zu vermeiden.

Nach Angaben der Stiftung "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" wurde der Vorfall in der Silvesternacht von einem Journalisten gefilmt, der das Video weiterleitete. Stiftungs-Direktor Uwe Neumärker äußerte sich erschrocken. Nun wolle man klären, wie das Mahnmal besser geschützt werden könne. Dazu gehörten Überlegungen, das Gelände zu umzäunen.

Berliner Polizei: Ordnungsamt ist zuständig

Verantwortlich für den Vorfall fühlt sich die Berliner Polizei laut Medienberichten jedoch nicht. "Es ist zwar eine Schweinerei, aber keine Straftat", sagte ein Sprecher. Für illegales Pinkeln sei das Ordnungsamt zuständig. Eine Polizeiabsperrung widerspreche dem "offenen Charakter" des Denkmals.

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Petra Pau erklärte dagegen, es habe sich allem Anschein nach nicht um eine Dummheit im Silvesterrausch, sondern um aggressiven Antisemitismus gehandelt. "Schwer verständlich ist, warum diese Schändung zum Jahreswechsel hierzulande erst jetzt via Israel öffentlich wurde", erklärte Pau.

Das von dem US-amerikanischen Architekten Peter Eisenman entworfene Stelenfeld wurde 2005 eingeweiht. Eisenmans Konzept sah ausdrücklich ein offenes Denkmal vor. Nach der Eröffnung des Mahnmals hatte sich jedoch bald unter Besuchern etabliert, von Stele zu Stele zu hüpfen. Dieses Verhalten wurde daraufhin mit Verweis auf die eigentliche Bestimmung des Denkmals - dem Gedenken - untersagt.

Quelle: n-tv.de

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