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Land unter Zugzwang: Dänemark macht seine Grenze dicht

Skandinavien macht seine Grenzen ein Stück weit dichter. Schweden beginnt am Morgen mit der Kontrolle der Einreisenden. Dänemark zieht wenig später nach. Beide Länder wollen so den Zuzug von Flüchtlingen eindämmen.

Dänemark führt ab sofort vorübergehende Passkontrollen an der Grenze zu Deutschland ein. Dazu sehe sich das Land gezwungen, nachdem die schwedische Regierung am Montag Kontrollen vor der Einreise nach Schweden aus Dänemark gestartet hatte, teilte der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen in Kopenhagen mit. Die Regelung sei um 12.00 Uhr in kraft getreten und zunächst für zehn Tage begrenzt. Sie könne aber verlängert werden.

Die schwedischen Passkontrollen könnten dazu führen, dass eine große Zahl von illegalen Migranten in und um Kopenhagen blieben, sagte er zur Begründung. Dänemark ist Haupt-Transitland für Migranten, die über Deutschland nach Schweden wollen, um dort Asyl zu beantragen.

Bundesregierung: Brauchen europäische Lösung

Die Entscheidung der dänischen Regierung werfe ein Schlaglicht darauf, "dass wir vor allem eines brauchen - nämlich eine gesamteuropäische Lösung", kommentierte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert. Die EU müsse ihre Außengrenzen wirkungsvoller kontrollieren, dies sei aus Sicht der Bundesregierung die vordringliche Aufgabe.

Seibert wollte den Schritt der Regierung in Kopenhagen nicht bewerten. Jeder EU-Staat könne über derartige Maßnahmen "in eigener Verantwortung" entscheiden, sagte er. Rasmussen habe Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Entscheidung informiert.

Schleswig-Holstein bestürzt

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig äußerte sich bestürzt. "Dies kann das gute Zusammenleben in der deutsch-dänischen Grenzregion beeinträchtigen und insbesondere die Pendler belasten", teilte der SPD-Politiker in Kiel mit. Dass die dänische Regierung die Kontrollen zunächst nur vorübergehend und stichprobenartig eingeführt hat, bezeichnete Albig als Lichtblick. Außerdem begrüßte er es, dass die dänische Regierung die grenzüberschreitend agierenden Verkehrsunternehmen zunächst nicht in die Pflicht nehmen wolle, Reisende zu kontrollieren.

Seit Montag um Mitternacht werden in Bussen, Zügen und Fähren von Dänemark und Deutschland nach Schweden die Ausweise kontrolliert. Die Maßnahme hatte das Land ergriffen, um die hohe Zahl der Flüchtlinge einzudämmen. Rasmussen hatte die Kontrollen an der Grenze zu Deutschland angekündigt, sollte die schwedische Maßnahme zu einem Anstieg illegaler Flüchtlinge in Dänemark führen.

Schweden hat im Verhältnis zur Zahl der Einwohner die meisten Flüchtlinge aller EU-Länder aufgenommen. Im vergangenen Jahr haben rund 160.000 Menschen Zuflucht in dem Land gesucht. Das Land hat nicht ganz zehn Millionen Einwohner.

Quelle: n-tv.de

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