Politik

"Hände weg von Kinderbüchern": CDU-Mann geht Schröder an

"Neger" sagt man nicht, zumindest heutzutage gilt das. In den 1950er und 60er Jahren, als eine Reihe berühmter Kinderbücher geschrieben werden, ist man da nicht ganz so zimperlich. Familienministerin Schröder will politisch inkorrekte Begriffe aus Klassikern verbannen. Doch sie hat die Rechnung ohne Parteifreund Börnsen gemacht.

Als "Jim Knopf" entstand, nannte man Schwarze noch "Neger".
Als "Jim Knopf" entstand, nannte man Schwarze noch "Neger".(Foto: picture alliance / dpa)

In der Union ist ein Kulturkampf entbrannt. Es stehen sich gegenüber: In der einen Ecke Familienministerin Kristina Schröder, junge aufstrebende Frontfrau, zarte 35 Jahre alt und seit eineinhalb Jahren glückliche Mutter der kleinen Lotte Marie. In der anderen Ecke Wolfgang Börnsen, medien- und kulturpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, mit 70 Lebens- und 25 Abgeordnetenjahren auf dem Buckel ein alter Hase in der Politik. Das Schlachtfeld: das abendliche Kinderzimmer bei der Vorlesestunde vor dem Einschlafen.

Der Haudegen aus dem hohen Norden fährt seiner Parteifreundin, die seine Tochter sein könnte, jetzt mächtig in die Parade und nimmt dabei Bezug auf eine Debatte des Feuilletons, die vor wenigen Wochen nach einer Aussage der Ministerin ihren Lauf nahm. Schröder hatte kurz vor Weihnachten in einem Interview erzählt, wenn sie ihrem Mädchen einmal Kinderbuchklassiker wie "Die kleine Hexe" von Ottfried Preußler, "Jim Knopf" von Michael Ende oder "Pippi Langstrumpf" von Astrid Lindgren  vorliest, dann werde sie diskriminierende - aber zum Zeitpunkt, zu dem die Geschichten geschrieben wurden übliche - Begriffe wie "Neger" oder "Zigeuner" auslassen.

Nicht wenige werteten Schröders Aussagen als Aufruf zur Überarbeitung der entsprechenden Bücher. Und prompt reagierte der Stuttgarter Thienemann Verlag, der das Preußler-Buch im Sortiment hat. Der fast 90-jährige Autor Preußler gab nach langem Widerstand nach, man werde die beanstandeten Wörter streichen, alle Klassiker im Katalog "durchforsten". Schon 2009 gab es eine ähnliche Aktion, als der Verlag Friedrich Oetinger "Pippi Langstrumpf" und andere Astrid-Lindgren-Schmöker bereinigte.

Damit ist dann alles in Ordnung? Kristina Schröder kann also in Zukunft Gutenachtgeschichten vorlesen, ohne auf fragwürdige Ausdrücke zu stoßen? So leicht will Börnsen die politisch korrekte Ministerin und die Verlagswelt nicht davonkommen lassen. Er bringt einen Brandbrief unters Volk, in der er die Überarbeitungspraxis von Kinderbüchern verteufelt. Zwar räumt er - ein wenig am Thema vorbeizielend - ein: "Natürlich gehört nach unserer heutigen Auffassung eine Hexe nicht in den Ofen, die Buben nicht in das Tintenfass und Max und Moritz wie Michel Lönneberga [sic] sollten sich stets friedlich, freundlich und pädagogisch beispielgebend verhalten." Deswegen jedoch Kinderbücher "begrifflich zu glätten" damit sie "unserem Zeitgeist" entsprechen, sei nicht angebracht.

Sogleich schwingt sich Börnsen zum Hüter des Urheberrechts empor: "Auch für die Literatur für die junge Generation gilt ein Respekt vor den Originalen, eine Achtung vor der Autorin und dem Autor." Solche "Moralisten" sollten "mehr Toleranz zeigen", findet er. Um dann noch rasch eine sachfremde politische Botschaft unterzumischen: "Was wirklich von Schaden für Heranwachsende sein kann, sind die täglichen Begleiter in TV-Sendungen, in den Computerspielen, die voll von Gewalt, Vorurteilen und heute oft auch voll von Rassismus sind." Klingt ganz so, als habe sich da einiges an Groll aufgestaut.

Quelle: n-tv.de

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