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Bejubelte am Wahlabend seinen Einzug ins EU-Parlament: AfD-Chef Bernd Lucke.
Bejubelte am Wahlabend seinen Einzug ins EU-Parlament: AfD-Chef Bernd Lucke.(Foto: picture alliance / dpa)

"Größere Schnittmengen als mit SPD": CDU-Politiker: Koalition mit AfD möglich

Die Union verliert, die AfD gewinnt: Das Ergebnis der Europawahl sorgt vor allem in der CDU für Diskussionen. Mehrere Bundestagsabgeordnete sprechen sich für einen offeneren Umgang mit den Eurokritikern aus, einer geht sogar noch weiter.

Die AfD ist der große Sieger der Europawahl. Die Eurokritiker können auf Anhieb sieben Parlamentarier nach Brüssel schicken. Am Wahlabend sprach AfD-Chef Bernd Lucke euphorisch sogar von einer "neuen Volkspartei in Deutschland". So viel ist sicher: Das starke Ergebnis der AfD und ihr Einzug ins EU-Parlament haben Folgen für das deutsche Parteiensystem. In der Union setzt man sich bereits damit auseinander, wie man mit den neuen Konkurrenten um konservative und liberale Wähler umgehen soll. Die Ansichten darüber gehen offenbar weit auseinander.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch hält sogar eine Koalition mit der AfD für denkbar. "Die FDP ist verschwunden, wir müssen uns auf neue strategische Verhältnisse einstellen", sagte Willsch Spiegel Online. "Wir müssen für künftige Koalitionen nüchtern darauf blicken, mit wem wir die größten Schnittmengen haben: mit der SPD, mit den Grünen oder mit der AfD? Da sehe ich die größten Schnittmengen mit der AfD." Unions-Fraktionschef Volker Kauder sieht das offenbar ganz anders. Die AfD sei für die Union im Bund "keine Option", er rate dazu auch nicht mit Blick auf Länder oder Kommunen, sagte er im ZDF. "Ich habe die Erfahrung gemacht, am besten ist es, wenn man sich überhaupt nicht mit ihr beschäftigt."

Doch die Strategie, die AfD einfach zu ignorieren, halten immer mehr CDU-Politiker für falsch. "Man sollte die AfD nicht einfach in die rechtspopulistische Ecke drängen. Es kann durchaus sein, dass sie die FDP dauerhaft ersetzt", sagt Unionsfraktionsvize Georg Nüsslein, der dazu rät, sich zumindest inhaltlich mit der AfD auseinanderzusetzen. CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sagt: "Wir müssen unsere Strategie gegenüber der AfD überdenken. Die Annahme der Parteispitze, wenn wir über die AfD nicht reden, merken die Leute gar nicht, dass es sie gibt, hat sich nicht bestätigt."

Über ihr künftiges Verhältnis zu den Eurokritikern kann die CDU schon an diesem Montag bei der Sitzung des CDU-Präsidiums reden.

Quelle: n-tv.de

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