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Schwerbewaffnete Soldaten patrouillieren im Zentrum von Brüssel.
Schwerbewaffnete Soldaten patrouillieren im Zentrum von Brüssel.(Foto: imago/Belga)

Terrorgefahr und Razzien: Brüssel sagt Silvesterfeuerwerk ab

Die belgische Hauptstadt Brüssel kommt nicht zur Ruhe. Nach der Festnahme von mehreren mutmaßlichen Islamisten sagt die Stadt das Feuerwerk zu Silvester wegen Terrordrohungen ab. Auch in Molenbeek gibt es wieder eine Razzia.

Das Silvesterfeuerwerk und andere öffentliche Feiern zum Jahreswechsel in der belgischen Hauptstadt Brüssel fallen wegen Terrordrohungen aus. Das sagte Bürgermeister Yvan Mayeur im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RTBF. "Es ist besser, wenn wir keine Risiken eingehen." Die Lage werde weiter geprüft.

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Premierminister Charles Michel sagte, er halte die Entscheidung in der gegenwärtigen "unsicheren Situation" für gerechtfertigt. Allein zum Feuerwerk auf dem Platz De Brouckère in der Innenstadt waren mindestens 50.000 Menschen erwartet worden. Auch das Begleitprogramm der Festmeile in der Innenstadt, zu der im Vorjahr rund 100 000 Menschen kamen, wurde demnach gestrichen.

"Nicht zu kontrollieren"

Solche Massenansammlungen seien nicht zu kontrollieren, sagte Mayeur. Gemeinsam mit Innenminister Jan Jambon habe er deswegen die Entscheidung getroffen, "die Feiern am Donnerstagabend nicht zu organisieren". Auch andere europäische Städte verstärkten ihre Sicherheitsmaßnahmen zu den Feiern zum Jahreswechsel.

Die Behörden hatten Anschlagspläne für die Silvesternacht aufgedeckt und bei Razzien am Sonntag und Montag zwei Männer in Haft genommen. Die Bedrohung wurde als "ernsthaft" eingestuft. Waffen und Sprengstoff wurden nach bisherigen Angaben der Staatsanwaltschaft aber nicht gefunden.

Mindestens einer der beiden Terrorverdächtigen weist die Vorwürfe gegen ihn zurück. Der 27-jährige Mohamed K. beteuere, er sei nicht radikalisiert, berichtete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf dessen Anwalt Xavier Carrette. Sein Klient habe keine juristische Vorgeschichte, erklärte der Anwalt. Die Staatsanwaltschaft stuft einen der Verhafteten als Täter oder Mittäter einer Terrorgruppe ein. Nach Medienberichten ist damit Mohamed K. gemeint. Die zweite Person gilt als Drahtzieher und soll islamistische Komplizen für Terrorakte angeworben haben. Laut der Zeitung "La Dernière Heure" handelt es sich dabei um den 30-jährigen Saïd S.

IS-Propagandamaterial gefunden

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Beide Männer kommen nach Medienberichten aus dem Brüsseler Stadtteil Anderlecht und sind Mitglieder des Brüsseler Motorrad-Clubs "Kamikaze Riders", dessen Anhänger in sozialen Netzwerken zum Teil mit antisemitischen Parolen aufgefallen sind. Saïd S. soll der Chef des Clubs sein. Laut dem Rundfunksender RTBF ist er als radikaler Prediger bekannt. Die zwei Männer wurden bei Polizeiaktionen am Sonntag und Montag festgenommen.

Bei einem der Verhafteten wurden laut RTBF Propagandamaterial der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie Ausrüstungsgegenstände für das Kampfspiel "Airsoft" gefunden. Dabei treten die Spieler mit nachgemachten Waffen und Plastikkugeln gegeneinander an. RTBF mutmaßte, dass es sich in diesem Fall um Übungsmaterial für reale Anschläge gehandelt haben könnte.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren während der Feierlichkeiten zum Jahresende Anschläge an mehreren "symbolträchtigen Orten" Brüssels geplant. Einen Zusammenhang zu den Pariser Terroranschlägen vom 13. November mit 130 Todesopfern gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht.

Neue Razzia in Molenbeek

Im Brüsseler Problemviertel Molenbeek wurde zudem im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris erneut eine Wohnung durchsucht. Ein Mensch wurde zur Vernehmung in Gewahrsam genommen. Ein Richter werde nun entscheiden, ob dieser wieder freigelassen oder verhaftet werde, verlautete aus Justizkreisen.

Belgischen Medien zufolge fand die Razzia in einer Straße statt, in der Spezialkräfte schon drei Tage nach den Attentaten eine Wohnung durchsucht hatten. In der am 16. November durchsuchten Wohnung seien "Spuren" des Schlüsselverdächtigen Salah Abdeslam gefunden worden, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender RTBF.

Abdeslam hatte am Abend des 13. November mehrere Attentäter in Paris abgesetzt und selbst einen Sprengstoffgürtel getragen, ließ sich aber in der Nacht in Paris von Freunden abholen und nach Brüssel bringen. Trotz internationalen Haftbefehls und Fahndungsfotos ist er noch nicht gefasst. Mehrere der Attentäter von Paris lebten in Molenbeek.

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Quelle: n-tv.de

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