Politik
Chodorkowski ist zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.
Chodorkowski ist zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.(Foto: dpa)
Donnerstag, 24. Dezember 2015

"Sie sind verrückt geworden": Chodorkowski erwägt Asylantrag in London

Der Druck der russischen Justiz auf Kremlkritiker Chodorkowski wird immer stärker: Sie durchsucht die Räume seiner Stiftung, wegen Mordes stellt sie einen Haftbefehl gegen ihn aus. Er denkt nun darüber nach, in Großbritannien einen Asylantrag zu stellen.

Der Kremlkritiker und Ex-Ölmagnat Michail Chodorkowski denkt ernsthaft über einen Asylantrag in Großbritannien nach. Er ziehe diesen Schritt "definitiv in Erwägung", sagte der im Exil lebende Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin in einem Interview des britischen Senders BBC. Kurz zuvor hatte die russische Justiz Haftbefehl gegen Chodorkowski erlassen und ihn zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

Putin betrachte ihn als Bedrohung, meinte der in Russland in Ungnade gefallene, frühere Besitzer des zerschlagenen Konzerns Yukos. "Wirtschaftlich, wegen der möglichen Beschlagnahme russischen Vermögens im Ausland, und politisch als jemand, der möglicherweise demokratische Kandidaten bei den kommenden Wahlen 2016 unterstützen könnte."

Die russische Justiz hat in einem Mordfall Haftbefehl gegen Chodorkowski. Russland hatte Chodorkowski Mitte Dezember offiziell beschuldigt, 1998 die Ermordung des Bürgermeisters der sibirischen Stadt Neftejugansk organisiert zu haben.

Chodorkowski weist die Anschuldigungen zurück. "Sie sind verrückt geworden", kommentierte der 52-jährige Geschäftsmann auf seiner Webseite den Haftbefehl. Nach fast zehn Jahren Lagerhaft war Chodorkowski Ende 2013 begnadigt worden und anschließend in die Schweiz gezogen. Nach seiner Freilassung gründete Chodorkowski die Stiftung "Offenes Russland", Anfang Dezember rief er zu einer "Revolution" in Russland auf.

Druck auf Mitarbeiter

Erst vor wenigen Tagen waren die Räume seiner Stiftung "Offenes Russland" durchsucht worden sowie die Wohnungen mehrerer Mitarbeiter. Dabei beschlagnahmten Staatsanwälte und Polizei alle elektronischen Geräte, Notizbücher und Geldkarten. Die Staatsanwaltschaft begründete die Druchsuchungen mit der Milliardenklage früherer Yukos-Eigner auf Schadenersatz.

Ein Schiedsgericht in Den Haag hatte im Jahr 2014 Russland dazu verurteilt, 50 Milliarden US-Dollar zu zahlen. Nun versuchen ehemalige Yukos-Aktionäre - allerdings nicht Chodorkowski - das Geld durch Pfändung russischen Staatseigentums im Ausland einzutreiben.

Die russische Justiz prüfe, ob die Aktionäre ihre Yukos-Anteile damals rechtmäßig erworben hätten, sagte Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde der Agentur Interfax. Durchsucht würden Wohnungen und Arbeitsplätze der Mitarbeiter von Organisationen, "die damals oder auch heute noch von Michail Chodorkowski kontrolliert werden".

Quelle: n-tv.de

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