Politik
Marion Maréchal-Le Pen ist das neue Aushängeschild des FN.
Marion Maréchal-Le Pen ist das neue Aushängeschild des FN.(Foto: AP)

Marion Maréchal-Le Pen: Das Postergirl des Front National

Von Johannes Graf

Das blonde Haar stets über die rechte Schulter gekämmt, lächelt sich Marion Maréchal-Le Pen in die Herzen der französischen Wähler. Harmlos ist sie jedoch nicht: Die Front-National-Kandidatin ist die radikale Erbin von Großvater Jean-Marie Le Pen.

Die Karriere der knochenkonservativen französischen Polit-Aufsteigerin Marion Maréchal-Le Pen beginnt im Alter von zwei Jahren. 1992 kämpft Front-National-Übervater und Antisemit Jean-Marie Le Pen um Stimmen. Sein Wahlplakat zeigt ihn selbst mit seiner Lieblingsenkelin, der kleinen Marion. Der Opa knuddelt die Kleine. Inzwischen ist das Mädchen dem Alten längst entwachsen.

Bilderserie

In der zweiten Runde der französischen Regionalwahlen hat sie beste Aussichten, das Mandat für die Region Provence-Alpes-Côtes-d'Azur zu gewinnen. Im ersten Wahlgang kam sie am vergangenen Sonntag auf rund 40 Prozent der Stimmen. Sie ist neben ihrer Tante und FN-Chefin Marine Le Pen der Star der Partei und Garant des neuen Erfolgs. Dabei ist Marion Maréchal-Le Pen eine paradoxe Figur. Sie ist mit 26 Jahren blutjung und steht für den modernen Front National. Doch sie vertritt Ansichten, von denen sich selbst die nicht gerade als zimperlich geltende FN-Chefin distanzieren muss. Und genau wegen ihrer radikalen Ansichten verfängt sie bei vielen Wählern - gerade nach den Anschlägen von Paris.

Mit dem Antisemitismus ihres Großvaters schließt sie ab, gegen Muslime hetzt sie dagegen ungeniert: Muslime können in ihren Augen nur Franzosen sein, wenn sie sich die Sitten und Lebensarten zu eigen machten, die sich in Jahrhunderten griechischen, römischen und christlichen Einflusses herausgebildet hätten, gab sie im Wahlkampf zum Besten. In einem Interview sagte sie: "Muslime können nicht exakt denselben Rang haben wie Christen." Maréchal-Le Pen vertritt die Theorie, dass in Frankreich ein "Bevölkerungsaustausch" stattfinde, der unterbunden werden müsse. Die Logik: Immigranten verdrängen alteingesessene Franzosen. Sie sagt, sie befürchte, "die Riviera wird zur Favela".

Aus der stotternden Studentin wird ein FN-Hoffnungsträger

In der Familienpolitik bewegt sich die Mutter eines einjährigen Mädchens in der Gedankenwelt der 50er Jahre: Bei den Protesten gegen die Homoehe setzt sie sich an die Spitze der Bewegung. Abtreibungen sind für die streng gläubige Katholikin ein Teufelswerk. Eloquent schießt sie gegen liberale Politiker, gegen Homosexuelle und Ausländer. Sie trifft damit nicht nur den Nerv des klassischen FN-Klientels.

Video

Dabei muss Maréchal-Le Pen an ihrem Talent in jungen Jahren noch feilen. Mit 18 Jahren wird sie FN-Mitglied. Bei den Regionalwahlen von 2010 tritt sie zum ersten Mal bei einem größeren Urnengang an. Die politischen Gehversuche enden im Desaster. In den letzten Wochen kursierte im Netz ein Video, das ein Interview mit Maréchal-Le Pen aus dieser Zeit zeigt. Sie stammelt sich durch ihre Antworten, ihr Programm hat sie nicht präsent, ständig muss ihr Pressesprecher einspringen. Schließlich bricht sie ab. Gegner von Maréchal-Le Pen feiern den Schnipsel.

Ihren Aufstieg verhindern können solche Peinlichkeiten jedoch nicht. 2012 springt sie bei den Wahlen zur Nationalversammlung ein. Sie wird die jüngste Abgeordnete des Parlaments. Ohne Respekt attackiert sie ein ums andere Mal Politiker des sozialistischen und konservativen Flügels.

"Die extremste und gefährlichste der Le Pens"

In diesem Frühjahr der große Generationswechsel im FN: Eine der großen Profiteure des Sturzes des alten Übervaters ist ausgerechnet das kleine Mädchen, das er auf dem Plakat von einst auf dem Arm hielt. Jean-Marie Le Pen geht zu weit. Er sagt, Gaskammern seien lediglich ein "Detail" des Zweiten Weltkriegs - eine Verharmlosung des Holocaust, wie er auch in Frankreich unmöglich ist.

Tochter Marine Le Pen entledigt sich seiner. Auch seine Enkelin distanziert sich von ihm - wenngleich sie seinen Parteiausschluss ablehnt. Dennoch: Die frei werdende Kandidatur für die Regionalwahlen im Süden nimmt sie dem Opa dankend ab.

Der Gegner in ihrer Region, der Republikaner Christian Estrosi, verzweifelt an der jungen FN-Frau: "Wenn sie moderne Kunst für degeneriert erklärt, rühmt man das Blond ihrer Haare, wenn sie Luthers Protestantismus mit der deutschen Besatzung vergleicht, lobt man ihre erfrischende Ausdrucksweise, wenn sie die Beziehungen zu ausländischen Unternehmen abbrechen will, gilt das als einfallsreich." Sie sei "die extremste und gefährlichste der Le Pens".

Wegen ihres Äußeren und ihres Alters lockt sie die Jungen, wegen ihres straffen Nationalismus und ihres strengen Glaubens holt sie die Stimmen der Traditionalisten. Oder wie es der erfolgreiche französische Rapper Youssoupha audrückt: "Sie ist die Enkelin des Teufels. Noch nie kam die Ideologie der Le Pens so sexy vor."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen