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Dennis Rodman singt dem nordkoreanischen Diktator ein Ständchen.
Dennis Rodman singt dem nordkoreanischen Diktator ein Ständchen.(Foto: AP)

Besuch bei Kim Jong Un: "Dennis Rodman ist wahnsinnig"

Von Jonathan Mann, CNN International

Dennis Rodman nennt Kim Jon Un seinen Freund, singt ihm ein Geburtstagsständchen und deutet an, dass ein Amerikaner, der in einem nordkoreanischen Gefängnis sitzt, sein Schicksal verdient hat. Die USA wundern sich.

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Amerika war in dieser Woche erstaunt und verärgert, nachdem sich ein sprunghafter Exzentriker des amerikanischen Profisports als selbst ernannter Vertreter eines fernen und gefährlichen Diktators hervorgetan hatte. "Er ist wahnsinnig. Er ist verrückt", lautete der Kommentar der US-Journalistin Laura Ling, die 2011 in Nordkorea inhaftiert worden war. "Es ist wie diese bizarre Reality-Show. Sie wissen schon: Der Star und der Diktator."

Der Star ist der 52-jährige Dennis Rodman, ein ehemaliger Profi-Basketballspieler, der für seinen ausgefallenen Kleidungsstil, viele Piercings und sein schrilles Verhalten bekannt ist. In den letzten Jahren haben wir ihn in Begleitung von Damen wie Madonna gesehen - oder erlebt, wie er selbst in Frauenkleidern auftrat.

Bei dem Diktator handelt es sich um Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un - den Rodman als "Freund fürs Leben" bezeichnet - ein rätselhafter Mann, der nach dem Tod seines Vaters vor zwei Jahren die Macht im Land übernahm. Rodman gehörte zu den Spitzenspielern im amerikanischen Profibasketball und war 14 Jahre lang in der NBA. Diese Woche brachte er ein Team ehemaliger NBA-Spieler nach Pjöngjang, um Kims 31. Geburtstag mit einem Basketball-Spiel zu feiern.

Rodman will "die Tür ein bisschen öffnen"

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Vor dem Spiel überraschte Rodman den Machthaber und die Zuschauer mit einer spontanen Gesangseinlage von "Happy Birthday". "Das ist eine großartige Idee für die Welt", meinte Rodman vor dem Spiel. "Es geht dabei nicht um mich, sondern um etwas anderes: Wenn ich so die Tür nur ein bisschen öffnen könnte." Momentan sind Rodman und seine Begleiter die einzigen Amerikaner, die durch "die Tür" gelassen werden. Kein anderer Amerikaner hat Zugang zu Kim, was den USA eine Menge Gesprächsstoff bietet.

Nordkorea gilt als angehende Atommacht, die Drohungen in Richtung seiner Nachbarländer ausstößt. Kims Machtposition scheint dabei nicht gänzlich gesichert. Vor kurzem erst befahl er die Hinrichtung seines Onkels, der lange Zeit als zweitmächtigster Mann im Land galt. Beobachter glauben, dass es noch weiteres Stühlerücken geben könnte, doch nur wenige behaupten, die Ereignisse in dem stark isolierten Land überhaupt gänzlich zu durchschauen.

Offensichtlich hat Rodman kein Interesse an solchen Themen. Stattdessen konzentriert er sich lieber auf die "Basketball-Diplomatie", wie er sein Vorgehen nennt. Die Mitarbeiter im US-Außenministerium betonten, dass Rodman strikt in eigener Mission unterwegs sei und sie selbst keinerlei Rolle bei dieser Reise spielen. Sie sind jedoch mit Sicherheit an diesem surrealen Ausflug interessiert, der da stattgefunden hat.

"Wir konnten unseren Ohren kaum trauen"

"Das Problem ist, dass wir nur sehr wenig über den neuen Machthaber wissen", sagte der ehemalige US-Botschafter Bill Richardson. "Allem Anschein nach hat er interne Probleme - diese brutale Hinrichtung, die Machtdemonstration sowie sein Austausch der Führungsriege beim Militär, das seinem Vater einst so treu diente. Kim scheint etwas unsicher. Er ist erst 31 Jahre alt und hat wenig Erfahrung. Rodman ist wohl einer der wenigen Menschen aus dem Ausland, mit denen er gesprochen hat."

Kims Regierung hält zudem einen amerikanischen Staatsbürger koreanischer Abstammung gefangen - einen Reiseveranstalter, der zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Welches Verbrechen Kenneth Bae begangen haben soll, hat Pjöngjang bis heute nicht öffentlich benannt.

Rodman weigerte sich, mit Reportern über den Fall Bae zu sprechen. Als der einstige Basketballprofi diese Woche in einem sehenswerten CNN-Interview die Kontrolle verlor, deutete er in seinem Wutausbruch an, dass Bae sein Schicksal vielleicht verdient habe. Baes Schwester Terri Chung zeigte sich entsetzt: "Wir konnten unseren Ohren kaum trauen. Er hätte etwas Gutes tun und sich für Kenneth einsetzen können. Doch er hat sich geweigert."

Rodman und sein Team ehemaliger NBA-Profis haben nicht bekannt gegeben, wie viel Geld sie für ihren Auftritt erhalten haben oder was genau sie dazu veranlasst hat, diese Reise zu unternehmen. Rodman liebt ganz offensichtlich die Aufmerksamkeit, doch keiner weiß so recht, welches Spiel der ehemalige Bad Boy des US-Basketballs momentan eigentlich spielt.

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Quelle: n-tv.de

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