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Was wird aus Mahmud Ahmadinedschad?: Das neue Leben des "Irren von Teheran"

Von Issio Ehrich

Israel-Hasser, Verschwörungstheoretiker, Holocaust-Leugner - der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist eine der berüchtigsten Persönlichkeiten der Weltpolitk. Was macht so einer, wenn er seinen Job verliert?

Mahmud Ahmadinedschad antwortet ausgerechnet mit einem Grinsen. Auf die Frage der iranischen Nachrichtenagentur Fars, was er mit seinem Leben anstellen wolle, wenn er nicht mehr Präsident sei, antwortet der Mann, den eine große deutsche Boulevardzeitung jahrelang als den "Irren von Teheran" betitelte, ausgerechnet mit einem Grinsen. Was heckt Ahmadinedschad aus?

Auf Uno-Vollversammlungen war Ahmadinedschad stets ein gefürchteter Redner. Diplomaten verließen bei seinen Auftritten regelmäßig den Saal.
Auf Uno-Vollversammlungen war Ahmadinedschad stets ein gefürchteter Redner. Diplomaten verließen bei seinen Auftritten regelmäßig den Saal.(Foto: REUTERS)

Nach acht Jahren als Präsident der Islamischen Republik darf der 56-Jährige sein Amt nicht mehr ausüben, so steht es in der Verfassung. Der moderate Kleriker Hassan Ruhani wird den Posten am 3. August übernehmen. Ahmadinedschad aber ist viel zu jung für den Ruhestand. Eine gewisse Sorge, was der iranische Hardliner mit seiner Zeit künftig anstellt, erscheint da angebracht. Oder?

Als Ahmadinedschad sein Amt 2005 antrat, machte er binnen Monaten mit einer beispiellosen Hetze gegen Israel auf sich aufmerksam. Er nannte den Holocaust eine "große Lüge", sprach vom "Märchen des Massakers an den Juden". Und er forderte: "Das Besatzerregime muss Geschichte werden." In seiner zweiten Amtszeit unterstellte er der US-Regierung, den Anschlag auf das World Trade Center inszeniert zu haben – "um die schrumpfende amerikanische Wirtschaft und ihren Griff auf den Nahen Osten ebenso zu retten wie das zionistische Regime."

Ahmadinedschad war im vergangenen Jahrzehnt wohl der scharfzüngigste Sprecher auf Uno-Vollversammlungen. In seiner Heimat gerierte er sich mindestens genauso provokant. Wie kein Zweiter trieb er zudem das umstrittene iranische Atomprogramm voran. In Europa und den USA zeigen sich etliche Experten überzeugt: Der Mann will die Bombe. Entsprechend groß ist die Sorge, dass er ein politisches Comeback wagt. Zu Recht?

Der Weg in die Politik ist versperrt

Die Deutsche Presse-Agentur zitiert einen Teheraner Politologen mit den Worten: Den sollte man nicht abschreiben. Tatsächlich könnte Ahmadinedschad 2017, nach einer verfassungsrechtlichen Zwangspause, wieder als Präsident kandidieren, seinen Machthunger stillen und seine politischen Pläne vollenden. Realistisch erscheint dieses Szenario allerdings nicht. Die Iraner straften Ahmadinedschads geheimen politischen Erben, Said Dschalili, seinen Atomunterhändler, auch stellvertretend für ihn ab. Von 36 Millionen Wahlberechtigten stimmten nur vier Millionen für Dschalili. Als das Wahlergebnis an die Öffentlichkeit drang, schallten hämische Rufe durch Teheran: "Ahmadi Bye-Bye, Ahmadi Bye-Bye!" Obendrein ist Ahmadinedschad mit dem religiösen Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, zerstritten.

Ahmadinedschad zeichnet dafür verantworlich, dass die Grüne Revolution im Iran gewalttätig niedergeschlagen wurde.
Ahmadinedschad zeichnet dafür verantworlich, dass die Grüne Revolution im Iran gewalttätig niedergeschlagen wurde.(Foto: REUTERS)

Eine andere Spekulation: Ahmadinedschad wagt den Sprung in die Wirtschaft. Als Präsident a.D. dürfte er über ausreichend Kontakte verfügen. Doch auch dieses Szenario wirkt unwahrscheinlich. Es fehlt ihm schlicht an Sachverstand.

Als Ahmadinedschad seinen Präsidentenposten antrat, versprach er den Iranern, dass sich unter seiner Regie die Erdöleinkommen des Landes "auf den Esstischen jeder einzelnen Familie bemerkbar machen würden". Er versprach Vollbeschäftigung und eine einstellige Inflationsrate. Nach acht Jahren Ahmadinedschad ist keines dieser Ziele auch nur annähernd erreicht – im Gegenteil. Die Internationale Energie Agentur (IEA) und die US Energie Information Administration (EIA) erwarten für das Jahr 2013 eine der niedrigsten Exportmengen von iranischem Öl in den vergangenen drei Jahrzehnten. Die Inflationsrate liegt derzeit bei rund 40 Prozent und die Arbeitslosenquote im zweistelligen Bereich. Der iranische Wirtschaftsexperte Fereydoun Khavand berichtete der Deutschen Welle kürzlich von "katastrophalen Jahren für die iranische Wirtschaft". Und dafür machte er nicht nur die internationalen Sanktionen verantwortlich. Khavand spricht von "hausgemachtem Unvermögen". Ahmadinedschad als Firmenchef? Oder gar Unternehmsberater? Kaum vorstellbar.

Ahmadinedschad wird nicht zum Familienmenschen

Wird Ahmadinedschad also doch in den Ruhestand gehen? Sich auf das Einkommen seiner Ehefrau Azam al Sadat Farahi, einer Erziehungswissenschaftlerin, verlassen? Mehr Zeit mit seinen drei Kindern, Mehdi, Ali Reza und Fatemeh, verbringen? Und vielleicht gelegentlich die Familienkasse aufbessern - durch Redehonorare von antiisraelischen Konferenzen?

Wohl kaum. Tatsächlich stehen Ahmadinedschads Pläne für die Zeit nach dem 3. August seit mindestens einem Jahr fest.  Schon am 16. Juni 2012 fragte auch eine Reporterin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", was Ahmadinedschad nach seiner zweiten Amtszeit vorhat. Ahmadinedschad sagte damals: "Acht Jahre sind genug." Vielleicht werde er sich an seiner früheren Universität politisch engagieren, die Gründung einer Partei oder Gruppierung schloss er aber aus. "Ich plane in die Wissenschaft zurückzukehren", so Ahmadinedschad.

Als promovierter Bauingenieur steht dem im Iran wenig im Wege. Bevor er Teheraner Bürgermeister und dann Präsident des Iran wurde, arbeitete er zudem mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Teheraner Universität der Wissenschaft und Industrie.  Seine Spezialisierung: das Transportwesen.

Vielleicht quittierte Ahmadinedschad die Frage nach seiner Zukunft von der iranischen Agentur Fars nur mit einem Grinsen, weil ihn der Gedanke an eine Rückkehr in die Wissenschaft in diesem Moment an einen seiner jüngsten und vor allem seltenen Triumphe seiner Präsidentschaft erinnerte. Am 28. Januar gelang dem Iran nach eigenen Angaben ein großer Schritt hin zur bemannten Raumfahrt. Teheran schoss den Affen "Pischgam" (Pionier) ins Weltall. Das Tier der Gattung Macaca Mulatta kehrte angeblich unversehrt zur Erde zurück.

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Quelle: n-tv.de

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